02/09/2026
# # # Was ist eigentlich aus unserer Menschlichkeit geworden?
Ich muss mir heute einmal etwas von der Seele schreiben, weil mich das, was heute passiert ist, wirklich wütend und gleichzeitig unendlich traurig macht.
Heute erreichte mich ein Notruf wegen eines Hundes in Ungarn. Ein vermutlich verletzter Hund lag seit Stunden in einem Trafohaus in **8431 Bakonyszentlászló, Öreg Trafóház**. Er konnte nicht heraus, man konnte ihm kein Wasser bringen und niemand wusste, wie schwer er verletzt ist.
Der Mann vor Ort hatte bereits versucht, Hilfe zu bekommen. Er war bei der Gemeinde, hatte Organisationen kontaktiert und schließlich wurde auch die Polizei verständigt.
Ich selbst bin viel zu weit entfernt, um einfach ins Auto zu steigen und hinzufahren. Also habe ich von hier aus versucht, alles in Bewegung zu setzen, was mir möglich war. Tierschutzorganisationen, Tierärzte, Polizei, Gemeinde, sogar die Presse. Ich habe Telefonnummern gesucht, E-Mails geschrieben, Texte übersetzt und versucht, jemanden zu finden, der vor Ort helfen kann.
Und dann kam der Satz, der mich wirklich fassungslos gemacht hat:
**Die Polizei darf nichts unternehmen. Es sei nicht ihre Zuständigkeit. Man müsse warten, bis der zuständige Notar der Gemeinde tätig wird.**
Ich verstehe durchaus, dass es Dienstanweisungen, Zuständigkeiten und Gesetze gibt. Natürlich verstehe ich das. Aber muss deshalb ein Lebewesen stundenlang in einer möglichen Notlage liegen bleiben?
Was ist eigentlich aus unserer Menschlichkeit geworden?
Ich habe in meiner Dienstzeit gelernt, dass man in einer Notlage nicht einfach danebensteht und sagt: „Dafür bin ich nicht zuständig.“
Wenn ich selbst nicht helfen kann, dann suche ich jemanden, der es kann.
Wenn ich nicht weiß, wie man ein Tier aus einer solchen Situation rettet, dann rufe ich jemanden an, der Ahnung davon hat.
Wenn ich nicht zuständig bin, dann frage ich denjenigen, der zuständig ist.
Aber ich lasse doch kein Lebewesen einfach liegen und warte darauf, dass irgendwann irgendein zuständiger Paragraf in Bewegung gesetzt wird.
Und ja, für mich macht es dabei keinen Unterschied, ob es ein Mensch, ein Hund, eine Katze, ein Igel oder eine Schlange ist. **Leben ist Leben.**
Ich hätte niemals von einem anderen Menschen verlangt, seine Dienstvorschriften zu brechen. Aber ich hätte erwartet, dass man als Mensch zumindest versucht, eine Lösung zu finden.
Man hätte doch innerhalb weniger Minuten jemanden anrufen können, der sich mit solchen Situationen auskennt. Einen Tierretter. Einen Tierarzt. Einen Tierschutzverein. Die Feuerwehr. Irgendjemanden.
Stattdessen Zuständigkeiten.
Paragrafen.
Warten.
Und währenddessen liegt ein möglicherweise verletztes Tier irgendwo in einem Trafohaus.
Ich bin ehrlich: **Ich verstehe diese Welt manchmal nicht mehr.**
Vielleicht bin ich mit meiner Einstellung auch aus der Zeit gefallen. Aber ich möchte niemals so werden, dass ich ein Lebewesen in Not sehe und mein erster Gedanke lautet:
**„Nicht mein Zuständigkeitsbereich.“**
Mein erster Gedanke wäre immer:
**„Wie kriegen wir das Tier da raus?“**
Heute habe ich aus der Entfernung versucht, genau das zu tun. Mehr konnte ich leider nicht.
Die Polizei ist schließlich informiert worden. Jetzt bleibt nur die Hoffnung, dass der Hund die Nacht überlebt und morgen endlich jemand handelt.
Und ich wünsche mir sehr, dass wir uns eines bewahren:
**Unsere Menschlichkeit darf niemals davon abhängig sein, welcher Paragraf gerade für uns zuständig ist.**
Denn am Ende sollte es doch eigentlich ganz einfach sein:
**Wenn ein Leben in Gefahr ist, versucht man zu helfen.**
Egal, wem es gehört.
Egal, ob Mensch oder Tier.
Egal, ob man dafür zuständig ist oder nicht.
**Man hilft.**