19/05/2020
“Geduld hat was mit Zeit zu tun. Manchmal auch mit viel Zeit.”
Klaus Seibold
Oft haben Menschen die Erwartungshaltung , dass der Trainer ein Problem, welches sich meist über einen langen Zeitraum manifestiert hat, innerhalb kurzer Zeit löst. Dass der Profi kommt und das Problem löst. Klappt das nicht schnell genug, nicht in der Zeit die sich der Reiter vorstellt, wird eben der nächste Trainer, Reitlehrer, Guru oder selbsternannte Heiland angerufen. Früher gab es oft nur einen Reitlehrer am Stall, frei nach dem Motto “Friss oder Stirb”. Es ist super, dass wir heute eine so große Auswahl an Trainern haben, dass man die Person aussuchen kann deren Arbeitsweise einem gefällt. Dass man nicht mit jemanden arbeiten muss, der einem menschlich nicht sympathisch ist. Doch leider führt diese Vielfalt auch dazu, dass einige in Abständen von wenigen Monaten ihre Trainer wechseln. Fast jeden Woche betritt ein neuer, selbsternannter Guru die Bühne des Pferdesports und behauptet, dass seine und nur seine, Methode die universell richtige für alle Pferde ist. Man muss nur seine DVD, sein spezielles Halfter oder sein Heilwasser kaufen und schon sind alle Probleme gelöst.
Doch so sehe ich meinen Beruf nicht. Ich helfe den Menschen ihre Probleme selbst zu lösen. Was bringt es dem Besitzer wenn sein Pferd bei einer fremden Person “funktioniert”, bei ihm die Probleme aber weiter bestehen?
Richtig: Nichts.
Ja, der Weg ist lang. Ja, es wird viele Rückschritte geben. Dinge die gestern noch gingen, die seit Wochen konstant funktioniert haben, gehen plötzlich nicht mehr. Wir arbeiten mit Tieren, 100% bekommen man nicht immer. Ja, wir arbeiten mitunter sehr lange an den Grundlagen. Ja, die Arbeit ist oft unglaublich kleinschrittig. Fast schon pedantisch. Aber wie kann ich von meinem Partner Pferd verlangen, dass es rennt, wenn es nicht mal gelernt hat zu gehen? Sitzen die Basics bekommt man viele Dinge später “einfach Geschenkt”. Manche Lektionen ergeben sich einfach, quasi als Nebenprodukt der Arbeit.
Dabei dauert es, fast immer, länger eine falsch erlernte Lektion zu korrigieren, als sie einem noch unbedarften Pferd neu zu erklären. Also habt bitte Geduld, mit euren Pferden und mit euren Trainern.
Es kommt der Tag, da funktioniert plötzlich all das was man erreichen wollte. Vielleicht sogar mehr. Und aus eigener Erfahrung kann ich sagen:
Das Wissen darum diesen Erfolg selbst erarbeitet zu haben, diesen Weg mit seinem Partner Pferd gegangen zu sein macht unendlich stolz.
Auf diesem Weg bildet man nicht nur sein Pferd aus, man bildet sich nicht nur reiterlich weiter, man lernt etwas fürs Leben: Geduld, Durchhaltevermögen, Passion.