14/03/2021
N O M V - Not one more Vet
NOMV ist eine Abkürzung mit der Viele, die mit Tierärzten befreundet sind oder zusammenarbeiten in den letzten Tagen in Berührung kamen.
NOT ONE MORE VET ein Aufruf, der wachrütteln sollte.
Viele Tierärzte begehen Suizid, deutlich mehr als in jeder anderen Berufsgruppe, wie mehrere unabhängige Studien zeigen.
Wieso ist das so? Was treibt die nette und immer erreichbare Tierärztin und den selbstbewussten Tierarzt dazu, sich das Leben zu nehmen?
Wie kann es sein, dass ein junger Mensch, der mit Leidenschaft seinen Beruf ausübt, depressiv wird und sich entscheidet seine Existenz zu beenden?
Ob man es uns glaubt oder nicht, fast jeder Tierarzt liebt seinen Beruf. Wir wollen immer helfen und wir leiden immer mit.
Oft ist ein Tierarzt gezwungen, sich zwischen einer Geburt und einer Euthanasie in kürzester Zeit zurechtzufinden. Ein Leben zu beenden, die Familie eines Tieres in dieser schwierigen Situation zu betreuen stellt immer wieder eine emotionale Belastung dar, die jeder Tierarzt in den Praxisalltag integrieren muss. Es ist auch für uns unerträglich, nicht helfen zu können.
Wir wollen immer für unsere Patienten da sein, was uns oft an den Rand der Belastbarkeit bringt. Die meisten Tierärzte stehen Ihren Kunden weit über die Sprechstundenzeiten hinaus zur Verfügung, beantworten selbstverständlich „kurze Fragen“, machen sich Gedanken über ihre aktuellen Fälle.
Wir nehmen jedes Leid und jedes Glück gleichermaßen mit nach Hause zu unseren Familien und Freunden.Soziale Beziehungen, physischer und psychischer Ausgleich und das für viele selbstverständliche Familienleben leiden darunter.
Auch Tierärzte machen manchmal Fehler. Die meisten wissen das, und sind selbstkritisch genug, sich damit auseinander zu setzen. Zusätzliche Hasskommentare im Internet tragen maßgeblich dazu bei, dass die psychische Belastung weiter wächst.
Zu lesen, dass Tierärzte „nur aufs Geld aus sind“ oder angeblich „Fehlbehandlungen durchführen“ ist für jeden einzelnen unserer Berufsgruppe verletzend; Insbesondere wenn der direkte Dialog mit dem Tierarzt nicht gesucht wurde, um die Situation aufzuklären.
All diese Punkte führen dazu, dass viele Tierärzte überfordert sind. Sie sehen keinen Ausweg mehr, all dem gerecht zu werden. Viel zu häufig endet diese Überbelastung dann in der Entscheidung, sich das Leben zu nehmen. Das wollen wir nicht mehr akzeptieren.
Wir wünschen uns, dass mit diesem Aufruf das Verständnis für die Situation der Tierärzte weltweit ein wenig aufgebaut werden kann.
Nehmen Sie es Ihrem Tierarzt nicht übel, wenn er mal zu spät kommt, schweigsam ist oder hektisch. Wir haben alle unsere Geschichte, unsere Erfolge und unsere Misserfolge, mit denen wir umgehen müssen. Sprechen Sie Ihren Tierarzt an, wenn Sie Zweifel haben. Wir versuchen immer unser Bestes.
Auch wünschen wir uns, dass Tierärzte untereinander mehr Verständnis füreinander aufbringen können. Um diesem Aufruf gerecht zu werden sind auch wir in der Pflicht, besser auf uns gegenseitig aufzupassen. Konkurrenzdenken und Unkollegialität sollten in einem medizinischen Berufsfeld keinen Platz finden. Jeder Tierarzt hat seine eigene Persönlichkeit und Arbeitsweise und vielleicht auch einen anderen medizinischen Ansatz. Wir sollten diese Vielfalt nutzen, um jeden Patienten und deren Besitzer so gut wie möglich zu betreuen. Zusammen kann man immer mehr erreichen und letztendlich geht es uns allen um die Gesundheit unserer Patienten und um ein bisschen mehr Lebensqualität für alle Tierärzte.
NOT ONE MORE VET