07/05/2026
Update – Luca
Seit ein paar Tagen fühlt sich etwas in mir anders an. Nicht gut… aber besser. Ein bisschen heller, als hätte jemand einen winzigen Spalt in der Dunkelheit geöffnet, durch den ein dünner Lichtstreifen fällt.
Die Mama sagt, es liegt an der Spritze, die ich bekommen habe. Solensia, nennen sie es. Ich weiß nicht, was das bedeutet. Ich weiß nur, dass mein Körper seitdem nicht mehr ganz so laut schreit. Die Schmerzen sind nicht weg – sie sitzen immer noch in meinen Knochen wie alte, störrische Schatten – aber sie sind… leiser. Gedämpft. So, dass ich wieder atmen kann, ohne dass es brennt. Ich bekomme zusätzlich Schmerzmittel, weil die Spritze allein noch nicht reicht. Aber zusammen… zusammen schaffen sie etwas, das ich fast vergessen hatte: Bewegung.
Ich kann mich wieder strecken, ohne dass mir schwarz vor Augen wird. Ich kann mich drehen, ohne dass meine Gelenke protestieren wie rostige Türen.
Ich kann sogar ein bisschen klettern – nicht hoch, nicht weit, aber genug, um mich groß zu fühlen. Und ich kann kratzen, an meinem Brett, ganz vorsichtig, so wie eine richtige Katze. Ich fresse wieder mit Appetit. Ich schlafe tiefer. Ich liege nicht mehr nur da und warte, dass der Tag vorbeigeht.
Elias hat es als Erster bemerkt. Er hat gelacht – dieses helle, warme Kinderlachen – als ich mich plötzlich aufrichtete und ein paar Schritte schneller lief als sonst. Er sagte: „Mama, guck mal! Luca kann wieder!“ Ich weiß nicht, was ich „kann“. Aber ich weiß, dass er stolz war. Und das hat mich stolz gemacht.
Nächste Woche bekomme ich die nächste Dosis. Die Mama sagt, manchmal braucht es Zeit, bis der Körper versteht, dass er nicht mehr so sehr kämpfen muss. Ich hoffe, meiner versteht es bald.
Und in der Woche danach… da fahren wir wieder zur Tierärztin. Sie wollen mein Herz anschauen. Mit einem Ultraschall. Weil ich manchmal so schwer atme, als würde die Luft durch enge Türen müssen. Vielleicht kommt es vom Herzen, sagen sie. Vielleicht auch nicht. Ich weiß nur, dass sie es herausfinden wollen – nicht, um mich zu quälen, sondern um mir zu helfen.
Ich sehe die Sorge in ihren Augen, wenn ich zu schnell müde werde. Aber ich sehe auch etwas anderes: Hoffnung. Eine Hoffnung, die ich nie hatte, bevor ich hierherkam.
Ich weiß nicht, wie lange ich bleiben darf.
Aber zum ersten Mal fühlt es sich so an, als hätte ich nicht nur Zeit – sondern Zeit, die zählt. Zeit, in der ich nicht nur existiere, sondern lebe. Zeit, in der ich mit Elias etwas spiele und nicht nur daliege. Zeit, in der ich nicht nur Schmerz bin, sondern auch Freude.
Vielleicht ist das Licht, das ich spüre, nicht das Ende. Vielleicht ist es einfach nur… Leben. Ein bisschen mehr davon, als ich dachte.