08/10/2025
Vokabeln vs Beziehung
Bist du auch ein Hundemensch, der davon überzeugt ist, dass das Aufkonditionieren von Kommandos die Basis einer guten Erziehung ist?
Hast du dir vielleicht auch einen Hund angeschafft, dich mit vollem Eifer belesen und einen Erziehungsratgeber nach dem anderen verschlungen, um alles richtig zu machen?
Hast du geübt, die Kommandos immer richtig zu betonen und natürlich wurde auch die ganze Familie gebrieft, damit ja niemand ein anderes Wort benutzt als das, was du gerade mühevoll aufzutrainieren versuchst?
Dieses Denken ist weit verbreitet und tief verankert, fast so, als wäre es in Stein gemeißelt. Denn so wurde es jahrzehntelang vermittelt. Doch ist dieser Ansatz nicht längst überholt?
Wie kamen wir Menschen eigentlich darauf, unsere Hunde eher zu dressieren als sie sozial zu erziehen? Sie ausschließlich mit konditionierten Kommandos „in Schach“ zu halten, statt mit ihnen so zu kommunizieren, wie sie es von Natur aus mitbringen. So, wie sie es am besten verstehen?
Wenn man genau hinschaut, hat das, was wir so oft als „Erziehung“ bezeichnen, in Wirklichkeit sehr viel mehr mit Lernen von Vokabeln zu tun, also mit Konditionierung. Wir bringen dem Hund bei, dass bestimmte Wörter mit bestimmten Handlungen verknüpft sind. Ein akustisches Signal löst eine körperliche Reaktion aus.
Das ist wichtig und nützlich, aber ist das allein wirklich Erziehung?
Was wir uns insgeheim wünschen, geht doch weit darüber hinaus. Wir möchten, dass unsere Hunde uns folgen, uns vertrauen und bereit sind, uns zuzuhören, wenn wir ihnen unsere Welt erklären.
Nicht, weil er ein Signal gehört hat, sondern weil er sich an unserer Seit sicher fühlt, uns vertraut.
Und da liegt der Kern:
Ein Hund führt ein Kommando nicht aus, weil er das Wort verstanden hat, sondern weil er entscheidet, ob er der Person, die das Wort ausspricht, folgen möchte.
Wie verschlossen müssen unsere Augen sein, um ehrlich zu glauben, dass ein paar Grundkommandos genau das bewirken können?
Eine scheinbare gemeinsame Sprache über ein paar Vokabeln zu schaffen, bedeutet noch lange keine echte Beziehung.
Oder vertrauen wir etwa jedem blind, dessen Worte wir verstehen können?