24/10/2025
Liebe Tierärztinnen, liebe Tierärzte, es tut mir leid.
Es tut mir leid, dass ihr euch Tag für Tag mit Mutmaßungen herumschlagen müsst, die aus hitzigen Facebook-Diskussionen und nächtelangem Googlen entstanden ist - weil man erhofft hatte, sich dadurch die Kosten für Diagnostik und Therapie zu sparen.
Es tut mir leid, dass ihr so oft Tiere auf eure Tische bekommt, an denen halbherzig herumlaboriert wurde, mit Zauberpülverchen, die dank ihres ausgefuchsten Marketings viral gegangen sind, aber wenig mehr enthalten als Abfall.
Es tut mir leid, dass so viele stumme Hilfeschreie, als Verhaltensauffälligkeiten wie Aggressivität und Unsauberkeit maskiert, fehlgedeutet und mit pauschalen Bachblütenmischungen aus dem Futterfachgeschäft "behandelt" wurden, anstatt dass einer mal versucht hätte, hinter die Kulissen zu schauen.
Es tut mir leid, dass so viele Krankheitsfälle, die ihr in die Praxis bekommt, unnötig verkompliziert und verschlimmert wurden, nur weil man meinte, der Stimmungspool aus alten Hundebekanntschaften und Zeitungsartikeln sei verlässlicher als die Expertise eines ausgebildeten Mediziners.
Es tut mir leid, dass ihr regelmäßig miterleben müsst, dass selbsternannte Barfer mit ihren Hunden und Katzen vorstellig werden, die über Jahre hinweg nur Billigfleisch und Gemüse in den Napf ihres Tieres packten und nun schwarz auf weiß, anhand von Blutbildern und sonstiger Diagnostik, die gesundheitlichen Folgen der fortwährenden Mangelernährung erkennen müssen.
Es tut mir leid, dass ihr Globuli nur als wirkungslose Zuckerkugeln kennen gelernt habt, weil die Laien-Homöopathie, wie sie in so vielen Zeitschriften und vermeintlichen Ratgebern propagiert wird, kaum Impact hat.
Aber: Liebe Tierärztinnen und Tierärzte, ich bin es leid - dass viele von euch uns komplementärmedizinisch arbeiten Therapeut:innen rigoros über einen Kamm scheren. "(Tier-)Heilpraktikanten", "Scharlatane", "Meinungsmacher" - fast schon synonym verwendet zu einer Berufsbezeichnung, die sehr deutlich macht, worum es eigentlich geht: Tier-heil-praktiker. Oder wie es mein Sohn vor vielen, vielen Jahren so nachdrücklich formulierte: "Kranken Tieren sund machen."
Euer und unser höchstes Ziel ist dasselbe. Es gibt schwarze Schafe in unserer Riege. Ebenso wie in eurer.
Die naturheilkundlichen oder "alternativen" Heilverfahren zu verteufeln, nur weil sie (zumindest nicht in unseren modernen Zeiten) nicht an der Universität gelehrt werden oder nur weil ihr in den Ansätzen und Lösungsstrategien nicht firm seid, ist der falsche Weg. (Und bevor nun eine wütender Aufschrei durch die Menge geht: Doch, es gibt Studien zur Homöopathie. Reichlich sogar.) Den verzweifelten Tierhalter:innen, die über Wochen, über Monate, zum Teil über Jahre in eure und andere Praxen gepilgert sind, ohne verlässliche Hilfe zu finden, von der Naturheilkunde abzuraten, weil "das ja alles wissenschaftlich nicht belegt ist und sowieso nur Humbug", ist eine Frechheit. Sich aufzuspielen mit den Worten "Was wollen Sie bei einer Ernährungsberaterin, ICH bin Ihre Ernährungsberaterin" - und dann einen Sack Trockenfutter über den Tisch zu schieben, dessen Inhalt so intensiv verarbeitet wurde, dass er klinisch tot ist, und dann von einer naturnaheren Fütterung abzuraten, grenzt an eine Farce.
Es wird Zeit, dass wir diese lächerlichen Grabenkämpfe darum, wer denn nun jetzt die "bessere Medizin macht - halt, nein: Wer das Recht hat, zu behandeln und bestenfalls zu heilen -, endgültig ad acta zu legen. Wir von Vetrias - Gamechangers in Veterinary Medicine stehen für eine moderne Definition von Therapie: Nämlich der, den Patienten endlich wieder in den Fokus unserer Betrachtung zu setzen. Genau hinzusehen, WER dieser Patient ist, WARUM er erkrankt ist, welche Symptome er konkret zeigt, welche Störfaktoren einer Genesung im Wege stehen und WAS GENAU DIESER PATIENT NUN VON UNS BRAUCHT.
Es kann nicht sein, dass wir in Therapie und Betreuung wieder in graue Vorzeiten zurückschlittern und den Patienten so weit abstrahieren, dass da mit einem Mal kein fühlendes Wesen mehr vor uns steht, sondern ein Sammelsurium fehlgeleiteter Körperfunktionen. Ich bin nicht die richtige Therapeutin für jeden, und sicher nicht für jedes Krankheitsbild. Meine Methoden sind es nicht. Aber ich weiß, wann die Zeit gekommen ist, mir fachkundige Hilfe an die Seite zu holen und das gesundheitliche Ruder für diesen einen Patienten herumzureißen. Sich hier den Ego-Mantel tief ins Gesicht zu ziehen und stur zu therapieren nach dem Motto "Ich, ich und kein anderer", hat noch keinen Patienten gerettet. - Es sei denn natürlich, es kam zu einer jener sagenumwobenen Spontanheilungen, die ihr der Homöopathie ja immer unterstellt.
Liebe Tierärztinnen, liebe Tierärzte. Kommt, lasst uns Frieden schließen. Lasst uns - zumindest sinnbildlich gesprochen - einen runden Tisch der unterschiedlichen therapeutischen Disziplinen bilden, an dem wir uns respektvoll und konstruktiv miteinander austauschen, wie wir das Leben dieses einen konkreten Patienten retten oder zumindest deutlich besser, leichter, schmerzfreier, gesünder, unbeschwerter und glücklicher gestalten können. Lasst uns die Grenzen zwischen unseren Kompetenzen aufweichen und wieder dem Leitstern folgen, den wir bei unserer Berufswahl doch anerkannt haben: "Kranken Tieren sund machen."