04/09/2019
Kennt ihr das? Es steht ein Buch im Regal, ihr kommt daran vorbei, zieht es raus, schlagt auf und ihr lest euch im Kapitel fest?
So ist es mir letzthin mit „Der Affe und der Sushimeister“ von Frans de Waal ergangen.
Ich sah es in einem Regal und schlug „zufällig“ das Kapitel „Überleben der Freundlichsten- von egoistischen Genen und altruistischen Hunden auf“. Zwei Schilderungen in diesem Kapitel haben mich besonders in ihren Bann gezogen.
Gleich zu beginn die Geschichte vom Zusammenleben von 3 Tigern mit 2 Hunden in einem Tigergehege. Und als zweites eine Beobachtung bei Rettungshunden in einem Extremeinsatz.
Zuerst die Geschichte mit den Tigern und den Hunden:
Die 3 Tiger und 2 Hunde lebten zusammen- und die 3 Tiger waren nicht in dem Sinne gezähmt, dass sie sich nicht für lebende Beute interessiert hätten. Sie beobachteten ihre Umgebung genau und wenn da keine Gitter gewesen wären, dann hätten sie zugegriffen und Beute gemacht. Die Hunde waren auf alle Fälle leichte Beute für die Tiger, doch sie sprangen unbehelligt zwischen den Tigern umher.
Die Lösung dieses Rätsels, der eine Hund hat die Tiger großgezogen, der andere Hund war „Milchgeschwister“. Die Tiger und die Hunde hatten zu keinem Zeitpunkt ein Problem miteinander, sie haben sich als Familie gut vertragen und die säugende Hündin sei von allen als Führende anerkannt worden.
Diese Hündin nahm beim Säugen der Tiger beträchtliche eigene Nachteile zum Nutzen der 3 Tigerjungen auf sich.
Frans de Waal erklärt, dass die Motivation der Hündin, die mit der mütterlichen Fürsorge einherging, artübergreifend die Tiger mit umfasste. Dieser Altruismus sei auch ein Beispiel dafür, dass alte menschliche Vorstellungen und Gedanken, wie die Natur „funktioniere“ immer wieder hinterfragt werden kann. Die Natur selbst zeigt immer wieder, dass sie auch ganz anders sein kann, als wir von ihr erwarten.
Die Hündin handelte ganz eindeutig entgegen der Ansicht, dass immer alle Kraft nur dem eigenen Nachwuchs, der eigenen Fortpflanzung gewidmet wird. Dass das eigene Fortkommen stets an der Spitze der Bedürfnispyramide steht.
Mich hat dieser Altruismus berührt.
Und dass die Struktur, die die Hündin ihren Zöglingen gab, auch im Erwachsenenalter weiter Halt gibt.
Die Geschichte, die de Waal aus der Welt der Rettungshunde aufgenommen hat:
Beobachtungen bei einem extremen Einsatz, bei dem viele Tote von den Hunden gefunden wurden, zeigten, dass die Hunde auch außerhalb ihrer Arbeit, in den Pausen, zunehmend depressiv wurden.
Frans de Waal fragte sich, ob die Hunde nicht tatsächlich lebende Menschen finden wollen.
Im Feld der Rettungshunde habe ich viele wundervolle Hunde kennengelernt, auch mit ihnen arbeiten dürfen.
Und gerade aus dem Feld der Therapiehunde begegnen mir immer wieder Geschichten in denen Hunde selbständig, aus sich heraus erkennen, wer gerade Hilfe braucht und dass sie diesem Menschen, auch wenn er fremd ist, nah sein wollen.
Das sind Momente, die machen mir Gänsehaut.
Ganz ohne Zweifel ist es genial, wenn diese Motivation vom Umfeld aufgenommen und gefördert wird. Der Hund so sein ganzes Potenzial entfalten kann.
Doch die Geschenke und Gaben, die die Hunde mitbringen, das macht mich immer wieder staunen und erfüllt mich mit Demut.
Euer Micha