08/06/2026
Geneigte Leserschaft ,
lange bevor der Name Bridgerton mit den Pflichten eines Viscounts verbunden wird, bevor ernste Katergehabe und gewichtige Müßiggang Nachmittage seinen Alltag bestimmten, ist Anthony Bridgerton nichts weiter als ein lebhafter Junge mit zerzausten rotweissen Locken, schmutzigen Pfötchen und einem bemerkenswerten Talent dafür, jede nur erdenkliche Form von Unfug anzuführen.
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In jenen unbeschwerten Tagen hallen die Gärten von Mömpelgard oftmals von fröhlichem miauen wider. Während andere Kitten sich mit ruhigen Beschäftigungen zufriedengeben, scheint der junge Anthony stets auf der Suche nach dem nächsten Abenteuer zu sein. Kein Kratz-Baum ist zu hoch, kein Wassertrog zu breit und kein Spiel zu wild, um ihn davon abzuhalten, sich mit vollem Eifer hineinzustürzen.
Besonders groß ist seine Leidenschaft für Wettkämpfe aller Art. Ob ein Wettrennen über die Flure , ein improvisiertes Kricketspiel oder eine Jagd durch die weitläufigen Betten — Anthony spielt stets mit einer Ernsthaftigkeit, die für einen Knaben seines Alters beinahe erstaunlich erscheint. Gewinnen ist für ihn keine angenehme Möglichkeit; es ist das einzig akzeptable Ergebnis.
Und verlor er doch einmal, so konnte man beobachten, wie sich seine Runden Augen verengten und seine Schnäutzchen zu einem trotzig entschlossenen Strich wurden. Niederlagen nimmt er selten mit Anmut entgegen. Vielmehr betrachtet er sie als persönliche Herausforderung, die unverzüglich korrigiert werden muss.
Es kommt nicht selten vor, dass er darauf besteht, ein Spiel augenblicklich zu wiederholen, nur um das Ergebnis zu seinen Gunsten zu wenden.
Natürlich bleibt ein so temperamentvoller Junge nicht von den üblichen Bruderstreitigkeiten verschont. Gemeinsam mit seinen Brüdern verwandelt er Flure, Kissen und Spielteppiche regelmäßig in Schauplätze ausgelassener Rangeleien.
Es wird geschubst, gerauft und um die Vorherrschaft gestritten, bis besorgte Gouvernanten oder eine streng blickende Mutter einschreitet und die Menge in ihre Schranken weißt. Meist ihr jedoch schon das heillose Chaos das noble Heim ereilt und schweres Geschütz muss zur Beseitigung der Unordnung aufgefahren werden. Besonders gegenüber seinen jüngeren Brüdern entwickelte Anthony schon früh einen ausgeprägten Beschützerinstinkt — auch wenn dieser Schutz gelegentlich erst erfolgte, nachdem er selbst die Rauferei begonnen hatte.
Doch trotz aller Neckereien und Wettkämpfe ist die Zuneigung zwischen den Geschwistern unverkennbar. Der junge Anthony führt seine Brüder oft mit dem natürlichen Selbstverständnis eines Erstgeborenen an. Bereits heute zeigt sich jene Autorität, die später zu seinem Markenzeichen werden sollte. Allerdings ist sie noch frei von den Lasten der Verantwortung eines echten Zuchtkatern und getragen von der sorglosen Kühnheit der Kindheit.
Wer ihn beobachtet, wird wohl kaum erahnen , das dieser Quatschkopf jemals ein echter Katermann werden wird. Zu dieser Zeit ist Anthony Bridgerton vor allem eines: ein lebensfroher Junge mit einem unbezwingbaren Ehrgeiz, einer Vorliebe für jedes Spiel, das sich gewinnen ließ, und einer beinahe legendären Abneigung gegen das Verlieren.
Und wie viele Mütter einhellig wohl bestätigen würden, sind es oftmals genau jene Katerkitten, die am meisten Radau machen, die die eines Tages herausragende Zuchtkater und Kittenvöter werden.
Eure stets beobachtende,
�Lady Whistledown