10/03/2025
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„Ein Reiter muss in sich so vielseitige Eigenschaften vereinen, und zwar körperliche, charakterliche und geistige, wie sie die Natur nur selten einer Einzelpersönlichkeit mitgibt und wie keine andere Kunst sie von ihren Schülern in solchem Umfang fordert. Der ganze Körper muss günstige Verhältnisse aufweisen, da alle seine Teile, Glieder und Muskeln beim Reiten mitzuwirken haben. Hierzu müssen sich aber noch ganz besondere Charaktereigenschaften gesellen, nämlich Ruhe mit Energie gepaart, Gelassenheit ohne Schwäche, Festigkeit ohne Grobheit. Außerdem muss der Reiter sich selbst so beherrschen können, dass er stets Herr seiner Gefühlsäußerungen bleibt und daher der Ungeduld mit Geduld, der Heftigkeit mit Ruhe, der Trägheit und dem Ungehorsam mit Entschiedenheit entgegentreten kann. Frei von Eitelkeit muss seine Begeisterung für die Kunst sich stützen auf einen gewissen sittlichen Halt, den keine Enttäuschung erschüttern, keine Schwierigkeit wankend machen kann; Beharrlichkeit muss den Bereiter mehr als irgendeinen anderen Künstler auszeichnen. Diese Eigenschaften müssen ergänzt werden, durch volle Beherrschung der wissenschaftlichen Grundsätze der Reitlehre, damit der Reiter sich von allen Vorgängen beim Reiten Rechenschaft geben und die daraus gewonnenen Erkenntnisse zunächst selbst im Sattel und dann als Lehrer nutzbar machen kann. … Selbst wenn diese Vorbedingungen erfüllt sind, muss noch das Wichtigste hinzukommen, nämlich das richtige Gefühl…“
(G. Steinbrecht, Das Gymnasium des Pferdes)
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