17/04/2023
Wir sind doch selbst schuld
Immer wieder höre ich, dass Besitzer sich mit Dienstleistern rund ums Pferd in die Haare bekommen. Daran sind meistens wir Besitzer schuld. Vor allem unsere Vorstellungen von dem, wie es ablaufen soll - und welches Resultat dabei herauskommt. Gebe ich mein Pferd heute in Beritt, kann es nicht in zwei Wochen direkt seine erste Springplatzierung haben. Vielleicht schon - aber dann wurde dabei gemogelt und wichtige Grundarbeit versäumt, weil es uns nicht schnell genug gehen konnte. Das fängt schon im ganz Kleinen an. Der Reitlehrer zeigt einem einfach nicht höhere Lektionen? Boah, was ein Kacklehrer. Dass er uns da abholt, wo wir mit unserem Pferd stehen und man nicht von “kann gerade Galopp sitzen” zur Versammlung übergehen kann, ist doch wohl irgendwie klar, oder?
Und so zieht sich das mit vielen Dingen weiter hin. Vor allem im Beritt oder dann, wenn ein gewisser Meilenstein erreicht werden soll. Eine Klasse, ein Rennen, eine besondere Lektion. Wenn ich meine Gurke im Rennstall abgebe und sage: Ich erwarte, dass der nächste Woche ein Gruppe-Rennen gewinnt (ihr wisst ja, Rennstall Gürkchen - irgendwann werde ich diesen Rennstall gründen), dann wird ein Trainer, der nicht gut auf mich verzichten kann, weil er zum Beispiel gerade nicht gut verdient, versuchen, das irgendwie hinzubekommen. Dasselbe passiert, wenn ich meinen imaginären Quarter abgebe und sage: So, aber in zwei Wochen gewinnt der mir ne Pleasure. Auch hier wieder: Leute, die nicht verzichten können, weil ihnen das Geld nicht gerade aus dem Hintern kommt, könnten unguterweise auf die Idee kommen, das auszuprobieren, damit ich eine zufriedene Kundin bleibe. Und da hat man schnell den Teufelskreis. Es ist nämlich viel leichter, mit dem Wissen, dass man dann nicht sofort beim Arbeitsamt vorstellig werden muss, abzulehnen und zu sagen: Liebe Frau Popopferd, was Sie wollen, ist unmöglich und wenn Sie das selbst nicht merken, sind Sie blind.
Natürlich gilt das nicht allgemein. Auch Trainer, die keine so üppigen Stall haben, machen nicht einfach alles, was der Besitzer will, große Trainer weisen sie ebenso nicht automatisch in die Schranken. Es ist eine Balanceakt, den man als Dienstleister machen muss und man darf nicht mit dem Holzhammer kommen, kann aber auch nicht alles beschönigen. Sonst sitzt der Kunde am Ende in seiner M-Dressur und kann nicht mal einen Reiterwettbewerb gewinnen und wundert sich darüber. Die Beratungsresistenten machen’s halt trotzdem und sie werden leider auch immer einen Trainer finden, der ihnen die utopischsten Versprechen macht. Das ist dann auch der Zeitpunkt, wo die Versprecher dann auch zu unlauteren Mitteln greifen. Darunter leidet am Ende nur das Pferd und ich wünsche mir eigentlich mehr Offenheit - sowohl von Dienstleistern, als auch von den Besitzern, die Wahrheiten akzeptieren müssen.
Besitzer wollen das nur einfach nicht so gerne hören. Die packen dann schnell ihr Pferd ein (oder wechseln, wie im oberen Beispiel den Reitlehrer) und sagen: “Ja, der kann das nicht, weil der halt schlecht ist!” Sie merken gar nicht, dass manche Vorgaben utopisch sind und noch weniger wollen sie erkennen, dass SIE oder ihr Pferd etwas gar nicht können - und auch niemals nicht können werden. Ist dann nur der doofe Dienstleister, der es einfach nicht so macht, wie man will.
Foto: So ein müdes Pferd.