30/07/2026
"Gut gezogen“ oder wirklich gesund? Zu viele Jungpferde bezahlen den Preis für Zucht, die Show statt Stabilität belohnt.
Mein eigenes Pferd war mit acht Jahren ein medizinischer Gesamtfall. ECVM im Hals, Kissing Spines im Rücken, MIM als Stoffwechselchaos – sehr wahrscheinlich schon angelegt, lange bevor ich es kannte.
Im Stall stand plötzlich ein Pferd mit Befunden, die früher alten Schlachtrossen vorbehalten waren. Und ich stand daneben mit dem Gefühl, versagt zu haben, bevor wir überhaupt anfangen konnten.
Wenn du dein Jungpferd liebst, trägst du diese Last oft allein. Du dachtest, du kaufst dir einen jungen Partner zum Aufbauen – und bekommst ein Röntgen-Puzzle samt Dauer-Sorge. Währenddessen läuft ein Zuchtsystem weiter, das genau solche Körper in Serie produziert.
Denn gezüchtet wird heute oft nach spektakulärem Bewegungsablauf, Bilderbuch-Hals und „Talent“. Kaum jemand selektiert konsequent nach Stabilität, tragfähigem Rumpf und einem Nervensystem, das Belastung gesund regulieren kann. Die, die durchs Raster fallen – auch charakterlich – landen als vermeintliche Freizeitpferde im Anzeigenportal.
Am Ende bist du diejenige, die die Rechnung zahlt. Emotional, weil du dein Pferd durch Diagnosen, Schmerztage und Reha begleitest. Finanziell, weil jede neue Untersuchung ausgleicht, was im Mutterleib und in der Aufzucht niemand sehen wollte.
Nein, nicht jede Züchterin, Klinik oder Sportlerin ist „böse“, viele lieben Pferde wirklich und arbeiten trotzdem in einem System, das schnelle Erfolge und Verkaufszahlen höher bewertet als langlebige Körper. Und genau deshalb fühlt sich dein Einzelfall plötzlich wie Teil eines viel größeren Skandals an.
Es geht nicht nur um ECVM, MIM oder Kissing Spines. Es geht um eine Generation Jungpferde, deren Körper vor allem für Richtertische und Videos gebaut und trainiert werden – nicht für ein langes, tragfähiges Leben unter normalen Reiterinnen. Und die, die übrig bleiben, landen bei Menschen, die einfach „nur“ gut reiten und fair halten wollen.
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