29/04/2025
Diesem Artikel der Kollegin können wir nur uneingeschränkt zustimmen. Ein Hoch und großes Dankeschön an unsere TFAs und Praxishelfer, ohne sie läuft in der Praxis gar nichts und sie verdienen mindestens den gleichen Respekt wie die behandelnde Tierärztin!
Das Leben ist kein Wunschkonzert! Oder doch?! Ich tue einfach mal so als ob: 🔟 Dinge, die ich mir für den Bereich der Tiermedizin wünsche. Nummer 6️⃣: Mist abladen verboten - Tiermedizinische Fachangestellte sind keine Sündenböcke!
Obwohl wir uns sehr glücklich schätzen können, weil die absolute Mehrheit unser Kund:innen überaus freundlich, dankbar und umsichtig ist, erlebt man es doch immer wieder:
Die Tiermedizinische Fachangestellte (TFA) am Empfang wird ungeduldig gefragt, wie lange es denn noch dauern wird. Sie muss sich trotz der Bitte um Geduld und der Erklärung, dass leider ein Notfall zwischengeschoben werden musste, wiederholt wütenden Blicken, Augenrollen und Vorwürfen aussetzen. Sie bleibt unbeirrt freundlich und bietet erneut einen Kaffee zur Überbrückung der Wartezeit an.
Bei der Anamneseerhebung durch die TFA gibt es einsilbige, vielleicht sogar patzige Antworten. Kaum komme ich als Tierärztin dazu, wird bereitwillig erzählt. Der missmutige Blick weicht einem Lächeln.
Bei einer telefonischen Terminvereinbarung MUSS der Termin heute sein, obwohl das gesundheitliche Problem des Tieres bereits seit zwei Wochen beäugt wird. Die TFA weist freundlich daraufhin, dass am Freitagmittag bereits alle Termine vergeben sind und wir gerne einen Termin für Anfang der Woche vereinbaren können. Nach diversen Vorwürfen wird aufgelegt.
Die TFA erklärt postoperativ das Narkoseprotokoll und wie die mitgegebenen Schmerzmittel zu verabreichen sind. Genervt entgegnet ihr der Kunde, wie er denn bitteschön Tabletten in den Hund bekommen soll. Geduldig gibt die TFA Tipps.
Die TFA übermittelt die gewünschte Kostenschätzung für den operativen Eingriff und wird angeblafft, was denn da so teuer sein soll, es ginge ja schließlich nur um die Narkose eines Tieres.
Das Laborgerät zeigt mal wieder eine Fehlermeldung an. Der Kundenservice erklärt zum hundertsten Mal, wie das Gerät ordnungsgemäß gereinigt wird. Bei dem freundlichen Hinweis, dass die Reinigung bereits mehrfach durchgeführt wurde und kein Erfolg ersichtlich ist, werden Vorwürfe erhoben, dass die Reinigung dann wohl doch nicht ordnungsgemäß stattgefunden habe. Ihre Kompetenz wird offen angezweifelt.
Ein Hund wacht aus der Narkose auf und setzt kurze Zeit später eine große Menge Durchfall ab. Die TFA reinigt nicht nur den Boden sondern auch den Hund. Sie erklärt bei der Abgabe an die Besitzerin, dass das lange Fell schlecht zu reinigen war und entschuldigt sich für den „Zustand“ des Tieres, obwohl sie keine Schuld trifft.
Bei der eiligen Bestellung eines Medikaments per Telefon vergisst die Mitarbeiterin der Pharmafirma auf stumm zu stellen: „Warum die nicht einfach im Onlineshop bestellen kann?! Jetzt muss ich hier suchen…“
Eine Kundin meldet sich nach vier Wochen anstatt den vereinbarten vier Tagen, um Rückmeldung bezüglich ihres Katers zu geben. Das Problem sei immer noch nicht weg. Die TFA hält mit mir Rücksprache, wie wir nun am besten verfahren. Die Kundin wird ausfallend, weil ich das Tier nun doch lieber noch einmal sehen möchte bevor wir uns zu irgendwelchen Aussagen am Telefon hinreißen lassen. Die TFA bleibt freundlich und erklärt die Beweggründe.
Die TFA steht fast immer in der ersten Reihe. Sie ist fast immer die erste Kontaktperson in unserer Praxis, ob per Telefon oder aber im Wartezimmer. Sie leistet wichtige Vorarbeit, ermöglicht einen reibungslosen Behandlungsablauf, betreibt Nachsorge am und um den Patienten. Sie ist überall, denn ohne sie läuft nichts!
Sie muss sich allen Gefühlsregungen ihres Gegenübers aussetzen.
Ich kann verstehen, wenn es durch die Sorge um das eigene Tier, zu einem kurzzeitigen Verlust der grundsätzlich vorhandenen Manieren kommt.
Was ich aber nie verstehen werde ist, weshalb eine Art hierarchisches Respektbarometer darüber zu entscheiden scheint, welche Umgangsform an den Tag gelegt wird. Die vermeintliche Autorität scheint darüber zu entscheiden, wie Menschen angesprochen und behandelt werden.
Wir alle machen unseren Job, wir alle arbeiten hart und der respektvolle Umgangston sollte nicht von der vermeintlichen Stellung abhängen.
Das sollte selbstverständlich sein?! Ja, sehe ich auch so.
Nicht, dass das hier falsch rüberkommt: Bekomme ich mit, dass Kund:innen sich respektlos gegenüber irgendeiner Mitarbeitenden verhalten, wird das Gespräch gesucht. Meist wird dann beschwichtigt und versichert, dass so etwas nicht wieder vorkommt. Es gibt aber auch die Uneinsichtigen. Das sind meist Menschen, die sich selbst als hierarchisch höhergestellt einordnen würden. Mit anderen Worten selbst Chef sind oder es waren (oder es gern gewesen wären). Diese Personen bekommen dann eine Einladung sich und ihre Tiere gern anderweitig versorgen zu lassen.
Wir pflegen in meiner Praxis einen respektvollen Umgang unabhängig von der Position. Daher lasse ich mich garantiert nicht auf Gespräche à la „es sind ja nur Angestellte“ ein. Ebenso bringt es nichts meine Angestellten als überempfindlich darstellen zu wollen. Denn ICH weiß, dass meine Praxis nur funktionieren kann, wenn meine Mitarbeitenden sich auf ihre Arbeit konzentrieren können und Spaß bei der Arbeit haben.
Unser Job ist anstrengend und eine vollgepackte Woche schlaucht ganz ordentlich. Zusätzlichen Stress durch Respektlosigkeiten kann niemand gebrauchen!
Natürlich ist das kein Phänomen, was nur in der Tiermedizin vorherrscht. Deswegen an alle: Bleibt respektvoll und wertschätzend!
Danke an das absolute Gros unserer Kund:innen, die wertschätzend und respektvoll mit dem gesamten Tier agieren ❣️
Und das größte DANKE geht an alle TFAs (MFAs, ZFAs, Einzelhandelskauffrauen,…) aber vor allem an die Besten die TFAs Julia, Sabrina, Jana, Sophie, Michelle, Leonie und Nina, die mir und uns den Rücken freihalten, Spaß bei der Arbeit behalten und einen so guten Job machen! Ich bin stolz auf Euch und froh, dass es Euch gibt❤️🔥
Eure Johanne Bernick