Blickwechsel - Carmen Niedziella

Blickwechsel - Carmen Niedziella Individuelle Verhaltenstherapie für Mensch & Hund

„Er dreht vollkommen am Rad, sobald ich den Ball hole. Das macht ihm so viel Spaß.“Kennst du das auch?Dein Hund rennt vi...
05/09/2026

„Er dreht vollkommen am Rad, sobald ich den Ball hole. Das macht ihm so viel Spaß.“

Kennst du das auch?

Dein Hund rennt vielleicht schon los, wenn du nur den Arm hebst. Er bringt den Ball zurück, legt ihn vor deine Füße und wartet sofort auf den nächsten Wurf. Schließlich soll er sich richtig auspowern – damit er danach entspannter ist.

Dann frage ich dich:

Bist du sicher, dass das nur Freude ist?

Ich habe gerade wieder eine neue Studie gelesen. Ihr wisst ja, dass ich das immer gern mache – nicht nur, um wissenschaftlich auf dem aktuellen Stand zu bleiben. Solche Studien helfen mir auch, meine Arbeit und manche Beobachtung aus der Verhaltenstherapie noch einmal aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten.

Dabei bin ich auf eine interessante Untersuchung von Alja Mazzini und Stefanie Riemer gestoßen. Die Studie beschäftigt sich nicht direkt mit reaktiven Hunden oder den Folgen häufigen Ballwerfens. Aufgrund ihrer Ergebnisse musste ich aber sofort an die vielen Hundehalter denken, die ihren Hund mit dem Ball auslasten, weil er dabei angeblich so viel Spaß hat.

Ein fliegender Ball spricht Teile des Jagdverhaltens an. Beim schnellen Werfen steigt der Hund direkt in das Hetzen ein. Andere Elemente wie Suchen, Beobachten, Lauern oder den Ball eine Weile tragen und besitzen dürfen kommen häufig kaum vor.

Welcher Teil einem Hund besonders wichtig ist, ist individuell. Wird sein Ablauf jedoch immer wieder beschleunigt oder an einer für ihn wichtigen Stelle unterbrochen, kann aus Spielfreude auch Frustration werden. Kaum ist der Ball erreicht, beginnt schon die Erwartung auf den nächsten Wurf.

Die Studie mit 1.692 Hunden zeigt dazu einen interessanten Zusammenhang: Eine besonders starke Spielzeugmotivation trat häufiger gemeinsam mit Schwierigkeiten beim Herunterfahren und weniger Schlaf am Tag auf.

Das beweist nicht, dass Ballspielen Reaktivität verursacht. Es bedeutet auch nicht, dass der Ball grundsätzlich verschwinden muss.

Aber es lohnt sich, genauer hinzusehen: Kann dein Hund das Spiel noch unterbrechen? Nimmt er seine Umgebung wahr? Kann er den Ball auch einmal Ball sein lassen? Und findet er danach wirklich zur Ruhe?

Gerade bei reaktiven Hunden ist „mehr auslasten“ nicht automatisch die Lösung. In meiner Verhaltenstherapie schaue ich deshalb nicht nur darauf, was ein Hund tut. Ich möchte verstehen, was dabei in ihm passiert und welche Funktion dieses Verhalten für ihn hat.

Vielleicht ist der Ball gar nicht das eigentliche Problem.

Vielleicht zeigt dir die Art, wie dein Hund mit ihm spielt, etwas über seine Fähigkeit, mit Erregung und Frustration umzugehen.

Blickwechsel.

Wenn du deinen Hund gerade wiedererkennst, findest du auf meiner Seite mehr darüber, warum hinter auffälligem Verhalten oft mehr steckt als fehlende Auslastung.

Mazzini, A. & Riemer, S. (2026). The high end of toy motivation in dogs: developmental predictors and relevance for sport and working dogs.
"Originalstudie" (https://doi.org/10.1098/rsos.252252)

Die Studie stammt von der Tierärztin und Verhaltensforscherin Alja Mazzini und Stefanie Riemer von HundeUni - Wissenschaft trifft Praxis

Danke, liebe Stefanie – eure Forschung hat mich wieder zu einem ganz eigenen Blickwechsel aus meiner therapeutischen Praxis angeregt.

Wenn du deinen Hund kaum noch aus den Augen lassen kannstDu gehst nur kurz aus dem Raum – und dein Blick wandert sofort ...
30/08/2026

Wenn du deinen Hund kaum noch aus den Augen lassen kannst

Du gehst nur kurz aus dem Raum – und dein Blick wandert sofort zurück. Leckt dein Hund schon wieder? Ist die Pfote noch geschützt? Hält der Schutzkragen?

Vielleicht habt ihr längst vieles versucht. Tierarzttermine, Hautuntersuchungen, eine Futterumstellung, Physiotherapie oder Unterstützung für das Verhalten. Und trotzdem bestimmt das Lecken weiterhin euren Alltag.

Mein neuer Blogartikel beginnt mit genau diesem Verhalten. Doch der Blick dahinter reicht weiter.

Denn auch bei anderen schweren, sich ständig wiederholenden oder bislang nicht schlüssig erklärten Verhaltensproblemen stellt sich irgendwann die Frage: Wurde wirklich schon alles gemeinsam betrachtet?

Das kann einen Hund betreffen, der sich selbst verletzt, kaum noch zur Ruhe kommt, panisch reagiert, plötzlich nicht mehr weitergeht oder immer heftiger auf andere Hunde oder Menschen reagiert.

Dann fehlt möglicherweise nicht einfach noch eine weitere Methode. Vielleicht wurden die bisherigen Befunde, Beobachtungen und Therapieversuche nur noch nie zu einem gemeinsamen Bild zusammengeführt.

Darüber schreibe ich in meinem neuen Blog.

Vielleicht ist der Artikel für euch selbst interessant – oder ihr kennt ein Mensch-Hund-Team, dem dieser Blickwechsel gerade helfen könnte.

https://www.blick-wechsel.net/wenn-mein-hund-nicht-mehr-aufhoert-zu-lecken-und-das-unseren-ganzen-alltag-bestimmt/

28/08/2026

Eigentlich waren die Kartons ja für Pino … 😂📦

Inzwischen haben wir schon unseren kleinen Insider: den „heißen Donnerstag“. Irgendwie erwischt es unseren festen Termin in den letzten Wochen erstaunlich oft genau dann, wenn es besonders warm wird. 🥵

Gestern hat Pino schon auf den ersten Metern gezeigt: Heute bitte keine große Runde.
Also gab es eine kleine Schattenrunde und anschließend im angenehm kühlen Zuhause noch etwas für die Nase und den Kopf.

Und während Pino mit seiner ganz eigenen, herrlich beharrlichen Gründlichkeit Kartons und Schnüffelmatte untersuchte, stellte sich heraus, dass ich einen Teilnehmer bei der Planung übersehen hatte.
Oskar. 😹
Der nahm kurzerhand einen Karton in Beschlag – und durfte ihn selbstverständlich behalten. 😂

Ich mag solche Momente sehr. Denn genau das gehört für mich auch zur Blickwechsel Exklusivzeit: nicht Kilometer oder einen festen Ablauf abarbeiten, sondern hinschauen, was für diesen Hund an diesem Tag passt.
Und manchmal bekommt man dabei ganz unerwartet noch einen zweiten Exklusiv-Klienten dazu. 😄🐱📦

Liebe PfotenGrüße
Carmen 👩‍🌾🐶🌿❤️

26/08/2026

Heute war eigentlich Blickwechsel-freie Zeit.

Garten, Erde unter den Fingern, ein bisschen Ordnung schaffen – und irgendwann einfach nur unser neues Vogelhaus beobachten.

Wobei „einfach nur beobachten“ bei mir vermutlich nie ganz stimmt. 😄

Drei Tage haben die ersten Vögel gebraucht, bis sie sich wirklich an die neue „Villa“ herangetraut haben.

Erst wurde aus sicherer Entfernung geschaut. Dann ging es auf den vertrauten Teller. Von dort wieder beobachten. Irgendwann landete der erste ganz kurz auf dem Dach – und war sofort wieder weg.

Später blieb einer ein bisschen länger. Eine Öffnung wurde untersucht. Wieder Abstand. Wieder schauen.

Und heute? Heute ist plötzlich richtig Betrieb. 🐦

Genau solche kleinen Schritte finde ich spannend.

Denn wir Menschen schauen oft sehr schnell auf das Ergebnis: Der Hund soll etwas können, aushalten oder sich endlich trauen.

Dabei passiert Entwicklung häufig viel leiser.

Ein bisschen länger hinschauen. Etwas näher herangehen. Wieder Abstand nehmen. Eine neue Erfahrung machen – und selbst entscheiden dürfen, wann es genug ist.

Von außen sieht das manchmal nach fast nichts aus.

Für das Tier kann es ein großer Schritt sein.

Vielleicht fällt uns genau dieses kleinschrittige Denken manchmal so schwer, weil wir schon das Ziel vor Augen haben.

Ich schaue deshalb lieber erst einmal genau hin: Was passiert? In welchem Kontext? Was war vorher? Und was hat sich vielleicht längst verändert, obwohl das große Ziel noch gar nicht erreicht ist?

Und keine Sorge: Unsere Vogelhausbewohner bekommen trotzdem keinen Therapieplan. 😄🐦🌿

26/08/2026

Heute war eigentlich Blickwechsel-freie Zeit.

Garten, Erde unter den Fingern, ein bisschen Ordnung schaffen – und irgendwann einfach nur unser neues Vogelhaus beobachten.

Wobei „einfach nur beobachten“ bei mir vermutlich nie ganz stimmt. 😄

Drei Tage haben die ersten Vögel gebraucht, bis sie sich wirklich an die neue „Villa“ herangetraut haben.

Erst wurde aus sicherer Entfernung geschaut. Dann ging es auf den vertrauten Teller. Von dort wieder beobachten. Irgendwann landete der erste ganz kurz auf dem Dach – und war sofort wieder weg.

Später blieb einer ein bisschen länger. Eine Öffnung wurde untersucht. Wieder Abstand. Wieder schauen.

Und heute? Heute ist plötzlich richtig Betrieb. 🐦

Genau solche kleinen Schritte finde ich spannend.

Denn wir Menschen schauen oft sehr schnell auf das Ergebnis: Der Hund soll etwas können, aushalten oder sich endlich trauen.

Dabei passiert Entwicklung häufig viel leiser.

Ein bisschen länger hinschauen. Etwas näher herangehen. Wieder Abstand nehmen. Eine neue Erfahrung machen – und selbst entscheiden dürfen, wann es genug ist.

Von außen sieht das manchmal nach fast nichts aus.

Für das Tier kann es ein großer Schritt sein.

Vielleicht fällt uns genau dieses kleinschrittige Denken manchmal so schwer, weil wir schon das Ziel vor Augen haben.

Ich schaue deshalb lieber erst einmal genau hin: Was passiert? In welchem Kontext? Was war vorher? Und was hat sich vielleicht längst verändert, obwohl das große Ziel noch gar nicht erreicht ist?

Und keine Sorge: Unsere Vogelhausbewohner bekommen trotzdem keinen Therapieplan. 😄🐦🌿

26/08/2026

Heute war eigentlich Blickwechsel-freie Zeit.

Garten, Erde unter den Fingern, ein bisschen Ordnung schaffen – und irgendwann einfach nur noch sitzen und unser neues Vogelhaus beobachten.

Wobei „einfach nur beobachten“ bei mir vermutlich nie ganz stimmt. 😄

Denn genau das ist ein großer Teil meiner Arbeit: erst einmal schauen. Nicht sofort erklären, nicht bewerten und schon gar nicht gleich etwas verändern wollen. Was passiert eigentlich genau? In welchem Kontext? Was war vorher? Was verändert sich, wenn sich die Umgebung verändert? Und vor allem: Welche kleinen Schritte übersehen wir vielleicht, weil wir schon auf das große Ergebnis warten?

Unser Vogelhaus hat mir das in den vergangenen drei Tagen wunderbar vor Augen geführt.

Am ersten Tag wurde die neue „Villa“ hauptsächlich aus sicherer Entfernung begutachtet. Niemand flog einfach hinein, nur weil wir Menschen beschlossen hatten, dass dieses Häuschen doch nun wirklich ausgesprochen einladend aussieht. 😉

Dann kamen sie näher. Erst auf ihren gewohnten Teller. Von dort wurde wieder geschaut. Irgendwann traute sich einer kurz auf das Dach. Nur ganz kurz – und wieder weg.

Später blieb einer etwas länger. Dann wurde eine Öffnung untersucht. Ein anderer Vogel schaute sich das Ganze wiederum nur aus der Entfernung an.

Und heute herrscht plötzlich richtig Betrieb.

Wenn man nur gestern und heute miteinander vergleichen würde, könnte man fast sagen: „Na bitte, jetzt haben sie es verstanden.“

Aber genau das wäre für mich der spannende Denkfehler.

Denn dazwischen lagen all diese winzigen Schritte. Beobachten. Abstand halten. Annähern. Wieder wegfliegen. Noch einmal schauen. Eine bekannte Stelle nutzen. Einen neuen Platz ausprobieren. Erfahrung sammeln – und dabei jederzeit selbst entscheiden können, wie nah man sich schon herantraut.

Und genau solche kleinen Veränderungen suche ich auch in meiner tierpsychologischen Arbeit.

Bei einem Hund sehen wir oft zuerst das, was uns Sorgen macht oder unseren Alltag schwierig macht. Aber um Verhalten wirklich zu verstehen, reicht es nicht, nur diesen einen sichtbaren Moment anzuschauen. Ich möchte wissen, was davor passiert, in welcher Situation das Verhalten entsteht, welche Erfahrungen der Hund bereits gemacht hat und welche kleinen Veränderungen vielleicht längst stattfinden.

Uns Menschen fällt dieses kleinschrittige Denken manchmal erstaunlich schwer.

Wir sehen gern das Ziel. Der Hund soll entspannt vorbeigehen. Allein bleiben können. Besuch aushalten. Sich etwas trauen.

Dabei kann ein großer Entwicklungsschritt manchmal darin bestehen, dass ein Hund heute zwei Sekunden länger schaut, bevor er Abstand nimmt. Dass er etwas wahrnimmt, ohne sofort reagieren zu müssen. Oder dass er sich einer Situation ein kleines Stück nähert und anschließend wieder entscheidet: Für heute reicht es.

Von außen sieht das manchmal nach fast nichts aus.

Für den Hund kann es sehr viel sein.

Vielleicht sitze ich deshalb auch in meiner Freizeit so gern da und beobachte Verhalten. Man entdeckt plötzlich Entwicklungen, die man verpassen würde, wenn man nur auf das Ergebnis wartet.

Und keine Sorge: Unsere Vogelhausbewohner bekommen trotzdem keinen Therapieplan. 😄🐦🌿

Blickwechsel Exklusiv sieht bei jedem Hund anders aus.....es gibt Hunde, für die eine Huta oder ein klassischer Dogsitte...
23/08/2026

Blickwechsel Exklusiv sieht bei jedem Hund anders aus...
..es gibt Hunde, für die eine Huta oder ein klassischer Dogsitter sehr gut passen kann.
Und es gibt Hunde, bei denen genau diese Form der Betreuung einfach nicht stimmig ist.

Weil mehrere Hunde auf engem Raum zu viel wären.
Weil Begegnungen draußen schnell in Anspannung kippen können.
Weil der Hund nicht einfach „mitlaufen“ kann.
Weil Unsicherheit, Erregung, Jagdverhalten, körperliche Themen oder die eigene Geschichte im Alltag mitgedacht werden müssen.

Genau aus solchen Situationen ist Blickwechsel Exklusiv entstanden.

In meiner verhaltenstherapeutischen Arbeit habe ich immer wieder erlebt, dass manche Mensch-Hund-Teams keine reine Betreuung suchen, sondern eine individuelle Begleitung. Jemanden, der den Hund wirklich liest. Der erkennt, wann Orientierung nötig ist. Wann Abstand wichtig wird. Wann ein Hund gerade Sicherheit braucht. Und wann es darum geht, ihm kleine Momente von Selbstwirksamkeit zu ermöglichen.

Auch Rückmeldungen aus meiner Arbeit haben mir gezeigt, wie wertvoll diese Form der Begleitung sein kann. Wenn ein Hund nach einem begleiteten Termin ruhiger ist. Wenn er draußen kleine eigene Entscheidungen treffen durfte. Wenn nicht einfach nur „Gassi gegangen“ wurde, sondern Verhalten verstanden, eingeordnet und fein begleitet wurde.

Blickwechsel Exklusiv ist deshalb keine klassische Hundebetreuung.

Es ist eine individuelle Einzelbegleitung für Hunde, die mehr brauchen als einen Spaziergang.
Mit geschultem Blick auf Verhalten, Körpersprache, Nervensystem, Bedürfnisse und das, was im jeweiligen Moment wirklich hilfreich ist.

Vielleicht erkennst du deinen Hund darin wieder.

Dein Hund passt nicht in eine Huta.
Hundegruppen sind für ihn zu viel.
Er hat seine Geschichte.
Er reagiert draußen schnell auf Reize.
Er bringt eigene Verhaltensideen mit – bei Begegnungen, Unsicherheit, Aufregung oder Jagdverhalten.

Und du möchtest, dass nicht nur auf ihn aufgepasst wird, sondern dass auf seine individuellen Bedürfnisse eingegangen wird. Dass er verstanden wird. Dass jemand hinschaut, bevor eine Situation kippt. Dass er nicht funktionieren muss, sondern so begleitet wird, wie es zu ihm und seinem aktuellen Stand passt.

Genau dafür gibt es Blickwechsel Exklusiv.

Aktuell habe ich noch 1 freien Platz für einen Hund, den ich 2–3x pro Woche im Rahmen von Blickwechsel Exklusiv begleiten kann.

Sarstedt · Hannover · Hildesheim und Umgebung

Liebe PfotenGrüße
Carmen 👩‍🌾🐶🌿❤️

21/08/2026

Wenn der Tierarztbesuch schon vor der Spritze schwer wird

Wer mich kennt, weiß: Ich arbeite gern wissenschaftlich fundiert. Nicht, weil Hunde Studien sind – sondern weil ich meine Beobachtungen aus der Praxis immer wieder mit aktuellen Erkenntnissen abgleichen möchte.
Eine aktuelle Studie hat beobachtet: Hunde zeigten weniger Angstreaktionen, wenn sie weniger einschränkend gehalten wurden. Bei stärkerer Fixierung trat mehr Angstverhalten auf. Gleichzeitig wurde die Angst der Hunde von den Studierenden eher unterschätzt.
Und genau das sehen wir im Alltag so oft.
Ein Hund, der still wird, ist nicht automatisch entspannt.
Ein Hund, der alles über sich ergehen lässt, ist nicht automatisch „brav“.
Ein Hund, der einfriert, wegschaut oder kaum noch reagiert, kann innerlich längst im Alarm sein.
Natürlich gibt es Notfälle. Dann muss schnell gehandelt werden. Medizinische Versorgung steht dann im Vordergrund.
Aber vieles andere können wir vorbereiten: Blutabnahme, Impfung, allgemeine Untersuchung, Pfoten anfassen, Ohren anschauen, Berührung durch fremde Hände.
Nicht mit Druck. Sondern mit kleinen Erfahrungen, die dem Hund zeigen: Ich werde gesehen. Meine Signale zählen. Ich bin nicht völlig ausgeliefert.
Genau da beginnt für mich verhaltenstherapeutisches Arbeiten: nicht erst beim sichtbaren Widerstand, sondern beim frühen Erkennen dessen, was im Hund passiert.
Denn manchmal ist der liebevollste Anfang nicht, den Hund „da durchzubringen“.
Sondern ihn so vorzubereiten, dass er beim nächsten Mal etwas weniger allein aushalten muss. 🐾

Quelle: Nakonechny, Pulver, Artemiou & Stellato, 2026

Wenn der Tierarztbesuch schon vor der Spritze schwer wirdWer mich kennt, weiß: Ich arbeite sehr gern wissenschaftlich fu...
21/08/2026

Wenn der Tierarztbesuch schon vor der Spritze schwer wird

Wer mich kennt, weiß: Ich arbeite sehr gern wissenschaftlich fundiert. Nicht, weil ich Hunde in Studien pressen möchte, sondern weil ich es wichtig finde, mein Gefühl, meine Erfahrung und meine Beobachtungen immer wieder mit aktuellen Erkenntnissen abzugleichen.
Und manchmal lese ich eine Studie und denke sofort: Ja. Genau das sehe ich im Alltag immer wieder.

Eine aktuelle Studie von Nakonechny, Pulver, Artemiou und Stellato hat sich angeschaut, wie Hunde in einem klinischen Untersuchungslabor gehalten wurden und welche Angstsignale sie dabei zeigten. Dabei zeigte sich: Wenn Hunde weniger einschränkend gehalten wurden, traten weniger Angstreaktionen auf. Wurde stärker fixiert, zeigten die Hunde mehr Angstverhalten. Außerdem unterschätzten die Studierenden die Angst der Hunde im Vergleich zu einer geschulten Beobachterin.
Und ich glaube, viele Menschen kennen genau solche Situationen:
🏥Der Hund kommt in die Praxis.
👃Er riecht den Raum.
⚡️Er merkt die Anspannung.
🐕Er wird auf den Tisch gehoben.
👨‍⚕️Jemand hält ihn fest.

Und plötzlich ist aus dem eigentlich freundlichen Hund ein Hund geworden, der zittert, einfriert, ausweicht, schnappt oder „nicht mehr mitmacht“.
Dann heißt es schnell: „Beim Tierarzt ist er eben schwierig.“

Aber vielleicht beginnt der Blickwechsel genau dort...
Vielleicht ist der Hund nicht schwierig. Vielleicht ist die Situation schwierig.
Denn für viele Hunde ist nicht nur die Untersuchung selbst belastend. Es ist der Verlust von Kontrolle. Der enge Raum. Die fremden Hände. Das Festgehaltenwerden. Der Moment, in dem der Körper merkt: Ich kann gerade nicht weg.

Und ja: Es gibt Situationen, in denen es keine Zeit für langsames Herantasten gibt. Bei Schmerzen, Verletzungen, akuten Erkrankungen oder echten Notfällen muss manchmal schnell gehandelt werden. Dann steht die medizinische Versorgung im Vordergrund. Niemand kann in einer Notsituation warten, bis ein Hund innerlich „bereit“ ist.

Aber genau deshalb lohnt sich der Blick auf all die Situationen, die nicht plötzlich und akut sind.
Blutabnahmen, Impfungen,allgemeine Untersuchungen, Ohren anschauen, Pfoten anfassen, auf den Tisch gehen und Berührung durch fremde Hände aushalten.

All das lässt sich vorbereiten. Nicht mit Druck, sondern mit kleinen, gut aufgebauten Erfahrungen, in denen der Hund lernt: Ich werde gesehen. Meine Signale zählen. Ich kann etwas mittragen, ohne völlig ausgeliefert zu sein.

Und ich erlebe zum Glück immer wieder Tierärzte, die genau diesen Weg unterstützen👍🏻. Die kurz warten, anders anfassen, den Hund auf dem Boden untersuchen, kleine Pausen ermöglichen oder gemeinsam mit dem Menschen schauen, wie eine Untersuchung sicherer und ruhiger laufen kann. Solche Zusammenarbeit ist unglaublich wertvoll.

Besonders wichtig finde ich an dieser Studie, dass Angst leicht unterschätzt wurde. Genau das passiert im Alltag so oft. Ein Hund, der still wird, gilt schnell als brav. Ein Hund, der nicht mehr reagiert, gilt als unkompliziert. Ein Hund, der alles über sich ergehen lässt, wird gelobt.
Dabei kann genau dieses stille Aushalten ein Zeichen dafür sein, dass innerlich schon sehr viel passiert.
Die Studie beweist nicht, dass restriktives Handling immer die Ursache der Angst ist. Sie zeigt Zusammenhänge und lädt dazu ein, genauer hinzuschauen. Und genau das finde ich wertvoll.
Für unsere Mensch-Hund-Teams bedeutet das: Wir dürfen früher hinschauen. Nicht erst, wenn der Hund knurrt, schnappt oder sich massiv wehrt. Sondern schon bei den kleinen Signalen davor. Beim Wegdrehen, beim Erstarren oder auch beim Lippenlecken.
In meiner verhaltenstherapeutischen Arbeit ist das ein wichtiger Teil: Hunde nicht erst dann ernst zu nehmen, wenn sie laut werden und es deutlich zeigen. Sondern zu verstehen, was sie vorher schon zeigen.
Denn manchmal ist der liebevollste Anfang nicht, den Hund „da durchzubringen“.
Sondern ihn in den vielen kleinen Momenten davor so vorzubereiten, dass er beim nächsten Mal vielleicht ein bisschen weniger allein aushalten muss. 🐾
Quelle: Nakonechny, Pulver, Artemiou & Stellato, 2026, Frontiers in Veterinary Science.

„Aber er konnte doch schon spazieren gehen.“Genau dieser Satz stand am Anfang eines Falles aus meiner tierpsychologische...
09/08/2026

„Aber er konnte doch schon spazieren gehen.“

Genau dieser Satz stand am Anfang eines Falles aus meiner tierpsychologischen Arbeit.

Nach einem sehr schwierigen Start hatte die Halterin mit viel Geduld erreicht, dass ihr Hund sich die Außenwelt Stück für Stück wieder erschließen konnte. Spaziergänge wurden möglich, sein Radius wurde größer – und für eine ganze Weile sah es tatsächlich so aus, als würde immer mehr Sicherheit entstehen.

Dann wurde seine Welt plötzlich wieder kleiner.

Gerade diese Entwicklung finde ich fachlich so wichtig. Denn ein Hund kann etwas bereits geschafft haben, ohne dass es sich für ihn wirklich stabil und sicher anfühlt. Und wenn später wieder weniger möglich ist, bedeutet das nicht automatisch, dass alles zuvor Erreichte verloren gegangen ist.

In unserer bisherigen Begleitung wurde deshalb nicht die zurückgelegte Strecke zum Maßstab. Viel interessanter war: Kann der Hund noch schnüffeln, wahrnehmen und eigene Entscheidungen treffen? Kann er sich zurückziehen, eine Pause machen – und anschließend vielleicht selbst noch einmal einen neuen Versuch wagen?

Aus diesem anonymisierten Fall ist mein neuer Blogartikel entstanden:

„Es ging doch schon so gut – wenn ein Hund plötzlich wieder ängstlich wird“

Vielleicht kennst du dieses „Es ging doch schon …“ auch von deinem Hund. Manchmal lohnt es sich, Fortschritt noch einmal ganz anders zu lesen.

https://www.blick-wechsel.net/es-ging-doch-schon-so-gut-wenn-ein-hund-ploetzlich-wieder-aengstlich-wird/

Liebe PfotenGrüße
Carmen 👩‍🌾🐶🌿❤️

Adresse

Wilhelm-Busch-Str. 6
Sarstedt
31157

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