05/04/2026
Nur weil man kann -
Muss man nicht .
Am Ende muss sich der Besitzer auf den Tierarzt verlassen können.
Die Ansicht über die erforderliche und sinnvolle Zahnbehandlung beim Pferd 🐴 hat sich in den letzten 100 Jahren stark gewandelt. Dr. Frank Schellenberger, Tierarzt und Pferdezahnspezialist aus Waldkirch regt auf dem Leipziger Tierärztekongress wieder zu kritischem Denken an.
Bis Mitte der 1940er Jahre herrschte, nach Prof. E. Becker, „die weitverbreitete Ansicht vor, dass es sich bei schwach ausgebildeten Zahnspitzen um physiologische Erscheinungen ohne schädigenden Einfluss auf das Tier handelt". Auf Grundlage seiner Forschung im 2. Weltkrieg kam Becker zu der Überzeugung, dass selbst schwach ausgebildete Zahnspitzen zu entfernen sind. Nachdem die Pferdezahnmedizin 🐴🦷 nach dem Krieg wieder in der Versenkung verschwunden war, wurde ab den 2000ern wieder jede Zahnkante und -spitze „gründlich" abgerundet.
Inzwischen gibt es aber Tierärzte, die ebenso wie Schellenberger auf Grund der dabei gemachten negativen Erfahrungen wieder zu den alten, vergessenen Ansichten zurückkehren.
Allen ist gemein, dass es für sie bisher keine wissenschaftlichen Beweise gibt. Hier besteht erheblicher Nachbesserungsbedarf.
Der Experte weist auch darauf hin, dass unklar ist, wie viele Pferde überhaupt Probleme nach einer "modernen Routinezahnbehandlung" haben. Er hinterfragt kritisch, ob „die Verschlechterung des Gesundheitszustandes nach einer solchen Routinebehandlung nicht ein sehr ernster Hinweis ist, dem wir unter allen Umständen nachgehen sollten“. Gerade vor dem Bewusstsein, dass hier eine hohe Dunkelziffer vorliegt, sei es wichtig, eine Verschlechterung der Klinik eines bis dato unauffälligen Pferdes nach einer Routinebehandlung nicht mehr kommentarlos hinzunehmen. Schellenberg fordert, dass wir „endlich direkte Untersuchungen über die Auswirkungen der aktuell gelehrten Routinezahnbehandlung - schon aus Tierschutzgründen - durchzuführen haben“.
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Quelle: Schellenberger F. Das Pferd frisst nicht mehr nach der Zahnbehandlung: Müssen wir unser Handeln
überdenken? Proceedings: LBH: Leipziger Tierärztekongress 2026 – Tagungsband 2. 47-49
Bildquelle: ©K.Oborny/Thieme