15/11/2020
Stellungnahme des Tierschutzvereins
Obwohl wir eigentlich gehofft haben, dass wir uns in den letzten Tagen ausschließlich um die Vermittlung der Tiere und die Auflösung des Vereins kümmern können, sind wir nun gezwungen, die falschen Aussagen in der städtischen Stellungnahme zu korrigieren. Wir können nur darauf hoffen, dass die darauf folgende Reaktion nicht noch mehr Repressalien oder persönliche Unterstellungen zur Folge hat.
Zum Glück enthält die Stellungnahme auf der Facebook Seite der Stadt nicht nur Unwahrheiten und den weiteren Versuch das eigene Ansehen reinzuwaschen, sondern sie macht zum Glück endlich auch einige bereits im Vorfeld falsch dargestellte Fakten sichtbar.
Aufnahmestopp
Am 17.10.2020 war in der Volkstimme zu lesen, dass Herr Dittmann die Ausschussmitglieder darüber informierte, dass die Leiterin des Tierheimes in einem Schreiben mitgeteilt hat, dass ab sofort die Aufnahme von Fundtieren eingestellt wird. Seine Worte waren hier „Das ist der Punkt, der uns verpflichten soll, den Betrag von zusätzlich 66.000 Euro zu den 96.000 Euro bereit zu stellen.“ Weiter erklärte er, „dass die Folge ein sofortiger Zahlungsstopp aller noch ausstehenden Zahlungen war.“
Dass die Stadträte nach dieser Äußerung nur verärgert auf den Tierschutzverein reagieren konnten, ist verständlich, da der Eindruck erweckt wurde, dass der Tierschutzverein dieses Mittel bewusst zur Erpressung genutzt hat. Wäre auch hier schon die tatsächliche Ursache des Aufnahmestopps ehrlich mitgeteilt wurden, hätte es für uns eventuell eine faire Ausgangsposition gegeben. In der Stellungnahme wurde zumindest erstmalig offen zugegeben, dass der Aufnahmestopp nicht durch den Verein, sondern durch das Ordnungsamt und dessen Anzeige beim Veterinäramt erzwungen wurde. Dies sollte den Stadträten zu denken geben, da sie so mit falschen Anschuldigungen bewusst in ihrer Meinung beeinflusst wurden.
Leider ist auch die Korrektur dieser Aussage in der Stellungnahme immer noch nicht die Wahrheit, denn entgegen der jetzigen Darstellung und dem nun erfolgten Bezug auf die Aufnahme von 191 Ratten, ist auch dies völlig irrational. Zum Zeitpunkt der Anzeige beim Veterinäramt, welche erst 8 Tage nach der Aufnahme erfolgte, waren bereits alle Tiere in geeignetere Einrichtungen abgegeben. Bereits am ersten Tag der Aufnahme konnten wir 123 Ratten und bis zum Zeitpunkt der Anzeige auch den Rest vermitteln. Ebenfalls war allen Beteiligten von Anfang an klar, dass die vom Veterinäramt beschlagnahmten Tiere nicht im Tierheim verbleiben werden, sondern es sich nur um eine kurze temporäre Zwischenstation handeln wird. Es bestand also kein Handlungsbedarf des Ordnungsamts diese Anzeige vorzunehmen. Das alles ist nach unserer Einschätzung nur ein nachträglicher Vorwand, um eine vermeintliche Rechtfertigung präsentieren zu können.
Hätte man sich nun tatsächlich Sorgen um die seit Jahren bekannte Überbelegung gemacht, wäre es naheliegend gewesen, dies zunächst mit uns als Vertragspartner zu besprechen und zu versuchen, eine gemeinsame Lösung zu erarbeiten. Die Tatsache, dass dem Verein aber für mehr als drei Wochen die finanziellen Mittel vorenthalten wurden und damit die endgültige Insolvenz drohte, könnte wohl eher als Akt der versuchten Unterdrucksetzung angesehen werden.
Vermittlungen, Finanzierung und Personal:
Mai 2018 (also vor mehr als 2 Jahren)
Hier gab es einen ersten gemeinsamen Termin zwischen dem Bürgermeister, dem Ordnungsamt und den Vertretern des Vereins, um die prekäre Finanz- und Personalsituation zu besprechen. Dazu wurde eine vollständige Übersicht aller Kosten, Arbeitsstunden, Einnahmen und Ausgaben, Maßnahmen zur Kostensenkung, Vermittlungsbilanzen usw. vorgelegt. Dies wurde ebenfalls als 5 seitiges Dokument zur Nachvollziehbarkeit übergeben.
Es kann keine Rede davon sein, dass das Tierheim nicht vermittelt oder den Bestand künstlich erhöht hat. Ganz im Gegenteil, denn das Tierheim hat jedes Jahr auf die rasant steigende Katzenpopulation reagiert und deutlich mehr Katzen kastriert, um entgegenzuwirken. Diese Aktion wurde bis zum 01.01.2019 ausschließlich durch den Verein finanziert und danach durch eine 50%ige Kostenübernahme von der Stadt unterstützt. Alle Tiere, welche in das Tierheim gekommen sind, sind nachweislich Fundtiere aus dem Stadtgebiet, zu denen es auch die erforderlichen Fundtieranzeigen gibt. Leider reißt der Strom an Fundtier-Katzen seit Jahren nicht ab, warum der Tierschutzverein auch massiv auf die Einführung einer Kastrationsverordnung und die private Pflicht zur Kastration gedrängt hat, welche leider trotz großem Kampf erst in diesem Jahr umgesetzt wurde. Die aktuelle Situation und die Anzahl von Tieren im Tierheim wurde in jedem Quartalsgespräch mit dem Ordnungsamt ausgiebig besprochen und auch auf die Überbelegung hingewiesen.
Man sollte nicht vergessen, dass die Stadt Zerbst/Anhalt eine der flächengrößten Städte in Deutschland ist und mit 25 Ortsteilen im ländlichen Raum, nicht mit einer reinen Kernstadt verglichen werden kann. Immer mehr Bürger spüren die Auswirkung der vielen streunenden Katzen und wenden sich hilfesuchend an das Tierheim. Die Aufnahme der Fundtiere zu verweigern, führt zwangsläufig nur zu einem noch schnelleren Anstieg der Population. Das Tierheim hätte, wie vertraglich geregelt, umgehend nach dem Erreichen der maximalen Kapazität einen Aufnahmestopp verlangen können. Dann hätte sich die Stadt selbst um alle weitere Fundtiere kümmern und andere Lösungen erarbeiten müssen. Im Rahmen der vormals partnerschaftlichen Zusammenarbeit, wurde dies aber nie von uns verlangt, sondern stehts nach Lösungen im Tierheim gesucht.
Bereits im Jahr 2017 beliefen sich die Kosten trotz der vielen Sparmaßnahmen und einem vollständigen Investitionstopp auf 136.966,77€ und das, obwohl es nur einen festangestellten Mitarbeiter auf 35h/Mindestlohnbasis gab. Alle weiteren eingesetzten Personalaufwände kamen durch geförderte Maßnahmen, Gassigänger, private Pflegestellen und natürlich durch die massive ehrenamtliche Arbeit der Mitglieder. Die Summe aller aufgebrachten Arbeitsstunden für das Jahr 2017 beliefen sich bereits auf die von 9,6 Vollzeitkräften. Im Jahr 2018 fielen dann aber durch weniger Förderungen auch noch Arbeitsstunden für insgesamt 2,8 Vollzeitkräfte weg. Hieraus resultierte dann neben der negativen finanziellen Bilanz auch noch ein akuter Personalmangel, welcher durch noch mehr ehrenamtliche Arbeit ausgeglichen werden musste. Dies kann so aber als Dauerzustand nicht aufrechterhalten werden, warum die Einstellung von weiteren Vollzeitkräften schon damals dringend erforderlich war.
Wie in verschiedenen Berichten dargestellt, sollten sich die Zuschüsse durch die Stadt in den nächsten Jahren gestaffelt erhöhen. Diese Erhöhung resultiert ausschließlich aus den angekündigten weiteren Mindestlohnerhöhungen und es wurde spätestens für das Jahr 2023 einen Mindestlohn von 12/h€ angenommen, da sich die politischen Entwicklungen so abgezeichnet haben. Das Tierheim hat stets erläutert, dass sich der tatsächliche Bedarf in den Jahren an der Lohn- und Kostenentwicklung ausrichtet und durchaus ein geringerer Bedarf gegeben sein könnte, aber zumindest eine feste Planungsgröße vorhanden sein muss. Außerdem wurde angeboten, dass alle größeren Spenden auch gegen diesen Bedarf angerechnet werden können und somit die Stadt zusätzlich entlastet wäre.
Es gab nie den Versuch des Tierheims, Geld zu verlangen, was für den Betrieb nicht nötig ist und das wurde auch stets betont. Bei den geforderten Mitteln handelt es sich um Kostenschätzungen, um einen Ausblick darstellen zu können und kurzfristige Finanzbedarfe am Ende eines Jahres unnötig zu machen. Unverbrauchte Mittel hätten immer zur Stadt zurückfließen oder für die dringend notwendigen baulichen Investitionen verwendet werden können.
Trotz all dieser Widrigkeiten haben wir nie aufgegeben und sind allen Verpflichtungen aus dem Kooperationsvertrag mit der Stadt nachgekommen. In dieser Vereinbarung ist klar geregelt, dass alle Fundtiere aus der Stadt Zerbst/Anhalt von uns aufgenommen werden müssen. Die Tierbestandszahlen sind der Stadt in vielen Terminen offengelegt wurden und waren in keinem Fall eine unerwartete Überraschung.
Die Aussagen der Stadt bezüglich der Tiervermittlungen des derzeitigen Bestandes bedürfen ebenfalls einer Richtigstellung, denn im Gesprächstermin beim Bürgermeister am 21.10.2020 haben wir andere Aussagen erhalten. Zu diesem Zeitpunkt stand die Klärung der Unterbringung von Fundtieren ab dem 01.01.2021 seitens der Stadt noch aus. Es war nicht geklärt, ob ein städtisches Tierheim weiter betrieben oder eine andere Unterbringung erfolgen wird. Die Verwunderung war groß, als der Bürgermeister signalisierte, dass er Interesse am Erwerb der Hunde- und Katzenhäuser habe, wo doch gerade diese vom Stadtrat beim Vororttermin derart bemängelt wurden.
Auf unsere Frage, ob dann auch die 30 Freigänger-Katzen auf dem Grundstück verbleiben dürfen erhielten wir die eindeutige Antwort, „NEIN“, diese müssen alle weg. Nach solch einer eindeutigen Aussage war uns klar, dass wir es nicht verantworten können, unsere Tiere in eine ungewisse Zukunft zu entlassen. Es wurde offensichtlich, dass die Tiere schnellstens vermittelt oder in anderen Tierheimen untergebracht werden müssen. Wir haben alle möglichen Kontakte genutzt, um auf unsere Notlage aufmerksam zu machen. Das Mitgefühl der Menschen bis zum heutigen Tag ist bemerkenswert. So kommen täglich viele Interessenten auch aus anderen Bundesländern und holen sich ein Tier von uns anstatt aus dem örtlichen Tierheim. Auch ein bundesweiter Aufruf des „Deutschen Tierschutzbundes“ an alle Tierschutzvereine brachte uns solidarische Unterstützung. So nehmen sogar Tierheime, welche selbst eigentlich am Rande ihrer Kapazitätsgrenze sind, aber immer noch genug Herz für andere Tierschützer in Not haben, Tiere von uns auf. Bei all unseren Bemühungen bleiben unsere Vermittlungskriterien dadurch weiterhin berücksichtigt, was uns sehr beruhigt. An dieser Stelle ein großes Dankeschön an alle Menschen, welche sich um uns sorgen, mit uns bangen und uns unterstützen. Der Grund für die erhöhten Vermittlungszahlen liegt also ausschließlich an der besonderen Situation und der Schließung des Tierheims.
Städtisches Tierheim als Option:
Auch der letzte Absatz ist nicht wahrheitsgemäß wiedergegeben. Die Kosten für ein städtischen Tierheim wurden sehr wohl in einem Presseinterview persönlich durch den Bürgermeister thematisiert.
Nachzulesen unter: https://www.volksstimme.de/lokal/zerbst/finanzielle-not-zerbster-tierheim-droht-schliessung
Auszug: Möglich wäre ebenfalls die Einrichtung eines städtischen Tierheims. Das wäre nicht die preisgünstigste Variante, bemerkte der Bürgermeister hinsichtlich der geschätzten Kosten für Personal und Unterhaltung von 560.000 Euro im Jahr – vorausgesetzt, es findet sich ein passendes Objekt und es sind keine weiteren Investitionen notwendig.
Auf Grund der vielen Anfeindungen und Verdächtigungen möchten wir deutlich klarstellen, dass die Vorwürfe einer Veruntreuung oder der missbräuchlichen Verwendung von Geldern jeglicher Grundlage entbehrt. Ganz im Gegenteil wurden in finanzkritischen Monaten sogar private Gelder eingesetzt, um das Tierheim vor einer Schließung zu bewahren. Wir bitten Sie eindringlich, diesen boshaften Behauptungen ein Ende zu setzen. Wir hätten uns ehrlich gesagt eine Richtigstellung durch die Stadt gewünscht, da Sie ja die Sozialen Medien so intensiv verfolgt hat und Ihnen diese Vorwürfe nicht entgangen sein sollten.
Uns ist nicht klar, was Sie mit Ihrer Kommunikation bezwecken und ob Sie uns nach all den Jahren einfach nur als Übeltäter dastehen lassen wollen. Wir sind aber fest davon überzeugt, dass die Fakten eine andere Sprache sprechen und wir in all der Zeit sowohl unseren vertraglichen Pflichten Ihnen gegenüber als auch unseren Pflichten als Tierschutzverein nachgekommen sind. Und glauben Sie uns, wir bedauern die Schließung des Tierheims und die Auswirkungen auf den Tierschutz und vor allem auf unsere Tiere, die nicht vermittelt werden konnten, sondern in ein anderes Tierheim müssen, sehr!
Abschließend möchten wir die Mitglieder verschiedener Fraktionen, welche auch in den letzten Tagen noch im Tierheim waren oder sich persönlich bei uns erkundigt und Unterstützung angeboten haben, bitten, behalten Sie den Tierschutz und das Tierwohl in unserer Stadt im Auge und wir bedanken uns für Ihr Interesse!
Tierschutzverein Zerbst e.V.