27/01/2022
🐕 T R A I N I N G für Angsthunde 🐕
Seit unserem Umzug führen wir ja eher ein Einsiedlerleben.
In Berlin sind wir möglichst allen Menschen aus dem Weg gegangen und nun suchen wir tatsächlich Orte auf, an denen wir gezielt Menschen beobachten und kontrolliert begegnen können, um Roberts Entwicklung voranzutreiben: auf dass er von Mal zu Mal mehr Vertrauen in sich selbst und die Situationen mit Fremden erlangt.
Das kann man nicht erzwingen oder einfordern, sondern nur behutsam und kontinuierlich erarbeiten.
Im Wald treffen wir momentan häufiger Skilangläufer, die Robert aufgrund der in seinen Augen unnatürlichen Bewegungsabläufe ziemlich suspekt findet.
Wir beobachten sie zunächst aus sicherer Entfernung. Dann laufen wir langsam auf sie zu und wenn Robert zeigt, dass er eine Pause benötigt, warten und beobachten wir.
In solchen Momenten sollte man nicht darauf drängen weiter zu laufen und über seine deutlichen Zeichen hinweg gehen.
Er braucht diese kurzen Pausen zur Reizverarbeitung. Dann laufen wir wieder weiter, grüßen freundlich und schauen noch einmal kurz hinterher.
Für Robert ist das „Hinterherschauen“ besonders wichtig, da er den Geruchsabdruck sehr konzentriert aufnimmt und so erst die gesamte Übungssituation abschließen kann: seine Art das Erlebte abzuheften.
Vor ein paar Tagen waren wir am Fichtelsee mit angrenzendem Hotel und Restaurant.
Da die Gegend für uns noch völlig fremd ist, bin ich zunächst mit den beiden Jungs eine Runde gelaufen, um die Gegebenheiten auszukundschaften.
Damit ich für Robert eine mentale Unterstützung sein kann, muss ich mich selbst sicher fühlen. Das kann ich nicht, wenn ich mich fremd fühle und selbst schauen muss, was uns dort erwarten könnte. Eine gewisse Unsicherheit würde ich unterschwellig ausstrahlen, da könnte ich mich noch so konzentrieren und auf meine Körpersprache achten.
Dabei würde wiederum die Leichtigkeit verloren gehen und zu viel Druck aufkommen. Druck ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch absolut kontraproduktiv für Roberts Lernerlebnis.
Ich habe diesen Ort ausgewählt, weil wir dort verschiedene Distanzen zu Menschen wählen können und weil dort auch Wald ist. Robert ist gern im Wald und fühlt sich dort wohl. In solch vertrauter Atmosphäre ist es für ihn leichter die anstrengenden Begegnungen mit Menschen zu meistern, schneller aus diesen Situationen heraus zu kommen und dennoch am Ende der Trainingseinheit mit einem positiven Gefühl und gestärktem Selbstvertrauen nach Hause zu fahren.
Auf dem Foto seht ihr keine Menschen, weil ich in diesen Begegnungen ganz bei Robert sein möchte. Da bleibt mein Handy in der Tasche.