01/11/2026
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Das Wort zum Sonntag - Hunde zu lieben ist keine Qualifikation. Aber es ist ein guter Grund, sich zu qualifizieren.
Viele Menschen arbeiten mit Hunden, weil sie mit ihnen aufgewachsen sind, seit Jahrzehnten mit ihnen leben und irgendwann ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht haben.
Das kann ein wunderbarer Anfang sein. Aber Erfahrung ersetzt kein Fachwissen.
Ein Mensch kann Hunde von Herzen lieben und trotzdem Stress, Schmerzen oder Überforderung übersehen. Er kann überzeugt sein, einem Hund etwas Gutes zu tun, und ihn dennoch in Situationen bringen, die für diesen nicht in Ordnung sind. Das gilt gleichermaßen für Hundefachleute und Hundehalter.
Gute Absichten schützen nicht unbedingt vor schlechten Auswirkungen. Darum ist Weiterbildung für mich kein Extra, sondern Teil der Verantwortung, die ein Beruf und/oder die Haltung von Hunden mit sich bringt.
Ich arbeite seit bald zwei Jahrzehnten als Hundeverhaltensberaterin und Hundemenschencoach, habe mehrere Ausbildungen und unzählige Fortbildungen absolviert. Bei sehr vielen davon habe ich vor allem eines gelernt:
Wie es für mich NICHT geht.
Weiterbildung bedeutet nicht, alles zu übernehmen, was gelehrt wird. Sie bedeutet, Wissen aufzunehmen, zu prüfen, zu hinterfragen und daraus die eigene Haltung weiterzuentwickeln.
Je mehr ich gelernt habe, desto weiter habe ich mich vom Hundetraining, das sich für mich übrigens noch nie richtig angefühlt hat, entfernt. Selbst moderne, freundliche und wissenschaftlich orientierte Ansätze bleiben für mich einem alten Grundgedanken verhaftet: Der Mensch überlegt, wie er das Verhalten des Hundes beeinflussen und in die von ihm gewünschte Richtung verändern kann.
Für mich ist unwichtig, wie ich einen Hund zu einem bestimmten Verhalten bekomme. Ich möchte wissen, was der Hund mir sagen möchte, wie es ihm geht, was er braucht und wie wir ohne Gedöns zusammen leben können.
Hier die obligatorische Wiederholung: Das bedeutet weder, dass ein Hund "alles darf", noch dass Sicherheit unwichtig ist. Verantwortung bedeutet, Situationen so zu gestalten, dass weder der eigene Hund noch andere gefährdet oder in ihren Grenzen verletzt werden.
Die Alternative zu Hundetraining ist also nicht Verantwortungslosigkeit. Die Alternative ist, Verantwortung selbst zu übernehmen, statt sie dem Hund in Form von Gehorsam aufzubürden.
Ein Hund muss nicht funktionieren, um Freiheit zu verdienen. Er ist kein Trainingsobjekt, kein Sportgerät, kein Kinderersatz, keine Egoprothese, kein Seelenklempner etc.
Er ist ein hochsoziales Wesen und ein eigenständiges Gegenüber. Deshalb interessiert mich, was zwischen Mensch und Hund entsteht, wenn nicht ständig einer versucht, den anderen zu formen:
Kommunikation, Beziehung, Vertrauen und Freundschaft.
Dafür braucht es keine Methode.
Ich wünsche mir in der Hundewelt mehr Entwicklung. Es gibt noch viel zu wenige Fachleute, die nicht nach der nächsten vermeintlich besseren Trainingsmethode suchen, sondern bereit sind, das Konzept Hundetraining selbst infrage zu stellen und sich wieder auf das Soziale und Freundschaftliche zwischen Mensch und Hund zu besinnen.
Diese Haltung möchte ich auch Menschen mitgeben, die ich auf ihrem Weg zum Hundeverhaltensberater und Hundemenschencoach begleite.
Eine Ausbildung ist dabei niemals das Ende. Und Weiterbildung bedeutet auch nicht, ausschließlich bei Menschen zu lernen, die exakt die eigene Haltung vertreten. Manchmal steckt ein Erkenntnisgewinn darin, zu erkennen: Das ist nicht mein Weg.
Auch nach bald zwei Jahrzehnten in diesem Beruf gibt es für mich noch unglaublich viel zu lernen. Und ich möchte offen dafür bleiben, meine Sichtweisen zu verändern, wenn neue Erkenntnisse es erfordern.
Von einer Sache war ich allerdings schon immer überzeugt: Die Hundewelt braucht keine neuen und vermeintlich besseren Trainingsmethoden.
Für manche meiner Überzeugungen wurde ich früher belächelt. Wenn ich beispielsweise sagte, dass Hunde keine Kontakte zu fremden Hunden brauchen, dass sich einander fremde Hunde nicht einfach selbstverständlich zum Spielen begegnen oder dass nicht jeder Hund mit jedem anderen Hund etwas zu tun haben möchte, stieß ich oft auf Unverständnis.
Was früher als ungewöhnlich oder gar falsch galt, wird heute von vielen Fachleuten ähnlich gesehen. Das zeigt, dass eine Überzeugung, die von vielen Menschen geteilt wird, nicht richtig sein muss. Und nur weil eine Haltung auf Widerspruch stößt, muss sie nicht falsch sein.
Vielleicht steckt einfach zu viel Rebellin in mir, um Dinge hinzunehmen, nur weil sie schon immer so gemacht wurden. Ich bin noch nie gut darin gewesen, mich anzupassen, wenn etwas für mich nicht stimmig war. Das hat meinen Weg nicht immer einfacher gemacht. Aber es hat ihn zu meinem gemacht. Und diese Rebellin werde ich wohl immer bleiben.
Text: © S. Mangold
Bild: auch meins