Kleintierpraxis Dr med vet Birgit Weigl

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20/08/2025

🌿🦔 Wo Hecken fallen, verstummen kleine Schritte 🌿

In stillen Nächten, wenn die Straßen längst leer sind, huschen sie durch die Schatten: kleine Igel, Suchende in einer Welt, die kaum noch Platz für sie hat.

🌳 Früher waren unsere Gärten, Wiesen und Wälder ihre Heimat. Heute sind es Beton, Zäune und Autos 🚗💨, die ihre Wege kreuzen – und oft ihr Leben beenden.

Jedes Jahr sterben 600.000 Igel auf unseren Straßen, überrollt von Fahrzeugen, die zu schnell sind, um Rücksicht zu kennen.

Ihre natürlichen Rückzugsorte verschwinden, Hecken werden gerodet, Gärten sterilisiert und mit Steinen bedeckt.

Was für uns ordentlich und modern aussieht, bedeutet für sie Hunger und Trostlosigkeit.

Viele verhungern, weil Insekten 🐞 durch Pestizide verschwinden. Andere finden in den aufgeräumten Gärten keinen Schutz mehr und werden Opfer von Rasenrobotern, die lautlos in der Nacht über sie hinwegfahren.

Selbst im Winterschlaf ❄️ sind sie nicht sicher – aufgeschreckt durch Bauarbeiten oder Laubbläser, die ihre Nester zerstören.

Und doch – trotz all dieses Leids – tragen sie eine stille Sanftmut in sich. ♥️

Sie rollen sich zusammen, wenn sie sich bedroht fühlen, als könnten ihre Stacheln sie vor der Grausamkeit der Welt schützen.

Aber ihre Verteidigung reicht nicht gegen das, was wir Menschen ihnen antun.

Der Igel ist kein Fremder, er lebt in seiner heutigen Form seit über 40 Millionen Jahren auf der Erde 🌍 und seit 200.000 Jahren an der Seite des Homo Sapiens.

Er ist ein lieber Nachbar, ein kleines Herz, das in der Dunkelheit schlägt.

Wenn er stirbt, stirbt auch ein Stück unserer Verbundenheit zur Natur.

Es liegt an uns, diesen kleinen Wesen 🦔 wieder einen Platz zu geben. Einen wilden Winkel im Garten, einen Laubhaufen 🍂 , eine Schale Wasser 💦 in trockenen Sommern. Und Futter.

Ein Innehalten, wenn wir mit dem Auto fahren🚦.

Ein Bewusstsein dafür, dass unser Tun ihr Überleben bestimmt.

Denn jeder gerettete Igel ist ein Sieg des Mitgefühls über die Gleichgültigkeit!

IN GEDENKEN AN DIE IGELIN JUANA, DIE HEUTE VOR EINEM JAHR IN DIESEM ZUSTAND GEFUNDEN WURDE, PURER ÜBERLEBENSMODUS, UND AM SELBEN TAG STARB 🌈🕊️.

16/08/2025

Throwback Mittwoch:

Ein 13 Jahre alter und aktualisierter Artikel:

Haben Tierärzte und ihre Teams Angst vor Tieren oder was?

Von Ralph Rückert, Tierarzt

Manche von Ihnen werden sowohl bei uns als auch in anderen Praxen eventuell schon mal erlebt haben, dass wir sehr schnell sind, wenn es darum geht, unsere Gliedmaßen vor einem Biss oder Krallenschlag in Sicherheit zu bringen. Manchmal zucken wir sogar zurück, obwohl sich Sekundenbruchteile später herausstellt, dass das Tier gar keine bösen Absichten verfolgt hat. Man könnte meinen, wir wären ein wenig ängstlich. Stimmt das?

Ängstlich ist eigentlich nicht der richtige Ausdruck. Eher vorsichtig nach dem Motto „Gebranntes Kind scheut das Feuer“. Jeder, der ein paar Jahre in der Tiermedizin gearbeitet hat, kann mit Sicherheit ein paar mehr oder weniger deutliche Narben vorweisen. Kratzer und kleinere Bisswunden sind Alltag, zwar manchmal recht schmerzhaft, aber bei aller Vorsicht unvermeidbar.

Es kann aber auch schlimmer kommen. Nicht umsonst wird tiermedizinisches Personal von der Berufsgenossenschaft in die gleiche Risikoklasse eingestuft wie Berufsfeuerwehrleute. Bissverletzungen durch Hunde und Katzen haben durchaus das Potenzial, die Betroffenen dauerhaft zu schädigen, bis hin zur Entstellung oder Berufsunfähigkeit. Viele von Ihnen werden wissen, dass meiner Frau die Hälfte des linken Zeigefingers fehlt, weil er 2004 in Folge einer infizierten Katzenbissverletzung nach sechs Wochen Leidenszeit amputiert werden musste. Und ich selbst trage Narben im Gesicht, die von einem Hundeangriff stammen, der mich bei etwas langsamerer Reaktion gut und gern die Nase hätte kosten können.

Katzen sind (in der Tierarztpraxis) rein statistisch gefährlicher als Hunde. Ihre Bisse gehen häufig in die Finger und dringen aufgrund der spitzen Eckzähne sehr tief ins Gewebe ein. Die dabei eingebrachten Bakterien sind ganz besonders gefährlich, wenn sie in schlecht durchblutetes (bradytrophes) Gewebe wie Sehnen, Sehnenscheiden, Knorpel und Knochen gelangen. Genau solche Strukturen sind natürlich in den Fingern gleich unter der Haut anzutreffen. Hundebisse verursachen im Gegensatz dazu eher großflächige Gewebequetschungen und -zerreißungen. Aber auch sie können langfristige oder dauerhafte Einschränkungen nach sich ziehen. Vor vielen Jahren wurde eine Hundebesitzerin am Eingang unserer Praxis von einem anderen Hund in den Oberschenkel, knapp über dem Knie gebissen. Bei der Erstversorgung waren nur ein relativ kleiner Hautdefekt, darum herum aber schon eine großflächige Schwellung zu sehen. Die Behandlung dieser Verletzung zog sich dann über mehrere Monate, zurück blieb leider eine dauerhafte Einschränkung der Streckfunktion des Kniegelenks.

Schnelle Reflexe sind für uns also sehr wichtig. Ebenso wichtig ist Unfallverhütung, und dazu gehört auch, dass ein Hund, der nicht sicher zu untersuchen und zu behandeln ist, einen Maulkorb aufgesetzt bekommt, oder dass eine Katze eher früher als später sediert oder in Narkose gelegt wird, um bestimmte Manipulationen ohne Gefährdung des Personals durchführen zu können. Wir bitten Sie dafür um Verständnis. Vielleicht sollte ich sogar besser schreiben: Wir fordern Ihr Verständnis, denn wir sind für unseren und den Unfallschutz unserer Angestellten verantwortlich. Die Berufsgenossenschaft will nach einer oft enorme Kosten und lange Arbeitsunfähigkeit verursachenden Bissverletzung ganz genau wissen, wie und warum es zu diesem Unfall gekommen ist und ob dieser nicht hätte verhindert werden können.

Bei Diskussionen im öffentlichen Raum, speziell in den sozialen Medien, kann man oft den Eindruck gewinnen, dass viele Tierbesitzer:innen es als integralen Bestandteil unseres Berufes sehen, maximale persönliche Risiken einzugehen, damit ihren Tieren nur ja nichts zugemutet wird. Die stärksten Sprüche kommen dabei nach meiner Erfahrung gern von Leuten, die sich nicht mal trauen, ihrem eigenen Hund einen Maulkorb anzulegen. Ganz besondere Schätzchen sind die, die einem – NACHDEM jemand geschnappt, gekratzt oder gebissen worden ist – fröhlich grinsend mitteilen: „Ach ja, genau, das kann sie/er gar nicht leiden, wenn man…“.

Tierbisse können buchstäblich lebensverändernde Folgen nach sich ziehen. Der Eigenschutz des tiermedizinischen Personals steht deshalb grundsätzlich über den Interessen und Wünschen der Tierbesitzer:innen. Wie auch immer geartete Kritik an getroffenen Selbstschutzmaßnahmen ist unangemessen und inakzeptabel. Es ist auch als Tatsache hinzunehmen, dass unterschiedliche Personen diesbezüglich unterschiedliche Maßstäbe haben können. Jede und jeder ist die Summe ihrer bzw. seiner Erfahrungen! Der oft gehörte Spruch „Mein Haustierarzt macht das aber immer ohne Maulkorb / ohne Schutzhandschuhe / ohne Einwickeln / ohne Sedierung!“ ist nicht angemessen, wenn jemand beschließt, dass sie/er sich nicht wohl fühlt und eben lieber Schutzmaßnahmen ergreifen möchte.

Bleiben Sie mir gewogen, bis bald, Ihr

Ralph Rückert



© Ralph Rückert
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12/08/2025

Katzenbesitzer hier? So verabreichen sie Ihrer Katze eine Tablette

Nehmen sie die Katze in die Beuge Ihres linken Armes, so als ob Sie ein Baby halten. Legen sie den rechten Daumen und Mittelfinger an beiden
Seiten des Mäulchens an, und üben Sie sanften Druck aus, bis die Katze es öffnet. Schieben Sie die Pille hinein und lassen Sie die Katze das Mäulchen schließen.

Sammeln Sie die Pille vom Boden auf, und holen Sie die Katze hinterm Sofa vor.

Nehmen Sie sie wieder auf den Arm, und wiederholen Sie den Vorgang.

Holen Sie die Katze aus dem Schlafzimmer, und schmeißen Sie die angesabberte Pille weg.

Nehmen Sie eine neue Pille aus der Dose, die Katze erneut auf den Arm, und halten Sie die Tatzen mit der linken Hand fest. Zwingen Sie den Kiefer auf und schieben Sie die Pille in den hinteren Bereich des Mäulchens. Schließen Sie es und zählen Sie bis zehn.

Angeln Sie die Pille aus dem Goldfischglas und die Katze von der Garderobe. Rufen Sie Ihren Mann aus dem Garten.

Knien Sie sich auf den Boden und klemmen Sie die Katze zwischen die Knie. Halten Sie die Vorderpfoten fest. Ignorieren sie das Knurren der Katze. Bitten Sie Ihren Mann, den Kopf der Katze festzuhalten und ihr ein Holzlineal in den Hals zu schieben. Lassen Sie die Pille das Lineal runterkullern und reiben Sie anschließend den Katzenhals.

Pflücken Sie die Katze aus dem Vorhang. Nehmen Sie eine neue Pille aus der Dose. Notieren Sie sich, ein neues Lineal zu kaufen und den Vorhang zu flicken.

Wickeln Sie die Katze in ein großes Handtuch. Drapieren Sie die Pille in das Endstück eines Strohhalmes. Bitten Sie Ihren Mann, die Katze in
den Schwitzkasten zu nehmen, so dass lediglich der Kopf durch die Ellenbogenbeuge guckt. Hebeln
Sie das Katzenmäulchen mit Hilfe eines Kugelschreibers auf und pusten Sie die Pille in Ihren Hals.

Überprüfen Sie die Packungsbeilage, um sicher zu gehen, dass die Pille für Menschen harmlos ist.
Trinken Sie ein Glas Wasser, um den Geschmack loszuwerden. Verbinden Sie den Arm Ihres Mannes und entfernen Sie das Blut aus dem Teppich mit kaltem Wasser und Seife. Holen Sie die Katze aus dem Gartenhäuschen des Nachbarn.

Nehmen Sie eine neue Pille. Stecken Sie die Katze in einen Schrank und schließen Sie die Tür in Höhe des Nackens, so dass der Kopf herausschaut. Hebeln Sie das Mäulchen mit einem Dessert-Löffel auf. Flitschen Sie die Pille mit einem Gummiband in den Rachen.

Holen Sie einen Schraubenzieher aus der Garage und hängen Sie die Tür zurück in die Angeln. Legen Sie kalte Kompressen auf Ihr Gesicht, und überprüfen Sie das Datum Ihrer letzten Tetanusimpfung. Werfen Sie Ihr blutgesprenkeltes T-Shirt weg, und holen Sie ein neues aus dem Schlafzimmer. Lassen Sie die Feuerwehr die Katze aus dem Baum auf der gegenüberliegenden Straße holen. Dann entschuldigen Sie sich beim Nachbarn, der in den Zaun gefahren ist, um der Katze auszuweichen.

Nehmen Sie die letzte Pille aus der Dose. Binden Sie die Vorder- und Hinterpfoten der Katze mit einer Wäscheleine zusammen. Knüpfen Sie sie an die Beine des Esstisches. Ziehen Sie sich die Gartenhandschuhe über, öffnen Sie das Mäulchen mit Hilfe eines Brecheisens. Stopfen Sie die Pille hinein, gefolgt von einem großen Stück Filetsteak. Halten Sie den Kopf der Katze senkrecht und schütten Sie Wasser hinterher, um die Pille herunter zu spülen.

Lassen Sie sich von Ihrem Mann ins Krankenhaus fahren. Sitzen Sie still, während der Arzt Finger und Arm näht und Ihnen die Pille aus dem rechten Auge entfernt. Halten Sie auf dem Rückweg am Möbelhaus, und bestellen Sie einen neuen Tisch.

Quelle: Netzfund bei Twitter

08/08/2025

Ein Kangal, eine Magendrehung, die Notdienstkrise und das kontroverse Posting einer Kollegin

Von Ralph Rückert, Tierarzt

Am 1. August 2025 hat eine Kollegin und Praxisinhaberin den folgenden Text veröffentlicht:

„„𝐒𝐨𝐫𝐫𝐲, 𝐰𝐢𝐫 𝐦𝐚𝐜𝐡𝐞𝐧 𝐝𝐚𝐬 𝐧𝐢𝐜𝐡𝐭.“
Warum es gefährlich ist, wenn Tierärzte OPs ablehnen – nicht aus fachlichen Gründen, sondern aus Angst, Aufwand oder Vorurteilen.
Es war wieder so ein Moment, bei dem dir das Herz kurz stehen bleibt – und dann umso heftiger weiterschlägt.
Ein Kangal. 62 Kilo Hund, riesengroß, wunderschön, voller Kraft. 𝑫𝒊𝒂𝒈𝒏𝒐𝒔𝒆: Magendrehung. Ein Notfall. Ein Klassiker. Eine Situation, in der jede Minute zählt – und jede Entscheidung über Leben und Tod entscheidet.
Aber bevor dieser Hund bei uns ankam, passierte das, was in letzter Zeit immer wieder passiert:
Die Besitzer hatten bereits mehrfach versucht, Hilfe zu bekommen. Sie hatten bei Tierärzten angerufen. Bei Kliniken. Bei Praxen. Und sie hörten immer wieder das Gleiche:
„𝙎𝙤 𝙚𝙞𝙣𝙚𝙣 𝙤𝙥𝙚𝙧𝙞𝙚𝙧𝙚𝙣 𝙬𝙞𝙧 𝙣𝙞𝙘𝙝𝙩.“
„𝘿𝙖𝙨 𝙞𝙨𝙩 𝙪𝙣𝙨 𝙯𝙪 𝙜𝙧𝙤ß, 𝙯𝙪 𝙨𝙘𝙝𝙬𝙞𝙚𝙧𝙞𝙜, 𝙯𝙪 𝙧𝙞𝙨𝙠𝙖𝙣𝙩.“
„𝙀𝙞𝙣 𝙆𝙖𝙣𝙜𝙖𝙡? 𝙉𝙚𝙞𝙣, 𝙙𝙖𝙣𝙠𝙚.“
Es war nicht das erste Mal, dass uns so ein Fall erreichte. Und leider ist es inzwischen fast schon ein trauriges Muster geworden: Große Rasse. Aufwendige OP. Und plötzlich wird weiterverwiesen – oder gar nicht erst angenommen.
Dabei geht es hier nicht um Schönheits-OPs. Nicht um Bequemlichkeit. Sondern um akute Notfälle. Um Tiere, die in Todesangst leiden, während Menschen verzweifelt versuchen, jemanden zu finden, der den Mut hat, zu helfen.
Und das darf nicht sein.
Natürlich darf und muss jede Tierarztpraxis ihre fachlichen und räumlichen Grenzen kennen. Niemand verlangt Unmögliches.
𝘼𝙗𝙚𝙧: Wenn ich eine Magendrehung nicht operieren kann – dann sorge ich dafür, dass der Hund sofort in erfahrene Hände kommt. Ich leite weiter. Ich helfe beim Organisieren. Ich schicke niemanden einfach weg, weil mir der Hund zu groß, die Nacht zu lang oder der Aufwand zu hoch erscheint.
Denn Tiermedizin bedeutet Verantwortung.
Nicht für die einfache Stunde am Impftisch – sondern gerade in genau solchen Momenten. Ein Hund ist kein Fall, den man ablehnen kann, nur weil er 62 Kilo wiegt. Er ist ein Lebewesen.
Mit Menschen, die ihn lieben. Mit einer Magendrehung, die ihn in wenigen Stunden töten kann. Wir haben diesen Kangal operiert. Er hat es geschafft. Aber es war verdammt knapp.
Und er hätte viel früher Hilfe verdient gehabt.
𝘽𝙞𝙩𝙩𝙚. 𝙒𝙚𝙣𝙣 𝙙𝙪 𝙏𝙞𝙚𝙧𝙖𝙧𝙯𝙩 𝙤𝙙𝙚𝙧 𝙏𝙞𝙚𝙧ä𝙧𝙯𝙩𝙞𝙣 𝙗𝙞𝙨𝙩:
Lass nicht zu, dass Tiere leiden, nur weil du Angst vor einer Rasse hast. Oder weil dir die Nacht zu kurz erscheint.
Oder weil du glaubst, jemand anders wird’s schon machen.
𝗦𝗲𝗶 𝗷𝗲𝗺𝗮𝗻𝗱, 𝗱𝗲𝗿 𝗵𝗮𝗻𝗱𝗲𝗹𝘁.“

So weit der Text, mit dem wir uns nun aber eingehender beschäftigen müssen, denn er beschreibt einerseits zutreffend, welche Dramatik durch die seit Jahren schlimmer werdende Notdienstkrise der Tiermedizin zwangsläufig immer wieder entstehen kann und muss, ist aber andererseits in vielerlei Hinsicht falsch, vorsätzlich polarisierend und wenig zielführend.

Meine Stammleser:innen sind über die Notdienstkrise gut informiert, weil ich diese schon vor vielen Jahren vorausgesagt und seitdem immer wieder zum Thema diverser Artikel gemacht habe. Für alle anderen nochmal eine Erklärung in aller Kürze. Diese Krise hat viele Ursachen, ist also ein multifaktorielles Geschehen. Im Zentrum steht aber eine ganz einfache Tatsache:

Wir haben inzwischen definitiv nicht mehr genug Leute, und zwar sowohl Tierärztinnen und Tierärzte als auch Tiermedizinische Fachangestellte, um die eigentlich für die Versorgung des Tierbestandes notwendigen Arbeitszeiten leisten zu können!

Das ist die Kernaussage, die sich jede und jeder einfach klar machen muss! Wir können darüber entsetzt sein (sind wir!), wir können heulen und mit den Zähnen klappern (tun wir!), wir können mit der Stirn gegen die Wand oder auf den Tisch schlagen (auch das!), es hilft alles nichts! Wir haben zu wenig Leute, wir schaffen es nicht mehr! Die Arbeitszeit einer bestimmten Anzahl von Leuten ist nun mal eine streng begrenzte Ressource, egal wie man es dreht und wendet. Das müssen wir im Zusammenhang mit dem Text der Kollegin jetzt einfach mal so stehen lassen, weil es dafür ganz sicher keine schnellen Lösungen geben wird.

Und ja, diese unbestreitbare Tatsache wird immer häufiger Patienten das Leben kosten, weil sie nicht rechtzeitig tiermedizinische Hilfe bekommen. Die Kollegin schildert ja genau so einen Fall, wo das gut hätte so ausgehen können. Das ist völlig realistisch dargestellt. Sowas passiert und wird in Zukunft immer öfter passieren!

Wo die Kollegin aber leider argumentativ völlig aus dem Gleis springt, das ist die Schuldzuweisung an alle anderen unter gleichzeitiger Beweihräucherung der eigenen Person, frei nach dem Motto „Ihr seid alle faul, verantwortungslos und sowieso Scheiße, seid doch lieber so toll wie ich!“. Noch abseitiger wird es, wenn sie die Ablehnung oder das Weiterverweisen des Falles auf Angst vor der Hunderasse zu reduzieren versucht.

Wie wir alle war die Kollegin in keiner der Praxen oder Kliniken dabei, als dort die Entscheidung getroffen wurde, den Patienten nicht anzunehmen, weiß also rein gar nichts über die Umstände, die zu dieser Entscheidung geführt haben. Ich habe 35 Jahre lang eine stetig wachsende Kleintierpraxis geführt und in dieser Zeit unzählige Notdienste geleistet. Ich kann mich an Dutzende Fälle erinnern, wo ich (ganz allein mit meiner Frau) mitten in der Nacht am OP-Tisch stand und in dem Wissen, dass wir mit diesem Fall noch so und so lang beschäftigt sein würden, andere Patienten relativ kurz angebunden abgewiesen habe, weil es einfach keine realistische Chance gab, diese angemessen zu versorgen. Man kann halt nicht den einen Patienten mit offenem Bauch vom OP-Tisch werfen, um einen anderen zu versorgen!

Es gibt im Medizinrecht den Begriff des Übernahmeverschuldens, geregelt in den Paragraphen 276, 280, 630a ff. des BGB. Übernahmeverschulden liegt vor, wenn eine Person eine Leistungspflicht übernimmt, obwohl sie nicht in der Lage ist, diese ordnungsgemäß zu erfüllen. Im medizinischen Kontext bedeutet dies, dass ein (Tier-)Arzt oder eine Klinik eine Behandlung annimmt oder durchführt, obwohl sie wissen (oder aufgrund von Fahrlässigkeit nicht wissen), dass sie dafür entweder nicht ausreichend qualifiziert bzw. ausgestattet oder umständehalber nicht in der Lage sind.

Vom abstrakten Gesetzestext zum realen Leben: Wenn ich gerade am OP-Tisch stehe und einem Patienten den Bauch geöffnet habe, um einen Darmverschluss zu beheben, und dann die Leute mit obigem Kangal mit Magendrehung anrufen, dann DARF ich den gar nicht annehmen, weil ich genau weiß, dass der Hund allenfalls in meinem Wartezimmer sterben wird, ich ihm aber überhaupt nicht helfen kann! Wenn ich mit meiner Frau als einziger Hilfe im OP stehe, kann ich dem Hund mit Magendrehung nicht mal die Notversorgung angedeihen lassen, die notwendig wäre, damit er den weiteren Weg in eine Einrichtung, die ihn operieren kann, überlebt. Und ich habe auch absolut nicht die Zeit oder Möglichkeit, die von der Kollegin so locker geforderte Organisation der Weiterleitung des Falles zu übernehmen.

Diese Notversorgung einer Magendrehung (Kurzdiagnostik, Röntgen, Venenzugänge legen, Infusion, Dekompression des aufgegasten Magens durch Punktion) wird oft als etwas beschrieben, was man von jeder Praxis verlangen kann, die fachlich oder ausstattungsmäßig nicht zur eigentlichen OP in der Lage ist. Aber selbst das ist als pauschale Aussage einfach falsch, und da kommen jetzt tatsächlich Größe und Rassegruppe des von der Kollegin beschriebenen Hundes ins Spiel. Es geht dabei in den seltensten Fällen um Angst. Ich kenne aber mehr als genug Kolleginnen und Kollegen, die aufgrund von Praxisstruktur oder Personalmangel den Notdienst völlig allein verrichten müssen. Steht eine Tierärztin mit 55 kg nun nachts oder am Wochenende in ihrer Praxis, kann sie sich natürlich sehr gut ausrechnen, dass sie einen höchstwahrscheinlich nicht kooperativen Herdenschutzhund mit 62 kg („riesengroß, wunderschön, voller Kraft“) schon mal sicher nicht geröntgt und wahrscheinlich auch nicht dekomprimiert bekommen wird. Und schon sind wir wieder beim Übernahmeverschulden! Eines ist nämlich sicher: Die Patientenbesitzer:innen, die sich über eine Fallabweisung furchtbar aufregen, sind die allerersten, die einen stante pede und dann tatsächlich zurecht verklagen, wenn man sie einbestellt, den Hund aber nicht auf der Stelle und nach allen Regeln der Kunst versorgen kann.

Dass der Kangal am Ende in der Praxis der Kollegin operiert und damit gerettet werden konnte, ist schön zu hören, aber eigentlich kein echter Anlass, sich selbst in dieser Form zu feiern. Eigentlich ist es ganz einfach: Die Praxis der Kollegin war halt die erste, die in diesem Moment über die Ressourcen verfügte, um den Hund überhaupt versorgen zu können. Es wären – und das weiß die Kollegin ganz genau – durchaus Umstände denkbar, unter denen sie selbst diesen Patienten nicht hätte annehmen können, ohne sich dem Vorwurf eines Übernahmeverschuldens auszusetzen.

Womit wir abschließend - und um noch was Konstruktives hinzuzufügen - bei einem wichtigen Punkt angekommen sind, nämlich bei der Verantwortung der Tierbesitzer:innen. Ich habe schon vor vielen Jahren dringend darauf hingewiesen, dass man als Halterin oder Halter einer zur Magendrehung neigenden Hunderasse in der Pflicht steht, sich vorab zu informieren, welche tiermedizinischen Einrichtungen in erreichbarer Nähe überhaupt dazu in der Lage sind, diesen so speziellen Notfall zu managen. Eine entsprechende Liste sollte im Handy gespeichert sein, und idealerweise kennen die Praxen oder Kliniken auf den ersten drei Plätzen dieser Liste Hund und Halter schon, weil man sich da mal vorgestellt hat. So eine gar nicht schwierig umzusetzende Vorgehensweise ist potenziell lebensrettend und in diesen Zeiten mit immer dünner werdender Notdienstversorgung wichtiger denn je.

Link: https://www.ralph-rueckert.de/blog/die-magendrehung-beim-hund-aus-sicht-des-besitzers/

Bleiben Sie mir gewogen, bis bald, Ihr

Ralph Rückert

P.S.: Ja, bevor mir jetzt jemand schlau kommt und anmerkt, dass das auf dem Bild kein Kangal, sondern ein junger Akbash ist: Ich weiß! Ich hatte nur kein Foto eines Kangals in meinem Archiv.

© Ralph Rückert
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23/07/2025

🌻🌞🏝️🌻🌞🏝️🌻🌞🏝️🌻🌞

❗Wir machen Urlaub ❗

Von Samstag 09.08.2025 bis einschließlich Sonntag 31.08.2025 ist die Praxis geschlossen.
Ab Montag 01.09.2025 sind wir wieder für Sie da.

Im Notfall oder in dringenden Fällen wenden Sie sich bitte an die
Kleintierpraxis Dr. Burkhardt, Goethestr. 6,
92237 Sulzbach Rosenberg
Bitte telefonische Terminvereinbarung unter
Tel. 09661-810755
Notfallnummer 0170-4158088

🌻🌞🏝️🌻🌞🏝️🌻🌞🏝️🌻🌞

❗We take vacation ❗

Saturday 09.08.2025 to including Sunday 31.08.2025 our practice is closed.
We are there again for you on
Monday 01.09.2025.

In urgent cases or emergency please turn to
Kleintierpraxis Dr. Burkhardt, Goethestr. 6,
92237 Sulzbach Rosenberg

Please call for an appointment
Phone 09661-810755 Emergency Phone 0170-4158088

🌻🌞🏝️🌻🌞🏝️🌻🌞🏝️🌻🌞

22/07/2025

Fundkatze Vilseck/Schönlind 🐈‍⬛

Die Fellnase wurde am Kirchberg in Schönlind aufgegriffen 🙁

21/07/2025

Vollsperrung der Kreisstraße AS 5 vom Hafnertor/ Vorstadt bis zur Kreuzung in Schlicht

Die Stadt Vilseck weist auf folgende Vollsperrung hin:
In der Zeit vom Montag, 04. August bis zum Mittwoch, 06. August wird die oben genannte Kreisstraße, die auch als Schlichter Straße bzw. Amberger Straße bezeichnet ist, komplett saniert.
Am Montag, 04.08. und Dienstag, 05.08. wird die vorhandene Asphaltdeckschicht vollkommen abgefräst und das Befahren ist an diesen beiden Tagen nur bedingt möglich. Im Umfeld der Fräsarbeiten ist abschnittsweise eine Durchfahrt nicht möglich.

Am Mittwoch, 06.08. erfolgt wegen der Asphaltierungsarbeiten eine Vollsperrung der gesamten Straße. Eine Zufahrt zu den Einkaufsmärkten bzw. zu den Wohnanwesen ist an diesem Tag nicht möglich. Die Märkte und alle anliegenden Wohnanwesen sind an diesem Mittwoch nur fußläufig erreichbar.

Die Anfahrtsmöglichkeit zur Apotheke und den Ärzten ist am Mittwoch, 06.08. nur über die Umleitungsstraßen, Grabenstraße, Königsberger Straße und die Wohngebiete möglich.
Die Straße ist ab Donnerstag, 07.08., ab 6 Uhr früh für den gesamten Verkehr wieder freigegeben. Die Baustelle ist eine Maßnahme des Landkreises Amberg-Sulzbach. Informationen zum Busverkehr gibt der ZNAS direkt über die Presse weiter.

21/07/2025

Derzeit Neukunden - Annahme möglich ❗

Currently accepting new customers ❗

09/07/2025

Adresse

Schlichter Straße 9
Vilseck
92249

Öffnungszeiten

Montag 09:30 - 11:30
16:30 - 18:00
Dienstag 09:30 - 11:30
Mittwoch 09:30 - 11:30
16:30 - 18:00
Donnerstag 09:30 - 11:30
16:30 - 18:00
Freitag 09:30 - 13:30

Telefon

+4996627016253

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