27/04/2026
Wichtig ist die Fütterung im Sommer ...
Zur Erinnerung:
Was darf man im Sommer und zur Brutzeit an Futter anbieten.
Sommerfütterung von Vö**ln – Mythen und Fakten
Im Sommer kann den Vö**ln grundsätzlich das gleiche Futter angeboten werden wie zur Winterzeit.
Die Unterschiede zwischen Winter- und Sommerfütterung sind also minimal, sodass eine große Bandbreite an Nahrung auch während der Brutzeit erlaubt ist.
Immer wieder tauchen jedoch Stimmen auf, die davor warnen, im Sommer Fettfutter, Nüsse, Sonnenblumenkerne und andere Futtersorten anzubieten. Der Grund: Angeblich würden diese Futtermittel den Jungvögeln schaden, weshalb man sie zum Schutz der Tiere komplett weglassen und stattdessen auf natürliche Nahrung wie Insekten, Sämereien und Wildkräuter zurückgreifen sollte.
Diese Annahme ist jedoch längst widerlegt. Wer solche Aussagen hört oder liest, sollte sie direkt vergessen und sich stattdessen auf das Angebot vielfältiger Futtermittel konzentrieren, wie es auch im Winter üblich ist.
Die Bedeutung der Sommerfütterung für Vögel
Die früher weit verbreitete Regel, Vögel „nur im Winter und bis Ende März zu füttern“, hatte tatsächlich bis vor etwa 30 bis 50 Jahren ihre Berechtigung. Zu dieser Zeit war es so, dass ab dem Frühjahr in der Natur wieder ausreichend Insekten und andere natürliche Nahrungsquellen verfügbar waren.
Die Versorgung der Vögel durch den Menschen war daher außerhalb der kalten Monate nicht notwendig.
Inzwischen hat sich die Situation jedoch grundlegend geändert: Die Insektenbiomasse ist um rund 80 Prozent zurückgegangen. Dies stellt besonders für reine Insektenfresser wie Schwalben, aber auch für den Nachwuchs aller Vogelarten eine große Herausforderung dar.
Fast alle Küken werden im Nest von ihren Eltern mit Insekten ernährt, sodass der Rückgang der Insekten direkt die Überlebenschancen der Jungvögel beeinträchtigt.
Die Aufzucht der Jungvögel ist für die Vogeleltern eine enorme Herausforderung. Durch das zusätzliche Futterangebot können wir sie aktiv unterstützen.
Ein weiterer wichtiger Aspekt: Der Flugmuskel der Vögel funktioniert nicht über den Kohlenhydratstoffwechsel, sondern ist vor allem auf die Lipidoxidation, also die Fettverbrennung, angewiesen. Aus diesem Grund ist auch im Sommerhalbjahr und während der Brutzeit eine fettreiche Nahrung für Vögel sinnvoll und empfehlenswert.
Die Herausforderungen bei der Ernährung von Vogelnestlingen
Vogeleltern versorgen ihre Nestlinge mit proteinreicher Nahrung, die aus verschiedenen Insektenordnungen stammt. Dazu zählen beispielsweise Käfer (Coleoptera), Fliegen (Diptera), Wanzen (Hemiptera), Hautflügler (Hymenoptera), Schmetterlinge (Lepidoptera) und Heuschrecken (Orthoptera).
Diese Vielfalt an Insekten liefert die notwendige Energie und Proteine für das Wachstum der Jungvögel.
Um den Bedarf einer durchschnittlichen Kohlmeisenbrut zu decken, benötigen die Nestlinge etwa 10.000 Raupen während ihrer Aufzucht.
Dies verdeutlicht, wie groß der Aufwand der Vogeleltern ist, geeignete Nahrung zu finden und zum Nest zu bringen.
Weichfutterfresser wie Amseln oder Rotkehlchen, deren Ernährung ebenfalls Insekten beinhaltet, müssen einen Großteil der gefundenen Insekten für ihren eigenen Bedarf nutzen, um die notwendige Flugleistung zur Futtersuche erbringen zu können. Der größte Teil der aufgenommenen Energie wird für das energieintensive Fliegen verwendet, sodass nur etwa ein Prozent der Energie tatsächlich in Vogelbiomasse umgewandelt wird.
Für Körnerfresser gilt eine ähnliche Problematik.
Der Verzehr großer Mengen an Körnern führt zu erheblichem Zeitverlust, den sich die Vogeleltern während der Brutzeit kaum leisten können.
Die Eltern müssen vom Sonnenaufgang bis zum Sonnenuntergang zwischen 400 und 600 Mal das Nest mit Nahrung anfliegen. Wenn die Küken weniger Nahrung erhalten oder die Eltern selbst zu wenig fressen, kann die notwendige Flugleistung für die Versorgung der Jungen nicht mehr erbracht werden.
Warum Fettfutter für Vögel so wichtig ist
Es hält sich hartnäckig das Gerücht, der Flugmuskel der Vögel würde ähnlich wie bei Hochleistungssportlern funktionieren – eine Annahme, die jedoch nicht der Wahrheit entspricht. Tatsächlich unterscheidet sich der Stoffwechsel von Vö**ln grundlegend von dem der Säugetiere.
Der Flugmuskel der Vögel basiert auf der Verwertung von Fetten. Das bedeutet, dass Körnernahrung im Körper der Vögel zunächst in Fett umgewandelt werden muss, bevor sie als Energiequelle für die Flugmuskulatur dient.
Besonders deutlich wird dieser Unterschied im Kaloriengehalt:
Ein Gramm Nahrungsfett liefert mehr als doppelt so viele Kalorien wie die gleiche Menge an Kohlenhydraten, also Körner, oder Eiweiß, wie es in Insekten vorkommt.
Aus diesem Grund ist es sinnvoll, Vögel mit Fettfutter wie Meisenknödeln, geölten Haferflocken, Energierollen, Sonnenblumenkernen, Erdnüssen und ölhaltigen Saaten zu unterstützen.
Diese Futterarten können direkt und ohne Umwege im Brustmuskel der Vögel zur Energiegewinnung verbrannt werden.
Durch das Angebot von Fettfutter benötigen erwachsene Vögel weniger Insekten für den Eigenbedarf. Dadurch bleibt mehr proteinreiche Nahrung für die Aufzucht der Jungvögel, was gerade in Zeiten knapper werdender Insektenbestände von großer Bedeutung ist.
Werden Vögel durch Fütterung träge?
Vögel können durch Futterstellen auch nicht faul werden. Ihr Leben ist durchgehend energieintensiv: Für Balz, Brut, Ma**er, das Fliegen und viele weitere Aktivitäten benötigen sie ständig große Mengen an Energie. Die Suche nach Nahrung ist tief in ihren Genen verankert – ebenso wie das Fliegen selbst.
Auch wenn Vögel regelmäßig an Futterstellen Nahrung aufnehmen, verlieren sie nicht die Fähigkeit zur Futtersuche oder werden träge. Sie verlernen weder das Fliegen noch geben sie die Eigenständigkeit bei der Futtersuche auf.
Futterangebote zur Brutzeit und für den gesamten Sommer:
Fettfutter
An Fettfutter können angeboten werden:
*❇️Meisenknödel (nicht in die pralle Sonne hängen) ,
*❇️Energieblöcke,
*❇️Geölte Haferflocken,
*❇️Sonnenblumenkerne:
*❇️Erdnüsse: Bitte nur in Erdnussgitterspender anbieten.
*❇️Ölhaltige Saaten wie z.B:
Mariendistelsamen, Hanfsaat, Wildsämereien, Chiasaat, Sesam, Nigersamen, Kanariensaat,
*❇️Gute Körnermischung (kann auch mit Waldvogelfutter gemixt werden)
*❇️Ungeschwefelte Rosinen
*❇️Obst (Äpfel) und Beeren: Obst ist allerdings nur ein Zusatzfutter. Mit nur Obst verhungern Vögel, da wenig Fett- und Aminosäure enthalten sind.
Weitere Angebote (vor allen Dingen in der Brutzeit).
*❇️Lebende oder gefriergetrocknete Mehlwürmer: Zwischen lebenden und getrockneten Mehlwürmern gibt es keinen Unterschied.
Die Gefriertrocknung ist ein Verfahren, wobei den Mehlwürmern unter speziellen Bedingungen die Feuchtigkeit entzogen wird. Der Nährwert bleibt erhalten.
Mehlwürmer als Nahrung für Vögel während der Brutzeit
Mehlwürmer bestehen zu etwa 60 Prozent aus Feuchtigkeit. Durch das Trocknen verlieren sie einen Großteil ihrer Flüssigkeit, wodurch die verbleibenden Nährstoffe noch konzentrierter im getrockneten Zustand vorliegen. Der wichtigste Unterschied zwischen frischen und getrockneten Mehlwürmern besteht darin, dass frische, lebende Mehlwürmer bei der Verfütterung an Küken nicht nur wertvolle Nährstoffe, sondern auch die benötigte Flüssigkeit liefern.
Die Eltern versorgen ihre Jungen mit lebenden Mehlwürmern und bieten ihnen somit ein vollständiges Nahrungsangebot – man kann sich einen lebenden Mehlwurm bildlich als „Milchfläschchen für Vogelbabys“ vorstellen.
Während der Brutzeit ist es empfehlenswert, getrocknete Mehlwürmer vor dem Verfüttern zu rehydrieren. Dazu werden die getrockneten Mehlwürmer etwa 10 Minuten lang in 30 Grad heißes Wasser eingelegt. Nach dem Einweichen können sie auf dem Futtertisch angeboten werden. Das Rehydrieren ist unkompliziert und sorgt dafür, dass die Vögel auch bei getrockneten Mehlwürmern die notwendige Flüssigkeit erhalten.
Bei der Fütterung von Mehlwürmern muss kein Kopf entfernt oder ähnliche Vorbereitungen getroffen werden. Vogeleltern sind evolutionär darauf spezialisiert, ihre Küken richtig zu ernähren und bereiten das Futter selbst so vor, wie es benötigt wird – dieser Instinkt besteht seit etwa 160 Millionen Jahren.
Ch.G.
Bild:KI
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