04/08/2026
RIP Monty Roberts 🖤
Monty Roberts und das Join-Up
Monty Roberts hat die Pferdewelt bewegt — daran gibt es für mich keinen Zweifel. Viele Menschen haben durch ihn zum ersten Mal gespürt, dass Pferde nicht einfach „funktionieren“ müssen, sondern dass sie auf unsere Körpersprache, unsere Energie und unsere innere Haltung reagieren.
Sein großes Verdienst bleibt, dass er den Blick auf Kommunikation über Körpersprache gelenkt hat. Er hat Fragen gestellt, wo vorher oft nur Tradition war. Und er hat damit viele Pferdemenschen zum Nachdenken gebracht.
Gleichzeitig war Monty Roberts immer umstritten. Für die einen war er ein besonderer Pferdemensch, für andere ein Showman, der große Hallen füllte und Pferde in einem sehr inszenierten Rahmen präsentierte. Wahrscheinlich liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen. Man kann anerkennen, was er bewegt hat — und trotzdem kritisch hinschauen, wo seine Methoden Fragen aufwerfen.
Das "Join-Up" wird oft missverstanden. Es ist kein Zauber, kein magischer Moment und auch kein Beweis dafür, dass ein Pferd dem Menschen plötzlich vertraut oder sich ihm freiwillig und tief verbunden anschließt. Im Round Pen lernt das Pferd vor allem: Es gibt zwei Möglichkeiten. Es kann weiterlaufen — oder sich dem Menschen zuwenden, stehenbleiben und hereinkommen. Das kann ein sinnvoller Lernschritt sein. Aber es bleibt ein Lernschritt und macht nicht ganze Beziehung aus.
Für mich liegt der entscheidende Punkt in der inneren Haltung des Menschen. Ein Pferd spürt sehr genau, ob wir hektisch, aggressiv, ehrgeizig oder unklar sind. Dann wird Nähe schwer, denn ein Fluchttier wird sich nicht gerne einem Menschen anschließen, der Druck oder Unsicherheit ausstrahlt. Wenn wir aber ruhig, klar, freundlich und geduldig bleiben, entsteht ein echtes Angebot. Dann darf das Pferd nachdenken, zögern, fragen und schließlich selbst einen Schritt auf uns zu machen. Genau darin liegt für mich der wertvolle Kern: Timing, Gefühl und Fairness.
Sehr kritisch sehe ich dagegen die Idee, ein Pferd möglichst schnell anzureiten. Ein Pferd kann äußerlich mitmachen und innerlich längst überfordert sein. Es kann ruhig werden, weil es verstanden hat — oder weil es aufgegeben hat. Genau da müssen wir als Pferdemenschen ehrlich hinschauen. Nur weil das Pferd keinen Widerstand mehr zeigt, hat es nicht automatisch gut gelernt.
Nachhaltiges Vertrauen entsteht nicht durch Druck, Tempo oder Überflutung, sondern durch Ruhe, Verständnis und kleine Schritte.
Wir sollten heute weiterdenken. Wir dürfen das Gute mitnehmen, das Fragwürdige hinterfragen und immer wieder prüfen, was für das einzelne Pferd wirklich pferdegerecht ist.
RIP Monty Roberts - die Pferdewelt hat sich durch Dich bewegt.