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02/04/2026

Ein verängstigter Jungwolf verirrt sich in Hamburg – und sofort wollen manche wieder Blut sehen

Kaum taucht ein Wolf in einer Großstadt auf, läuft in Deutschland zuverlässig das immer gleiche Schauspiel ab. Kaum kommt es zu einem Unfall, stehen die üblichen Lager wieder geschniegelt bereit. Die einen machen aus einem verängstigten Tier sofort ein Monster. Die anderen verklären es fast zum missverstandenen Kuscheltier. Und irgendwo dazwischen bleibt das, was eigentlich nötig wäre: Sachlichkeit.

Nach aktuellem Kenntnisstand gehe ich davon aus, dass es sich bei dem Wolf in Hamburg sehr wahrscheinlich um ein Jungtier handelt, das sich auf Wanderschaft schlicht verlaufen hat. Genau das passiert bei jungen Wölfen: Sie verlassen irgendwann ihr familiäres Umfeld, suchen ein eigenes Territorium und landen nicht immer dort, wo sie landen sollten. Dass ein unerfahrenes Tier dabei in eine urbane Umgebung gerät, die für es völlig ungeeignet ist, ist kein Beweis für eine „neue Wolfsgefahr“. Es ist in erster Linie ein Hinweis darauf, dass Wildtiere nicht nach unseren Stadtgrenzen fragen.

Für mich spricht sehr vieles dafür, dass der Vorfall keine gezielte Attacke war, sondern eine Panikreaktion. Ein Wolf in einer Großstadt, in chaotischer Umgebung, umgeben von Lärm, Menschen, Glas, Enge, Hektik, Wasser, Reizüberflutung und offenbar ohne klaren Fluchtweg – das ist kein „mutiger Problemwolf“, das ist ein Lebewesen im absoluten Ausnahmezustand. Wenn sich in so einer Situation dann ein Mensch nähert oder – vermutlich unabsichtlich – einen Fluchtweg versperrt, kann ein panisches Tier in Abwehr gehen. Nicht aus Jagdverhalten. Nicht aus Angriffslust. Nicht, weil es plötzlich Menschen fressen will. Sondern weil es schlicht keinen Ausweg mehr sieht.

Das war nach meinem Dafürhalten kein Wolfsangriff.
Das war die Panikreaktion eines unerfahrenen Wildtiers in einer für es beängstigenden, unnatürlichen und ausweglosen Situation.
Und genau deshalb ist die Debatte um ein Töten dieses Wolfs für mich nicht nur fachlich fragwürdig, sondern moralisch beschämend. Wenn man diesen Wolf fachlich begleitet, weit weg von der Stadt und in einem geeigneten, dünner besiedelten Gebiet wieder freilassen würde, dann ist es aus meiner Sicht sogar sehr wahrscheinlich, dass gerade dieses Tier künftig einen riesigen Bogen um Menschen machen wird. Nicht trotz dieses Vorfalls – sondern wegen dieses Vorfalls.

Denn was hat dieser Wolf gelernt?
Dass Nähe zum Menschen keine Rettung bringt.
Dass Panik seine Lage nicht verbessert.
Dass selbst eine Abwehrreaktion seine Situation nicht entschärft, sondern alles nur noch schlimmer macht.
Er wurde in einer für ihn völlig falschen Umgebung massiv überfordert. Er landete im Wasser. Er wurde gewaltsam herausgeholt. Er bekam eine Schlinge um den Hals. Er wurde in eine Kiste gebracht. Jetzt sitzt er eingesperrt. Wer ernsthaft glaubt, dass ausgerechnet dieses Tier künftig mit besonderer Gelassenheit in Richtung Menschen laufen würde, hat aus meiner Sicht weder ein Gefühl für Lernprozesse noch für das Verhalten freilebender Wildtiere.

Nach all meiner Erfahrung mit Wölfen – gerade auch durch Beobachtungen an freilebenden, wirklich „wilden“ Wölfen – bin ich mir ziemlich sicher: Gerade dieser Wolf wird in Zukunft eher noch vorsichtiger, noch distanzierter und noch menschenmeidender sein, als Wölfe es ohnehin schon sind.
Und deshalb sage ich es ganz deutlich:
Diesen Wolf zu töten wäre keine Stärke. Kein „Management“. Keine Vernunft.
Es wäre ein moralisches Armutszeugnis.

Ein hilfloses, verängstigtes, empfindungsfähiges Lebewesen wegen seiner Angst und wegen eines Unfalls zu töten, ist keine Lösung. Es ist nur das alte menschliche Muster: Erst bringen wir ein Wildtier in eine völlig absurde Ausnahmesituation, dann reagiert es biologisch nachvollziehbar unter Stress – und am Ende diskutieren wir, ob man es erschießen sollte. Wer das für einen souveränen Umgang mit Natur hält, offenbart vor allem eines: Hilflosigkeit.

Was mich zusätzlich massiv stört, ist das inzwischen vorhersehbare politische Ausschlachten solcher Vorfälle. Wolfshasser, diverse Parteien, jagdnahe Interessenvertreter und andere Lautsprecher sehen sich sofort bestätigt und bauen aus einem verängstigten Jungtier in Rekordzeit ein Symbol für eine angeblich eskalierende Wolfsgefahr. Das ist billig. Das ist durchschaubar. Und das ist intellektuell schwach.

Aber auch die andere Seite nervt mich. Denn viele sogenannte Wolfsfreunde überhöhen den Wolf in einer Art, die mit echter Naturkenntnis ebenfalls wenig zu tun hat. Der Wolf ist kein Kuscheltier. Kein spiritueller Plüschbotschafter der Wildnis. Kein Wesen, das nur deshalb „gefährlich“ wird, weil der Mensch ihn falsch anschaut. Wölfe sind Wildtiere. Hochsoziale, intelligente, sensible Wildtiere – ja. Aber eben auch Fleischfresser. Sie töten andere Tiere, um zu leben. Das ist weder böse noch romantisch. Es ist Natur. Und natürlich können sie sich in Panik- und Bedrohungssituationen wehren. Das kann Verletzungen zur Folge haben. Wer das leugnet, versteht Wölfe am Ende genauso schlecht wie diejenigen, die sie dämonisieren.

Genau deshalb braucht es endlich weniger Lagerdenken und mehr vernünftige Aufklärung. Auch in Städten. Menschen müssen wissen, wie man sich bei einer Wolfsbegegnung verhält. Nicht neugierig näher ran. Nicht filmen, als wäre man in einer Naturdoku für Social Media. Nicht bedrängen. Nicht selbst „retten“ wollen. Keine Fluchtwege versperren. Abstand halten. Ruhe bewahren. Fachleute informieren. Raum geben. So verhindert man Unfälle. Nicht mit hysterischen Schlagzeilen. Nicht mit Abschussfantasien. Und auch nicht mit romantischer Verklärung.
Der Wolf von Hamburg ist für mich kein Beleg für eine neue Gefahr. Er ist eher ein Beleg dafür, wie unfassbar schlecht wir als Gesellschaft mit Wildtieren umgehen, wenn sie plötzlich nicht in unser Wunschbild passen. Entweder Monster. Oder Märchenfigur. Dazwischen scheint es für viele nichts mehr zu geben.

Aber genau da liegt die Wahrheit.
Der Wolf ist weder Dämon noch Kuscheltier.
Er ist ein Wildtier.
Ein junges, vermutlich unerfahrenes Wildtier, das sich verlaufen hat.
Ein Tier, das in Angst gebissen hat.
Und ein Tier, das nach diesem Vorfall mit großer Wahrscheinlichkeit in Zukunft noch mehr Abstand zu Menschen halten wird als zuvor.

Wer daraus jetzt politisches Kapital schlägt, macht sich klein.
Wer daraus ein Monster macht, hat nichts verstanden.
Und wer daraus ein Kuscheltier macht, übrigens auch nicht.

11/03/2026

Crufts 2026 und die Krönung der Qualzucht
Wenn anatomischer Schrott zum „Best in Show“ mutiert

Es gibt Momente in der Geschichte der organisierten Rassehundezucht, in denen die Maske der Tierliebe derart krachend zu Boden fällt, dass selbst mir als hartgesottenem Zyniker kurz der Atem stockt. Am Sonntag, dem 8. März 2026, wurde auf der Crufts, der größten und medial am stärksten ausgeschlachteten Hundeausstellung der Welt, ein vierjähriger Clumber Spaniel namens „Bruin“ zum „Best in Show“ gekürt. [1]

Um dieses kynologische Trauerspiel in seiner vollen, absurden Pracht zu verstehen, müssen wir uns die verbandspolitische Heuchelei dahinter einmal genauer auf der Zunge zergehen lassen. Ausrichter der Crufts ist der britische Royal Kennel Club (RKC) unter Chairman Ian Seath – ein Mann, der sich in der Szene aktuell gerne als großer Reformer im Kampf gegen Extremzuchten feiern lässt und ein neues Gesundheits-Rahmenwerk ausgerufen hat. Und was macht dieser angebliche Reform-Club? Er lädt ausgerechnet den amtierenden FCI-Präsidenten Dr. Tamás Jakkel als Gastrichter für das wichtigste Finale des Jahres ein. [2] Dieser wählt dann aus über 18.600 Hunden [1] ein Tier zum Sieger, dessen Phänotyp in der modernen Veterinärmedizin als absolutes Paradebeispiel für anatomische Extreme, schwere Hautfalten und hängende Lider steht. [3] Die Doppelmoral trieft hier wirklich aus jeder Pore.

Als wäre der Hund nicht schon Tragödie genug, wirft ein Blick auf das andere Ende der Leine weitere Fragen auf. Präsentiert wurde der Clumber Spaniel von seinem Züchter Lee Cox. [1] Dieser beschrieb seinen Hund im Siegestaumel lachend als „wandelnden Cartoon-Charakter in einem flauschigen weißen Mantel“. [4] Genau das ist es, was aus ehemals funktionalen Arbeitshunden gemacht wurde: Karikaturen ihrer selbst, degradiert zu plüschigen Requisiten für das menschliche Ego.

Noch perfider wird es, wenn man weiß, dass dieser Handler in der Vergangenheit wegen Tierquälerei (animal cruelty) rechtskräftig verurteilt wurde. [5] Er ließ einen Hund mit einer chronischen Ohrentzündung derart verrotten, dass das Ohr schließlich amputiert werden musste. [5] Der britische Verband winkt das in hastigen PR-Statements als „isolierten Vorfall“ durch. [5] Auf der renommiertesten Show der Welt überreicht der Chef des Weltverbandes also den höchsten Pokal an jemanden mit einer gerichtlich dokumentierten Tierschutz-Akte. Kann man sich echt nicht ausdenken.

Da wird von Seiten der Züchter und Verbands-Anzugträger unentwegt gejammert, wenn Ausstellungen von den „bösen Ämtern“ reglementiert werden. Da wird die ewig gestrige Lebenslüge gepredigt: „Kauft nur mit FCI- oder VDH-Papieren, das garantiert Gesundheit und Kontrolle.“ Bu****it! Der FCI und alle anderen großen Verbände waren noch NIE eine Garantie für gesunde Zucht. [6] Sie waren und sind mitunter die primäre Ursache für Qualzucht und unendliches, stummes Tierleid. [6] Papiere sind kein Gesundheitszeugnis, sie sind allzu oft nur das offizielle Zertifikat für die erfolgreiche Umsetzung von anatomischem Irrsinn.

Schauen wir uns diesen prämierten Rassestandard doch mal durch die schonungslose Linse der Veterinärmedizin an. Der Clumber Spaniel wird für ein bizarres Äußeres gefeiert, das eine Vielzahl von schweren genetischen Defekten in sich vereint:

Die Augenpartie wird von Züchtern gerne schwurbelig-poetisch als „Diamond Eye“ (Diamantauge) umschrieben. [3] Mediziner nennen das schlicht Makroblepharon (eine abnorm vergrößerte Lidspalte). [3] Das Auge schwimmt ungeschützt in einem viel zu großen Hautsack. Daraus resultiert zwingend ein Ektropium – das Auswärtsrollen des Unterlids, oft begünstigt durch das schiere Gewicht der massiven Kopfhaut und der Lefzen. [7] Das offene Auge gleicht einer biologischen Mülltonne, die Staub, Wind und Schmutz ungefiltert auffängt. Als pathologischen Bonus gibt es in diesem Komplex oft noch das Entropium (die Einwärtsdrehung des Lidrandes) dazu. [7] Die feinen Wimpern reiben bei jedem Blinzeln direkt auf der Hornhaut, was zu chronischen Entzündungen, Schmerzen und tiefen Hornhautgeschwüren führt. [7]

Dazu kommt das dermatologische Desaster: Die extreme Befaltung, im Showring als Rasse-typische „Substanz“ euphemisiert, führt unweigerlich zur Intertrigo (Faltendermatitis). [8] Diese tiefen, feuchten Hauttaschen sind perfekte anaerobe Brutkästen für Staphylokokken und Hefepilze. [8] Das Gewebe entzündet sich, nässt eitrig und verströmt oft den fauligen Geruch von zersetztem Gewebe. [8] Und das Skelett? Ein Gewicht von teils über 34 Kilogramm [9] auf viel zu kurzen Beinen ist eine biomechanische Fehlkonstruktion, die massiv prädestiniert für Hüft- und Ellbogendysplasien (HD/ED) sowie schwere Bandscheibenvorfälle (IVDD) ist. [10] Einen Hund, der ein solches pathologisches Sammelsurium darstellt, auf den Thron zu heben, ist eine absolute Bankrotterklärung.

Werfen wir mal einen Blick in den offiziellen FCI-Standard Nr. 109 für den Clumber Spaniel. Dort steht wörtlich, der Hund soll „fest, fit und fähig sein, einen Tag lang im Feld zu arbeiten“. [9] Es bedarf keines Doktortitels in Biologie, um zu erkennen, dass ein 35-Kilo-Hund, dessen Sicht durch hängende Lider eingeschränkt ist, im Unterholz nach wenigen Metern kollabieren oder sich Äste in die offenen Augen rammen würde. Der absolute Hohn ist der Schlusssatz des Standards, der besagt, dass „nur funktionell und klinisch gesunde Hunde“ zur Zucht verwendet werden dürfen. [9] Das ist ein wertloses, rhetorisches Feigenblatt, das Tierschutz vortäuscht, während im Ring exakt das Gegenteil belohnt wird.

Wenn ich in meinen Beiträgen Klartext rede, echauffieren sich bestimmte Kreise oft darüber, dass ich Hunde aus solchen Zuchtlinien als „genetischen Schrott“ bezeichne. [11] Man wirft mir vor, das würde das Individuum herabwürdigen. Um das an dieser Stelle ein für alle Mal klarzustellen: Diese Bezeichnung ist explizit KEINE Wertung des Hundes als fühlendes Lebewesen, als Charakter oder als treuer Gefährte. Jeder Hund, egal wie kaputt er gezüchtet wurde, hat eine Seele und verdient grenzenlose Liebe und die bestmögliche medizinische Versorgung.

Der Begriff richtet sich ausschließlich und mit voller Wucht gegen die Verwendung dieses Organismus in der Zucht! [11] Ein genetisches Material, das derart mit Defektgenen für Dysplasien, Lidfehlstellungen und Immunschwächen durchsetzt ist, dass ein natürliches, schmerzfreies Leben unmöglich ist, ist für die Fortpflanzung objektiv unbrauchbar. Es ist Schrott. [12] Wer diesen Begriff aus falsch verstandener politischer Korrektheit meidet, verschleiert nur die Verantwortung der Züchter, die dieses Leid wissentlich und willentlich produzieren.

Der Zeitpunkt dieser skandalösen Crufts-Entscheidung hätte politisch im Übrigen nicht brisanter sein können. In Großbritannien tobt exakt zu dieser Zeit eine massive Debatte über das neue "Innate Health Assessment" (IHA), ein Instrument, das Züchter davor warnen soll, Hunde mit extremen Konformationen (wie extremen Hautfalten oder verkürzten Beinen) zu verpaaren. [13] Genau in dieses politische Pulverfass platziert der FCI-Präsident seine Entscheidung. Das ist kein Versehen. Das ist ein bewusstes Statement, ein Schlag ins Gesicht der tierärztlichen Wissenschaft und ein Signal an die Züchter-Basis: „Wir Verbände beugen uns nicht. Wir feiern unsere Extremzuchten, egal, was die Tierärzte sagen.“

Wir müssen aufhören, Pathologie als Ästhetik zu romantisieren. Ein eitriges, offenes Auge ist kein „Diamond Eye“, es ist Tierquälerei. Schwammige Hautlappen, in denen Bakterien florieren, sind keine „Substanz“, sie sind ein tägliches Martyrium für den Hund. Die Verbände werden sich niemals von innen heraus reformieren, solange die elitäre Showmaschinerie finanziell floriert. Der Wandel muss von außen erzwungen werden. Die Veterinärbehörden und der Gesetzgeber müssen noch wesentlich schärfer und unbarmherziger gegen jede Form der Qualzucht vorgehen. Und zwar so lange, bis auch der letzte Hinterhofvermehrer und der arroganteste Verbandsfunktionär in seinem Elfenbeinturm kapiert hat, dass Tiere keine formbaren Knetfiguren für narzisstische Hobbys sind.

Cheech aka DOGSmaniac

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Referenzen:
[1] Bruin the Clumber Spaniel Wins Crufts 2026 Best in Show https://www.bbntimes.com/society/bruin-the-clumber-spaniel-wins-crufts-2026-best-in-show
[2] FCI President Dr. Tamás Jakkel chose the Clumber Spaniel male, Sh Ch Vanitonia Soloist, Breeder-Owner-Handled by Lee Cox, as his Best In Show winner at Crufts 2026. | Canine Chronicle https://caninechronicle.com/featured/fci-president-dr-tamas-jakkel-chose-the-clumber-spaniel-male-sh-ch-vanitonia-soloist-breeder-owner-handled-by-lee-cox-as-his-best-in-show-winner-at-crufts-2026/
[3] Ophtlalmology - Disorders - eye-vet-surgery https://www.eyevetsurgery.gr/disorders
[4] Bruin the Clumber spaniel wins best in show at Crufts https://www.the-independent.com/news/uk/home-news/bruin-clumber-spaniel-crufts-2026-best-in-show-b2934479.html
[5] Handler of Crufts 2026 winner has previous conviction for animal cruelty https://www.the-independent.com/bulletin/news/crufts-champion-2026-lee-cox-animal-cruelty-conviction-b2935063.html
[6] Kommentar von R.M. Cheech Vecchiatto im Dogzines Beitrag https://www.facebook.com/TomasSchwa/posts/pfbid02PMwidX3NGLFXocK68jydJ46cuFXPHR2TyrDTz1Y4q94wkhUn8A573UkPpMXBKgvnl
[7] Conformational eyelid disorders in dog breeds - Veterinary Ireland Journal https://www.veterinaryirelandjournal.com/small-animal/404-conformational-eyelid-disorders-in-dog-breeds
[8] Skin fold dermatitis in dogs - PDSA https://www.pdsa.org.uk/pet-help-and-advice/pet-health-hub/conditions/skin-fold-dermatitis-in-dogs
[9] FCI Standardhttps://www.fci.be/Nomenclature/Standards/109g08-en.pdf
[10] Understanding Clumber Spaniel Health Problems: What Every Owner Should Know https://www.houndsy.com/blogs/modern-tails/understanding-clumber-spaniel-health-problems-what-every-owner-should-know
[11] Qualzucht und Übertypisierung: Das schwere und kurze Leben der ... https://www.ralph-rueckert.de/blog/qualzucht-und-uebertypisierung-das-schwere-und-kurze-leben-der-uebergrossen-hunderassen/
[12] Hundezucht — Gut und böse - Medium https://medium.com//hundezucht-gut-und-b%C3%B6se-60f374afb137
[13] CRUFTS: Best in Show winner on list of 67 dog breeds campaigners claim could be ‘banned’ – but is your dog really at risk? https://swanseabaynews.com/crufts-best-in-show-winner-on-list-of-67-dog-breeds-campaigners-claim-could-be-banned-but-is-your-dog-really-at-risk/

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24/02/2026

Der Begriff „Raumverwaltung“ ist inzwischen fest im Vokabular mancher Trainingsansätze angekommen. Gemeint ist damit die Idee, dass der Mensch konsequent darüber bestimmt, wo der Hund sich aufhalten darf – und wo nicht. Der Hund soll lernen, menschlichen Raum nicht zu beanspruchen. Das, so heißt es, stärke seine Frustrationstoleranz. Und wenn Worte oder Körpersprache nicht „reichen“, dürfe man durchaus auch körperlich nachhelfen 😵‍💫😵‍💫😵‍💫

Dieses absichtliche Praktizieren der "Raumverwaltung" halte ich für unsozial und schädlich.
Das hat mit fürsorglicher Erziehung und ethischem Umgang nix zu tun.
Es entsteht Druck statt soziales Lernen. Widerstand statt Orientierung. Selbst wenn alles ruhig und scheinbar souverän umgesetzt wird, bleibt der Kern gleich: Es geht um Durchsetzen statt um Verstehen. Und das ist unnötig!

Komm mir jetzt bitte keiner mit "Aber Hunde machen das auch untereinander..." - Menschen sind keine Hunde!
Und warum, verdammt nochmal, sollten wir gegen unsere Hunde, die wir angeblich so lieben, kämpfen?

Es gibt andere Wege.
Friedliche Wege, die nicht auf Abgrenzung durch Verdrängen setzen, sondern auf elterliche Führung durch Einladung. Wege, bei denen Rituale entstehen dürfen – klar, freundlich und wiederkehrend. Der Hund lernt nicht, weil er weichen muss, sondern weil es sich lohnt, zu kooperieren. Begleiten statt blockieren. Bestärken statt ab- und begrenzen.

Stell dir ein Zusammenleben vor, das auf Miteinander baut. Auf Abstimmung statt auf Auseinandersetzung. Unsere gemeinsame Zeit ist ohnehin begrenzt – warum sie mit unnötigen Machtspielen füllen?

Wir dürfen es uns leicht machen. Wir dürfen freundlich und fürsorglich sein.
Das Leben hält genug Unwägbarkeiten bereit. Und unser gemeinsamer Weg ist so kurz. Umso schöner ist es, wenn wir im Alltag mit unseren Hunden eine Umgebung schaffen, die von Respekt, Klarheit und echter Verbindung geprägt ist.





23/02/2026

„Beeindruckend ruhig – oder systematisch eingeschüchtert?“

Warum kollektiver Gehorsam in großen Hundegruppen kein Beweis für Vertrauen ist.

Es gibt diese Videos, die in sozialen Netzwerken tausendfach geteilt werden: Eine Person schreitet voran, hinter ihr oder neben ihr laufen fünfzehn, zwanzig oder noch mehr Hunde. Kein Ziehen, kein Ausscheren, kein sichtbares Chaos. Ein leises Wort, ein kurzes Handzeichen – und die gesamte Gruppe reagiert nahezu synchron. Viele empfinden das als beeindruckend. Als Beweis außergewöhnlicher Führungsqualität.

Mich machen diese Bilder zunehmend sauer.

Denn was dort als perfekte Harmonie inszeniert wird, wirkt bei genauerem Hinsehen oft wie etwas anderes: wie kollektive Hemmung.

Auffällig ist, was fehlt. Kaum ein Hund zeigt ausgeprägtes Explorationsverhalten. Es wird wenig geschnüffelt, selten innegehalten, kaum individuell entschieden. Die Körper wirken kompakt, teilweise angespannt, die Köpfe eher tief getragen als neugierig erhoben. Spiel oder lockerer sozialer Austausch zwischen den Hunden ist selten zu sehen. Stattdessen entsteht der Eindruck einer Marschformation – funktional, diszipliniert, kontrolliert.

In großen Gruppen wirken andere Kräfte als im Einzelsetting. Gruppendynamiken können Verhalten massiv beeinflussen. Hunde lernen nicht nur durch direkte Erfahrung, sondern auch durch Beobachtung – durch soziales Lernen. Es genügt unter Umständen, wenn ein einzelnes Individuum deutlich korrigiert oder sanktioniert wird, um der gesamten Gruppe zu vermitteln, welches Verhalten unerwünscht ist. Die übrigen Hunde müssen die Strafe nicht selbst erlebt haben, um daraus Schlüsse zu ziehen. Sie sehen, was passiert, wenn jemand ausschert – und fügen sich vorsorglich.

Dieses Prinzip ist keineswegs auf Hunde beschränkt. Auch in menschlichen Gruppen lässt sich beobachten, dass die öffentliche Herabsetzung oder Bestrafung eines Einzelnen eine regulierende Wirkung auf die übrigen Mitglieder haben kann. Wer gesehen hat, was mit dem „Abweichler“ geschieht, entscheidet sich oft für Anpassung – nicht aus Überzeugung, sondern aus Vermeidung.

Übertragen auf große Hundegruppen bedeutet das: Vielleicht wurden nicht zwanzig Hunde eingeschüchtert. Vielleicht reichten ein oder zwei deutliche Interventionen. Der Rest reguliert sich selbst, um nicht ebenfalls in Konflikt zu geraten. Das Resultat wirkt wie perfekte Führung, kann aber in Wahrheit auf präventiver Unterwerfung beruhen.

Dabei spielt es keine Rolle, ob der Hundeführer laut oder leise agiert. Manche arbeiten mit klarer Stimme, andere nahezu wortlos, mit minimalen Handzeichen oder Körpersperren. Doch auch subtile Signale können auf einem aversiven Lernprozess beruhen. Wenn ein kaum sichtbares Zeichen ausreicht, um eine große Gruppe abrupt zu stoppen, stellt sich zwangsläufig die Frage, wie konsequent zuvor verdeutlicht wurde, was geschieht, wenn man nicht reagiert.

Was mich besonders stört, ist die Einseitigkeit dieser Darstellung. Man sieht das fertige Ergebnis, nie den Weg dorthin. Keine Lernphase, keine Konflikte, keine Stressreaktionen einzelner Hunde. Vor allem sieht man nicht, was diese Form der Führung langfristig mit dem Individuum macht.

Denn Hunde sind keine homogene Masse. Jeder von ihnen bringt ein eigenes Temperament, eigene Erfahrungen, eigene Unsicherheiten mit. In stark kontrollierten Großgruppen verschwindet diese Individualität zwangsläufig hinter der Funktionsfähigkeit des Kollektivs. Der sensible Hund, der konfliktscheue Hund, der leicht verunsicherte Hund – sie alle passen sich möglicherweise besonders stark an. Nicht, weil sie innerlich ruhig sind, sondern weil sie gelernt haben, dass Zurückhaltung Sicherheit bedeutet.

Chronischer Anpassungsdruck kann Spuren hinterlassen. Ein Hund mag äußerlich „funktionieren“ und dennoch innerlich unter erhöhter Anspannung stehen. Stress endet nicht automatisch, wenn der Spaziergang vorbei ist. Er kann sich in Reizbarkeit, vermehrter Sensibilität oder erhöhter Erschöpfung zeigen – auch zu Hause, fernab der Gruppe.

Bleibt die Frage: Wofür braucht es solche Formationen überhaupt? Welcher zwingende Grund erfordert Spaziergänge mit fünfzehn oder zwanzig Hunden gleichzeitig in enger, hochgradig kontrollierter Struktur? Hundebetreuung lässt sich auch anders organisieren – in kleineren, stabilen Gruppen, mit mehr Raum für individuelle Bewegung, für Schnüffeln, für Entscheidungsspielräume.

Oft wird argumentiert, Hunde seien schließlich soziale Wesen. Das stimmt. Doch soziale Strukturen bedeuten nicht permanente Gleichschaltung. Frei lebende Hunde oder Straßenhunde bewegen sich nicht in starren Großverbänden, in denen jede individuelle Entscheidung unterdrückt wird. Ihre Zusammenschlüsse sind flexibel, durchlässig, dynamisch. Individuen können sich lösen, Abstand gewinnen, eigene Wege einschlagen.
Genau diese Möglichkeit geht in stark kontrollierten Großgruppen verloren.

Was mich an solchen Videos letztlich so irritiert, ist die Ästhetisierung von Macht. Gehorsam wird als Ideal präsentiert, ohne dass hinterfragt wird, auf welcher emotionalen Grundlage er entstanden ist. Das Bild des souveränen „Anführers“ überstrahlt die Frage nach dem Wohlbefinden der Geführten.
Ich halte es deshalb für wichtig, genauer hinzusehen – und als Hundehalter kritisch zu prüfen, in welche Strukturen man sein eigenes Tier gibt. Große, perfekt funktionierende Gruppen sind kein automatisches Qualitätsmerkmal. Sie sind ein Managementmodell. Und wie jedes Modell tragen sie Risiken in sich.

Hunde sind soziale Wesen – aber sie sind vor allem Individuen. Und jede Form der Betreuung sollte diesem Umstand gerecht werden.

Quellen (Auswahl):
• Fugazza, C. et al. (2018). Social learning in dogs (Canis familiaris): Imitation of conspecific and human demonstrators. Scientific Reports.
• Range, F., & Virányi, Z. (2015). Tracking the evolutionary origins of dog-human cooperation: The role of social learning. Behavioral Processes.
• Bonanni, R. et al. (2010). Free-ranging dogs’ social organization and dominance relationships.
• Huber, L. et al. (2018). Social learning and imitation in dogs. Scientific Reports.
• Miklósi, Á. (2015). Dog Behaviour, Evolution, and Cognition. Oxford University Press.
• Studie zu frühen negativen Erfahrungen und Verhaltensfolgen bei Hunden (Finnische Kohortenstudie, 2020/2021).

Hinweis zur Kommentarfunktion:
Ich habe die Kommentare zu diesem Beitrag eingeschränkt. Nicht, um Diskussionen zu vermeiden – sondern um zu verhindern, dass sich endlose, sich im Kreis drehende Debatten vom eigentlichen Inhalt ablenken.
Der Text soll zum Nachdenken anregen.

Das Bild ist KI generiert

12/01/2026

Raumverwaltung - Hunde denken in Räumen? 🤔
Es wird oft gesagt, dass Hunde über den Raum kommunizieren und diesen beanspruchen. Daraus leitet sich die Vorstellung ab, dass, wer den Raum kontrolliert, auch die Führung übernimmt. Basierend auf dieser Annahme wird argumentiert, dass der Mensch durch gezielte Raumverwaltung die Führung seines Hundes übernehmen sollte. Aber ist diese Sichtweise wirklich das, was es über die komplexe Beziehung zwischen Menschen und Hunden zu verstehen gibt?

Bei der sogenannten Raumverwaltung geht es unter anderem darum, dem Hund körpersprachlich durch Blocken und Begrenzen einen Raum zuzuweisen oder auch wieder freizugeben. Dies kann etwa ein bestimmter Platz oder eine unsichtbare Grenze sein, welche er nicht übertreten soll. Tut er es doch, wird er durch den Menschen körpersprachlich „korrigiert“. Häufig sehen wir diese sogenannte Raumverwaltung beim Deckentraining, wenn der Hund bestimmte Zimmer nicht betreten soll, oder auch beim Training an der Leinenführigkeit.

Das Training von Hunden unter Verwendung des Konzepts der Raumverwaltung bringt einige Nachteile mit sich, die es zu berücksichtigen gilt:
⛔️ Missverständnis der Hundekommunikation
⛔️ Unnatürliche Einschränkung
⛔️ Fehlinterpretation von Verhalten
⛔️ Unzureichende Berücksichtigung individueller Bedürfnisse
⛔️ Vernachlässigung anderer Trainingsaspekte

Abschließend lässt sich sagen, dass die Idee, Hunde würden ‚in Räumen denken‘, eine zu vereinfachte Sichtweise darstellt. Ein Hund navigiert sein Leben vielmehr nach seinen unmittelbaren Bedürfnissen – sei es das Verlangen nach Nähe, der Wunsch, etwas mitzuteilen, das Bedürfnis nach Aufmerksamkeit, nach Sicherheit, einem komfortableren Platz oder nach sozialer Unterstützung.

Diese natürlichen Bedürfnisse in imaginäre Räume zu zwängen und die wahren Beweggründe für ihr Verhalten in der Interaktion und im Training zu übersehen, ist nicht nur unzureichend, sondern kann auch dem Wohlbefinden und dem Sicherheitsgefühl des Hundes abträglich sein.

Link zu meinem Blogartikel zum Thema Raumverwaltung in den Kommentaren... ⤵️

04/01/2026

Unsitte Hundeauskämmen im Wald

Von Ralph Rückert, Tierarzt

Nachdem ich in letzter Zeit wieder vermehrt über Hundehaarbüschel stolpere, die großzügig im Wald verteilt sind, zum wiederholten Mal der Hinweis:

Einige heimische Vogelarten fangen bei günstigen Witterungsbedingungen schon Ende Januar, Anfang Februar mit dem Nestbau an. Fast gleichzeitig werden die ersten Zecken aktiv und viele Hunde bekommen Ektoparasitika (SpotOns oder Halsbänder), um sie gegen diese Parasiten und die von ihnen übertragenen Krankheiten zu schützen.

Vögel, die ihre Nester bauen, nehmen im Wald herumliegende Hundehaare gerne als Nistmaterial an. Wurde aber der Hund, von dem diese Haare stammen, mit einem Ektoparasitikum gegen Zecken behandelt, können diese Wirkstoffe die Küken das Leben kosten. Ich finde, dass das eine ganz einfach zu verstehende Info ist.

Zusätzliches Problem: Selbst die Haare eines nicht mit Ektoparasitika behandelten, aber langhaarigen Hundes können zu einer Gefahr für die Küken werden, wenn sie sich darin verwickeln oder sich damit die Beine abschnüren. Hat man als Tierarzt alles schon gesehen!

Also, kämmt doch bitteschön Eure Hunde zu Hause aus und entsorgt die anfallenden Haare über den Müll!

Noch eine Anmerkung: Einen Hund mit einem wirksamen Präparat gegen Ektoparasiten wie Zecken und Flöhe zu schützen, ist aus tiermedizinisch-wissenschaftlicher Sicht eine vernünftige Vorgehensweise. Dieser kurze Text beschäftigt sich einzig und allein mit der Gefahr, die von den willentlich im Wald verteilten Haaren solcherart behandelter Hunde für Vogelküken ausgeht. Wer auch immer in den Kommentaren versucht, den Ektoparasitenschutz für Hunde zu diskutieren, wird blockiert!

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