15/08/2026
Ein Ort, an dem jeder Moment zählt. (AUSFÜHRLICHER BEITRAG)
Gemeinsam mit -nina, die auch schon die Fotos für meine Homepage gemacht hat und mich beim geplanten Spendenwalk begleiten wird, habe ich Mitte Juni das Tierhospiz Weisser Phoenix besucht.
Und ich weiß ehrlich gesagt gar nicht so richtig, wo ich anfangen soll, weil mich dieser Besuch wirklich noch immer beschäftigt.
Sonja Bartels hat für uns eine Ausnahme gemacht und uns die Türen ihres Tierhospizes geöffnet, weil wir schon angekündigt hatten, dass wir gerne einen Spendenwalk auf die Beine stellen möchten. Dafür hat sie sich wirklich Zeit genommen, obwohl es eigentlich in erster Linie immer nur um die Bewohner geht. Und genau darauf hat sie bei unserem Besuch auch geachtet und Rücksicht genommen.
Als wir angekommen sind, war da direkt dieses Gefühl. Es war ruhig dort, friedlich, aber nicht traurig oder schwer. Einfach ein sehr schöner, ruhiger, angenehmer Ort. Und obwohl dort zurzeit etwa 15 Hunde leben, war da eine absolute Stille auf dem Hof und in den Räumen. Es war richtig friedlich. So wie es dort im Alltag eben ist.
Genau das ist auch ihr Gedanke dahinter, und ihr ist das wichtig: Die Hunde sollen dort ankommen dürfen, zur Ruhe kommen und ihre letzte Zeit in Würde verbringen können. Und das gelingt ihr wirklich wahnsinnig gut.
Jeder Hund hat dort seinen eigenen Raum und eine individuelle Einzelbetreuung. Und das ist auch zum Teil wirklich notwendig, denn es sind dort nicht nur alte Hunde, sondern natürlich bringt das Alter oder auch eine Erkrankung ganz unterschiedliche Bedürfnisse und Einschränkungen mit sich. Und darauf wird individuell eingegangen.
Die Räume sind so eingerichtet, wie es der jeweilige Hund gern hat. Der eine liegt gern erhöht, der andere auf einer Matratze, der nächste auf dem Sofa. Alles wird möglich gemacht, damit die Hunde sich wirklich wohlfühlen. Alles war sehr sauber und einfach wie ein Zuhause.
Und wo es passt und die Hunde davon profitieren, dürfen sie auch zu zweit leben. So wie Emma Nr. 1, eine Golden-Retriever-Hündin, und Melli, ein Labrador-Schäferhund-Ridgeback-Mix. Beide sind etwa 10,5 Jahre alt. Die beiden haben sich dort gefunden und weil es ihnen gut tut, dürfen sie zusammen leben.
Emma kam ins Tierhospiz, weil sich ihre ältere Besitzerin einfach nicht mehr um sie kümmern konnte. Und Melli kam dorthin, weil ihr Besitzer an Krebs erkrankt ist und sich deshalb nicht mehr um sie kümmern konnte.
Auch das finde ich so schön, weil eben nicht einfach jeder Hund nach einem festen Schema untergebracht wird, sondern geschaut wird: Was braucht dieser Hund? Was tut ihm gut? Was macht sein Leben hier schön?
Ein besonderer Moment war für mich der Besuch bei Mila, einer etwa 15 Jahre alten Podenco-Labrador-Mischlingshündin. Sie ist taub und an Leishmaniose erkrankt, die auch wirklich ausgebrochen ist. Sie hat körperlich schon wirklich ihr Päckchen zu tragen.
Wir durften sie in ihrem Zimmer besuchen und sie hat so tief und fest geschlafen, so geborgen, sicher und friedlich, dass sie gar nicht mitbekommen hat, dass wir überhaupt da waren. Das war ein sehr besonderer Moment und einfach wunderschön.
Und genau das macht Sonja bei jedem einzelnen Hund. Sie schaut, was braucht dieser Hund und was tut ihm gut, und gibt ihm genau das, was nötig ist.
Sonja selbst hat uns viel über ihre Arbeit erzählt. Sie hat den Verein 2021 gegründet, weil die Anfrage einfach riesengroß ist und sie gemerkt hat, wie dringend diese Art von Unterstützung gebraucht wird.
Denn es gibt Menschen, die schwer erkranken, vielleicht selbst nicht mehr lange zu leben haben oder irgendwann nicht mehr in der Lage sind, sich um ihren Hund zu kümmern. Und deshalb möchten sie natürlich sicher sein, dass ihr Tier in gute Hände kommt. Und für viele ist ein Tierheim oder eine Weitervermittlung einfach keine Option. Sie möchten wissen: Mein Tier kommt irgendwo hin, wo es gut aufgehoben ist. Und genau das kann Sonja ihnen ermöglichen. Die Hunde dürfen dort noch einmal in einem Zuhause, in einer Familie leben, werden individuell betreut und dürfen einfach so sein, wie sie sind.
Und ich finde, genau darauf sollte viel mehr aufmerksam gemacht werden. Dass Menschen überhaupt wissen, dass es solche Möglichkeiten gibt. Dass Tierhospize vielleicht irgendwann häufiger werden und es ganz selbstverständlich wird, dass es auch für Tiere diese Möglichkeit gibt.
Und ihre Arbeit geht teilweise sogar noch weiter. Es gab schon Situationen, in denen Sonja mit einem alten Hund zu einem schwer erkrankten Menschen gefahren ist, damit dieser seinen Hund im Sterbeprozess bei sich haben konnte. So hat der Hund den Menschen in diesem Moment begleitet. Auch das ermöglicht sie.
Ich habe sie gefragt, ob es mit der Zeit oder mit all den Tieren, die sie schon begleitet hat, irgendwann leichter geworden ist. Und sie hat gesagt: Nein, es war für sie nie schwer, denn für sie gehört das Sterben zum Leben dazu.
Sie hat uns erzählt, dass sie schon etwa 17 Hunde beim Sterben begleitet hat. Das hätte sie von sich aus wahrscheinlich gar nicht erwähnt, denn sie zählt diese Hunde nicht. Das ist einfach nicht das, was für sie im Vordergrund steht. Aber sie konnte sie alle noch mit ihren Namen benennen.
Wenn sie merkt, dass ein Tier sich im Sterbeprozess befindet und es bald soweit ist, nimmt sie sich genau die Zeit, die dieses Tier braucht. Sie stellt alles andere zurück, nimmt sich die nötige Ruhe und ist einfach da, um diesen Sterbeprozess würdevoll bis zum Schluss zu begleiten.
Und genau dafür ist es auch so wichtig, dass sie mittlerweile drei Mitarbeiter hat, die ihr den Rücken freihalten. Denn wenn sie sich in diesem Moment nur um das sterbende Tier kümmern möchte, müssen die anderen Dinge trotzdem weiterlaufen. Und ihre Mitarbeiter ermöglichen ihr genau das: dass sie für diesen einen Hund da sein und ihn bestmöglich begleiten und versorgen kann.
Und ich finde, es braucht auch einfach einen Menschen wie Sonja, der diese Haltung zum Sterben hat und bereit ist, diesen letzten Weg so zu begleiten. Denn genau das ist es, was diese Tiere brauchen: Zeit, Ruhe, Würde und jemanden, der einfach da ist.
Sie ist sieben Tage die Woche für die Tiere da. Ihr Tag beginnt oft schon um 5 Uhr morgens und endet erst gegen 23:30 Uhr. Und sie macht das Ganze trotzdem mit so viel Herzblut und einer Leichtigkeit – unglaublich.
Und Sonja möchte mit ihrer Arbeit auch darauf aufmerksam machen, dass es solche Möglichkeiten gibt. Dass Menschen überhaupt wissen, dass es Tierhospize gibt und dass diese Form der Begleitung vielleicht irgendwann häufiger und ganz selbstverständlich wird.
Und sie hat eine große Vision: Sie möchte weitere Tierhospize an anderen Standorten eröffnen, weil die Nachfrage so groß ist. Und langfristig möchte sie einen Ort schaffen, an dem Mensch und Tier gemeinsam ihren letzten Lebensabschnitt verbringen können – ohne Trennung, mit Nähe, Ruhe und Würde. Ein Hospiz für Mensch und Tier.
Denn gerade wenn ein Mensch schwer krank ist, soll nicht auch noch die Sorge dazukommen: Was passiert mit meinem Tier? Wo kommt es hin? Wer kümmert sich um es? Sonja möchte genau dafür eine Möglichkeit schaffen, bei der Mensch und Tier diesen letzten Lebensabschnitt gemeinsam verbringen können.
Hunde leben im Hier und Jetzt. Sie schauen nicht zurück und nicht voraus. Sie leben genau diesen Moment. Und genau diesen Moment versucht Sonja für jeden einzelnen Hund so schön wie möglich zu gestalten.
Sie hat die Hunde dort angeschaut und gesagt, dass es ihnen jetzt, in diesem Moment, gut geht. Und genau das ist es, was zählt. Hunde denken nicht: Ach Mensch, wie war es früher einmal? Sie leben den Moment. Und Sonja möchte diesen Moment für die Tiere schön machen.
Und ein Satz, der mir dabei wirklich hängen geblieben ist und den sie auch immer wieder betont hat: Jeder Moment zählt.
Was mich persönlich am meisten beeindruckt hat, war diese ganze Atmosphäre dort. Es war ruhig, friedlich, und gleichzeitig einfach normal und sehr liebevoll, so wie es eben in einem Zuhause sein soll. Und dieses Gefühl, dass jeder Hund so genommen wird, wie er ist und sein darf – und das bis zum Schluss.
Dieses Gefühl von Wärme, diese Annahme von Leben und Tod, verkörpert Sonja mit einer Leichtigkeit.
Ich glaube, das hilft sehr vielen auf ihrem letzten Weg 🖤
Es ist für mich absolut unterstützenswert, deshalb planen Nina und ich einen Spendenwalk zugunsten des Tierhospiz Weißer Phoenix.
Weitere Infos folgen ❤️