30/12/2025
Kommt alle durch diese furchtbare Zeit, die allgemein für alle Tiere nicht angenehm ist.
Es wird Zeit für ein Verbot in Privathand.
Tipp zu Silvester: Social support –
Unterstützung in stressigen Situationen
Jetzt steht er wieder bevor, der Horrortag für viele Hunde: Silvester.
Viele Hunde reagieren mit Angst bis Panik. Sie verkraften das laute Knallen, Zischen, die Lichtreflexe aus unvorhersehbarer Richtung und Lautstärke oft sehr schlecht. Die Empfindlichkeit ist beeinflusst von erblichen Faktoren (Hütehunde sind z.B. prädisponiert), aber auch (mangelnden) Erfahrungen mit unterschiedlichen Geräuschen im Welpen- / Junghundealter.
Was aber tun, um unseren Hunden den Tag erträglicher zu machen?
Den früher häufig gehörten Rat, Angst des Hundes zu ignorieren, um sie nicht versehentlich gar zu belohnen, können wir getrost vergessen. Die moderne Verhaltensbiologie bestätigt, dass soziale Unterstützung eines der Kriterien für kooperatives Verhalten in Gruppen ist. Menschen zeigen dieses Verhalten, aber auch viele Tiere, die in Gruppen leben, sind dazu fähig, geben und holen sich Social Support. Social Support bedeutet, Gruppenmitgliedern in stressenden Situationen durch körperliche Nähe und Zuwendung zu helfen. Dies senkt Blutdruck, Herzfrequenz und den Spiegel der Stresshormone und hilft, beängstigende Situationen besser zu bewältigen. Würde Social Support zu einer Verschlimmerung von Angstzuständen führen, hätte sich dieses sozio-positive Verhalten im Verlauf der Entwicklungsgeschichte nicht erhalten können! Keine Gruppe kann es brauchen, dass ihre Mitglieder immer ängstlicher werden. Hundehalter sollten sich deshalb am Wissen über Sozialverhalten orientieren und ihren Tieren ausreichend Social Support geben, um ihnen durch die stressende Silvesterzeit zu helfen. Alles, was den Hund wirklich entspannt, ist Social Support und damit erlaubt. Ignorieren oder gar Wegschicken beschädigen die Beziehung zwischen Mensch und Hund und steigern die Angst des Hundes. ( mehr dazu hier: https://www.easy-dogs.net/social-support/ )
Das heißt nun allerdings nicht, den Hund zu bemitleiden oder mit Daueraufmerksamkeit zu überschütten. Seid einfach für ihn da, beruhigt ihn und bietet ihm Nähe und Körperkontakt, wenn er das möchte. Aber nur, sofern ihr selbst in der Situation ruhig und entspannt seid. Sonst kommt es womöglich zur gefürchteten Stimmungsübertragung und euer Hund reagiert künftig noch stärker auf die Knallerei.
Souverän sein, sich nicht selbst die Stimmung vermiesen lassen, weil unsere Hunde Angst haben, hilft den Hunden hier am meisten weiter. Und auch Wut auf alle, die ihren Spaß und ihre Freude am Feuerwerk haben, ist kontraproduktiv, sosehr man über den Unsinn der Knallerei auch diskutieren kann - denn auch diese Wut bekommt euer Hund ja mit! (Hier was zum geschichtlichen Hintergrund der Knallerei: http://www.brain-channel.de/geschichte-kultur/brauchtuemer/warum-schiesst-man-an-silvester-raketen)
An Silvester gilt folgendes:
• Hund möglichst im Haus lassen, Fensterläden, Vorhänge und Türen schließen, einen Sicherheits- bzw. Rückzugsort anbieten, an dem der Hund auch sonst möglichst gut entspannen kann.
• Die Erfahrung zeigt, dass Hunde, v.a. Junghunde und Welpen, beim ersten Silvester ihres Lebens wenig bis keine Angst zeigen, in den folgenden Jahren aber plötzlich doch. Welche Faktoren hier ursächlich sind, sei dahingestellt, meine persönliche Empfehlung aus dieser Beobachtung ist allerdings, den jungen Hund auch dann vom Krach etc. abzuschirmen, wenn er beim ersten Silvester offensichtlich nur wenig beeindruckt ist.
• Radio oder Fernseher anmachen (aber kein Sender, in dem das Silvesterfeuerwerk übertragen wird ;-) , am besten: klassische Pianomusik; diese hat sich zur Entspannung von Hunden besonders bewährt ( https://www.deutschlandfunknova.de/beitrag/hunde-entspannen-bei-musik )
• Den Hund an einem ruhigen Rückzugsort etwas Leckeres zum Kauen oder einen gefüllten Kong anbieten: kann der Hund noch fressen, ist dies ein gutes Zeichen. Bei großem Stress geht das meist nicht mehr
• Hunde an Silvester nie von der Leine lassen! Besonders Angsthunde sollte man nochmals mehr sichern, viele sind wahre „Ausbrecherkönige“ und winden sich aus Halsband oder Geschirr heraus. (z.Bein Panikgeschirr aber auch eine Sicherung mit Halsband UND Geschirr ist möglich.
• Gassi auf kleine Runden möglichst nah am Haus beschränken
• Am Silvestermorgen ist es meist noch einigermaßen ruhig und man kann den Hund noch bei einer größeren Runde gut auslasten, es lohnt sich sicher auch, mit dem Auto etwas in die ruhige Natur hinaus zu fahren.
• Bei sehr starker Angst den Tierarzt zu Rate ziehen, und zwar zeitig vor dem Termin; hierzu empfehle ich noch die Lektüre des Artikels von Tierarzt Rückert, in dem er vor Acepromazin warnt und auch noch andere möglicherweise hilfreiche Tipps gibt (Zylkene, Thundershirt, Adaptil, Pheromone, Mutt Muffs, Eierlikör ;-) : https://www.ralph-rueckert.de/blog/silvester-2024-der-eierlikoer-eklat-der-eierlikoer-krieg/
• Eierlikör ist sicher einen Versuch wert bei Hunden, die zwar größere Angst haben, aber nicht völlig panisch sind. (Tierarzt Rückert dosiert bei einem 10 kg schweren Hund 2 x 1 Esslöffel mit 3 Stunden Abstand (Genaue Berechnung ebenfalls im oben genannten Artikel von Ralph Rückert)
• Hier findet ihr noch eine umfangreiche Broschüre in PDF-Form zum Thema:https://www.kynologe.de/wp-content/uploads/2021/10/Broschuere_Anti-Angst-Training_Silvester-1.pdf
Viel Erfolg mit den Tipps und ein entspanntes Silvester!
© Angelika Prinz; Rundumhund-Ostalb