19/08/2025
Leider nicht sehr überraschend, dass sich wieder "jemand" einmischt.. 😣
Das Biologische Populations-Management für Waschbären -kurz BiPoMa- in Kassel wurde gestoppt!
Hier das Statement des Bundesverbands der Wildtierhilfen:
Wie die Stadt Kassel in seiner Pressemitteilung vom 19.08.2025 mitteilte, muss das Sterilisations-Projekt des Bundesverbands der Wildtierhilfen (BVW) pausieren.
Der Grund liegt in einem plötzlichen Erlass der Landesregierung vom 13.08.2025, die Zuständigkeit des bereits laufenden Projekts, von der Unteren Naturschutzbehörde der Stadt Kassel zur Oberen Naturschutzbehörde im Regierungspräsidium Kassel zu ändern, ohne sie vorab darüber in Kenntnis zu setzen.
Vera Heck, Geschäftsführerin BVW: „Wir bedauern es sehr, dass das Projekt jetzt auf Weisung des RP Kassel pausieren muss. Wir haben im Mai d.J. das Projekt-Konzept den Dezernaten im RP Kassel vorgestellt. Ausnahmslos wurde das Projekt befürwortet, gleichzeitig wurde aber auch auf die Amts-Zuständigkeit der Stadt Kassel hingewiesen. Von den Ämtern der Stadt Kassel liegen uns alle Genehmigungen vor, so dass wir gemeinsam mit der Stadt das Projekt am 07.08.2025 der Öffentlichkeit vorstellen konnten.“
Die Entscheidung, ob das Projekt weitergeführt wird, ist offiziell noch nicht getroffen. Eine Stellungnahme und eine erneute Projektbeschreibung, wurde der Oberen Naturschutzbehörde am 18.08.2025 vom BVW fristgerecht eingereicht.
Projekt ist EU-Rechtskonform
Die Umsetzung eines biologischen Managements für „bereits weit verbreiteten Invasiven Arten“ ist in der EU-Verordnung der invasiven Arten unter Artikel 19 explizit festgeschrieben.
„Die Managementmaßnahmen umfassen tödliche oder nicht tödliche physikalische, chemische oder biologische Maßnahmen zur Beseitigung, Populationskontrolle oder Eindämmung einer Population einer invasiven gebietsfremden Art.“ Punkt 2 Artikel 19 (Quelle 1)
In Italien werden bereits seit über 10 Jahren Nutrias, ebenfalls eine invasive Art, erfolgreich auf Grundlage des Artikels 19 sterilisiert. Es ist somit keine neue Methode invasive Arten zu minimieren. Auch die Bedingungen für die Wiederaussetzung von Tieren ist seitens der EU geregelt.
Da es sich bei der Sterilisation von Säugetieren um eine erprobte Methode handelt, Populationen zum Beispiel bei Streunerkatzen, Straßenhunden oder eben Nutrias zu senken, ist die Sterilisation kein Tierversuch, da das Resultat des Eingriffs, also die Vermehrungsunfähigkeit, bekannt ist. Daher ist der biologische Eingriff, wie auch die Jagd, ein anerkanntes und erprobtes Management zur Regulierung von Populationen und in der EU-Verordnung expilzit genannt. Alle Behörden haben dies im Vorfeld ebenso beurteilt. Die Anbringung von Ohrmarken ist von einer Tierversuchsanordnung ausgenommen. „Die reine Kennzeichnung von Wildtieren zur Identifikation ist kein Tierversuch, muss aber trotzdem mit der schonendsten Methode einhergehen.“ (Quelle 2)
Vera Heck: „In den vergangenen Wochen hatten wir sehr gute Gespräche mit vielen Jägern, die unserem Vorhaben positiv gegenüberstehen, da ihnen bewußt ist, dass die reine Bejagung der Waschbären keine Lösung bringen wird.
Wir bedauern daher sehr, dass der Landesjagdverband versucht, das Projekt durch nicht zu haltende Thesen zu diskreditieren, statt sich offen -neben der Jagd- für weitere Möglichkeiten der Bestandskontrolle zu zeigen. Unsere Ziele sind schließlich identisch“.
Genannte Studie vom LJVB
In seiner aktuellen Pressemitteilung verweist der Landesjagdverband, auf die „neue“ Studie der Goethe Universität Frankfurt. Diese Studie ist bereits zwei Jahre alt und wurde von diversen Landesjagdverbänden sowie einem Jagdausstatter finanziell unterstützt. In der Fachwelt ist sie mehr als umstritten. (Quelle 3).
„Wir hoffen, dass die Entscheider sich nicht von dem Druck einzelner Interessensgruppen beeinflussen lassen. Wir handeln nach EU-Recht und möchten den vielen Kasslern Bürgern, die uns „ihre“ Wachbären gemeldet haben, eine tierschutzkonforme Möglichkeit der Waschbärreduzierung ermöglichen. Wir hoffen, dass Projekt für die kommenden drei Jahre schnell wieder aufnehmen können. Die Ergebnisse der Managementmaßnahme werden alle Interessensgruppen zur eigenen Analyse zur Verfügung gestellt. Wenn die Sterilisation so erfolglos ist, wie von Interessensgruppen behauptet, dann können sie eigentlich entspannt das Ergebnis abwarten. Denn sollte es keine positiven Effekte geben, wäre das Thema „Biologische Populationskontrolle von Waschbären“ von der Agenda.“, so Vera Heck.
Quelle 1: EU-Verordnung, Invasive Arten, https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/PDF/?uri=CELEX:32014R1143
Quelle 2: TVT- Studien an Wildtieren und deren Genehmigung; https://www.dropbox.com/scl/fo/8jv3xd9xw5rx7utjr5xad/AGnUSzRmrxlFiOIJtOIkF6M?rlkey=ez6mf3gsklc6yz8vuut3b02l0&dl=0
Quelle 3: Zowiac-Studie https://zowiac.eu/projekt/ /
Zur Einordung: https://www.wildtierschutz-deutschland.de/single-post/zowiac-invasive-arten-jagdverband