24/09/2025
Bitte auf Daniels Originalpost antworten 😊
Dein Hund ist „reaktiv“.
[Seminarplatz zu gewinnen]
Das ist ein Begriff, den Hundetrainer heutzutage anscheinend benutzen wenn Hunde eine unterentwickelte Beißhemmung haben.
Ob dies dabei auf Grund ungünstiger Lernerfahrungen, genereller Nervenschwäche, oder rein genetisch bedingt ist, scheint dabei keine Rolle zu spielen.
Wenn es schnell beißt, nennt man es heute „reaktiv“. So zumindest mein Eindruck.
Ich bedauere diese Entwicklung aus mehreren Gründen.
Zum einen, Ihr kennt mich, bin ich absolut allergisch was „Schönrederei“ betrifft.
„Mein Hund ist nicht gefährlich, er ist reaktiv.“
Dieser Satz mag es Hundehalter*innen erleichtern den emotionalen Spagat zwischen „Er ist der allertreuste und sanfteste Seelenhund“ und „er verletzt andere Lebewesen“ zu ertragen.
Er tut dies aber auf Kosten einer Realitätsverzerrung, welche sicher nicht dazu beiträgt das zugrunde liegende Problem wahrzunehmen und an dessen Ursachen arbeiten zu können.
Aber meinetwegen. Wir haben erst neulich aus emotionalen Gründen den Begriff „Aggression“ durch „agonistisches Verhalten“ ersetzt, dann ersetzen wir jetzt eben „beißend“ mit „reaktiv“.
Wenn in Fachkreisen trotzdem jeder versteht was gemeint ist – was soll`s?
Ich hätte mir nur gewünscht, dass es ein anderer Begriff geworden wäre als „reaktiv“.
Ich benutze diesen Begriff im Bezug auf Hunde in meinen Veranstaltungen schon seit geraumer Zeit um Teilnehmern eine der Kerneigenschaften von Hunden näher zu bringen.
Nein, nicht das Verletzen von Menschen, sondern ihre immense Anpassungsfähigkeit.
Schon Erik Ziemen verwies in seinen Werken immer wieder auf diese erstaunliche Fähigkeit von Caniden sich den verschiedensten Lebensräumen und -bedingungen anzupassen.
Wobei er dies – und korrigiert mich bitte wenn ich das falsch interpretiere – überwiegend auf die Entwicklungsgeschichte bezog und weniger auf die direkte Wandelbarkeit einzelner Individuen im Bezug auf ihr soziales Umfeld.
Ja, das klingt hochtrabend und kompliziert. Lasst mich erklären was ich damit meine.
Hunde als hoch soziale Lebewesen nehmen in verschiedenen Sozialverbänden, ähnlich wie wir, verschiedene Rollen ein.
Während Du zuhause im Familienverband zum Beispiel hauptsächlich in Deiner Rolle als Mutter wahrgenommen wirst und agierst, wirst Du in Deinem beruflichen Umfeld wahrscheinlich anders wahrgenommen.
Vielleicht als strenge Führungskraft, die sich in wesentlichen Zügen anders verhält und entscheidet als die vielleicht etwas überfürsorgliche Mutter zuhause.
Und wenn Du neben all dem ab und an Zeit findest abends, oder am Wochenende zusammen mit alten Freunden und ohne Familie etwas zu unternehmen, wirst Du in diesem Umfeld wiederum in einer anderen Rolle wahrgenommen.
Vielleicht noch als die „Wilde aus der Oberstufe damals“.
Ich wette mit Dir, dass Du in dieser Rolle Wörter benutzt und Verhaltensweisen zeigst, die Dir zuhause vor den Kindern niemals in den Sinn kommen würden.
So nehmen wir alle, bewusst oder unbewusst, in verschiedenen Konstellationen verschiedene Rollen an und ein. Meist in Reaktion auf das Umfeld und das feedback, das wir von diesem erhalten.
Hunden geht es da ganz genau so – eventuell ist dieser „Hebel“ bei ihnen sogar noch stärker ausgeprägt als bei uns.
Abhängig selbstverständlich vom jeweiligen Typus Hund.
Er erklärt und verdeutlicht warum ein und derselbe Hund neben einem Menschen eine ernstzunehmende Gefahr darstellt, während er nur Minuten später in anderen Händen ein absolut angenehmer und unproblematischer Begleiter sein kann.
Diese innewohnende soziale Anpassungsfähigkeit war es, die ich bisher im Bezug auf Hunde mit dem Begriff „reaktiv“ beschrieben habe. Um Missverständnissen vorzubeugen werde ich allerdings künftig wohl einen neuen Begriff für dieses Phänomen finden müssen.
Ja, müssen.
Denn das Erkennen und Anerkennen dieser Anpassungsfähigkeit… nein, der Begriff passt nicht ganz.
Denn es ist nicht nur eine Fähigkeit, sondern mehr ein psychologischer Hebel.
Rollenzuteilungen und die daraus resultierenden Verhaltensveränderungen sind etwas, wogegen sich Hunde nicht, oder nur sehr schwer entscheiden können.
Wir Menschen können solche Phänomene verstehen, an uns selbst erkennen und, sofern gewollt, aktiv dagegen handeln.
Hunde können das nicht.
Hunde erhalten ihr Selbstbild rein auf Grund des feedbacks ihres Umfeldes, nicht auf Grund ausufernder Grübeleien beim Versuch einzuschlafen.
Sie sind auch nicht gezwungen am Ende des Tages ihr Handeln mit ihren eigentlichen moralischen Werten abzugleichen und für die Dissonanz gewisse coping-Mechanismen zu entwickeln.
Das (aufrecht)erhalten ihres Selbstbildes ist also weniger ein aktiver als mehr ein reaktiver Effekt.
Vielleicht versteht Ihr jetzt besser warum es mir so schwer fällt diesen Begriff „reaktiv“ nun in diesem Bezug nicht mehr zu verwenden.
Gerade auch, weil das eines der Kernthemen unserer Sicht- und Arbeitsweise bei halb so wild ist.
So wie sich jemand empfindet, so verhält er sich auch.
Wenn ich also als Sozialpartner einen direkten und entscheidenden Einfluss auf das Selbstbild meines Hundes habe, habe ich so auch einen direkten Einfluss auf die Ursache seines Verhaltens.
Auch, und vor allem abseits der Momente, in denen der Hund dieses Verhalten zeigt.
Dieses Phänomen zu verdeutlichen und daraus resultierende Möglichkeiten für Verhaltensveränderungen vorzustellen, wird der Kerninhalt meiner neuen Veranstaltung „Was glaubt der wer er ist?!“.
Sie wird kommendes Jahr zum ersten Mal im Programm sein und neben gefilmten Fallbeispielen auch einen Praxisteil enthalten, in dem ihr u.a. erfahren und lernen könnt, was ich momentan nur als den „unmittelbaren oder direkten Bezug“ bezeichnen kann.
Eine Arbeitsweise, die sich vor allem in der Arbeit mit Tierheimhunden hervorragend anwenden lässt, bei denen man auf größere Umfeldveränderungen nicht zurückgreifen kann.
Ihr seht also, dass es für mich absolut notwendig ist hier wieder Begrifflichkeiten verwenden zu können, die unmissverständlich sind.
Manche müssen erst noch gefunden werden, andere, wie „reaktiv“ werde ich wohl schweren Herzens gehen lassen müssen.
Hättet Ihr Ideen welchen Begriff ich stattdessen verwenden könnte?
Um Euch ein wenig zu motivieren mir bei dieser Aufgabe zu helfen, folgendes Angebot:
Die Person, die unter diesem Beitrag als erste den Begriff nennt, der künftig in dieser und anderen Veranstaltung anstelle von „reaktiv“ verwendet wird, bekommt von uns einen Teilnehmerplatz für „Was glaubt der wer er ist?!“ geschenkt.
Ich freue mich auf Eure Beiträge.
(Das Angebot bezieht sich ausschließlich auf Veranstaltungen, die von halb so wild organisiert werden. Nicht auf jene anderer Anbieter.)