26/08/2026
Tierschutz heißt: hingehen, wenn es schwer wird
Manchmal beginnt alles mit einem einzigen Laut. Gestern Nacht hörte ein junger Mann in einem alten, verlassenen Fabrikgebäude eine Katze schreien – nicht einfach miauen, sondern einen dieser herzzerreißenden Rufe, die man nicht ignorieren kann. Er kontaktierte uns sofort. Obwohl es kurz vor Mitternacht war und der Tag längst hinter mir lag, besprachen wir noch am Telefon, wie wir weiter vorgehen. Müdigkeit spielt in solchen Momenten keine Rolle, wenn ein Tier in Not sein könnte.
Heute folgte ein Arbeitstag, der über elf Stunden dauerte. Die Heimfahrt war lang, der Hunger groß, der Wunsch nach wohlverdientem Feierabend verständlich. Aber die mögliche Not des Tieres ließ keinen Aufschub zu. Also wurde organisiert, wer mit uns in das alte Gebäude geht. Jeder wusste, was zu tun ist. Mit Falle, Kamera, Futter und der Zuversicht, dass wir nicht umsonst fahren, machten wir uns auf den Weg.
Das Fabrikgebäude war still, zerschlagene, gefährlich gesplitterte Fensterscheiben, Taubenkot auf dem Boden und voller Spuren vergangener Zeiten. Wir bauten die Falle routiniert auf – Handgriffe, die sitzen, auch wenn der Körper müde ist. Es dauerte nur wenige Minuten, bis der abgemagerte Gast erschien. Getrieben vom Hunger, vorsichtig, aber verzweifelt genug, um sich dem Futter zu nähern.
Zwei Mal war er in der Falle, aber nicht weit genug, um sie auszulösen. Zwei Momente, in denen man den Atem anhält und hofft, dass er den entscheidenden Schritt macht. Beim dritten Mal geschah es. Die Falle schnappte endlich zu.
Kein lauter Jubel. Nur Erleichterung.
Nur der stille Gedanke: Gut, dass wir hingefahren sind. Gut, dass niemand gesagt hat: „Morgen reicht auch.“
Diese Einsätze passieren oft im Hintergrund, spät am Abend, nach langen Arbeitstagen, ohne Publikum. Aber genau dort zeigt sich, was Tierschutz wirklich bedeutet: hinfahren, wenn andere schlafen. Helfen, wenn es niemand sieht. Und nicht aufgeben, bis ein Leben in Sicherheit ist.