21/10/2022
Sehr gut auf den Punkt gebracht, handelt im Sinne der Pferde.
Worum geht es bei der „Losgelassenheit“?
Es geht vor allem um das Fehlen und das Beseitigen von VERspannungen. Denn sie sind das Gegenteil der Losgelassenheit.
Es gibt eine psychische Losgelassenheit und eine körperliche, physische.
Das psychisch(mental) losgelassene Pferd ist ruhig, entspannt, regt sich nicht auf. Es ist schmerzfrei und es fühlt sich wohl.
Beim körperlich losgelassenen Pferd kommt noch etwas hinzu. Es ist nicht nur nicht oder nicht mehr verspannt, es ist auch „startklar“. Arbeitsbereit, arbeitswillig und arbeitsfähig. So wie der gut aufgewärmte Sprinter vor dem 100 Meterlauf.
Mit losgelassen ist nicht gemeint, faul und entspannt im Liegestuhl zu sitzen, das ist eher „Zwanglosigkeit“. Die gibt es auch beim Pferd, sie ist eine Vorbedingung für die Losgelassenheit.
Warum ist Losgelassenheit denn so wichtig? Nur ein in sich losgelassenes Pferd kann den Reiter auf Dauer schadlos tragen. Es schwingt durch den Körper und kann seinen Rücken und seinen Brustkorb mit dem Reiter drauf über die Muskelketten und das Nacken-Rückenband gut und unverspannt stabilisieren und gut tragen.
Daher ist vor allem auch die Losgelassenheit der Rückenmuskulatur so wichtig. Bei einem losgelassenen Pferd arbeitet sie als Bewegungszentrum rhythmisch und unverspannt. Das geht nur in einer Mittelstellung des schwingenden Rückens. Dieser darf dazu weder im Hohlkreuz durchhängen, noch einen Katzenbuckel machen.
Ein Pferd mit einem losgelassenen Rücken wirkt zufrieden, lässt gut sitzen, bewegt sich freudig, die Gliedmaßen bewegen sich im Gleichmaß. Es ist ein zufriedenes und gesund bleibendes Reitpferd. Und genau das möchten wir auf Dauer.
Grundvoraussetzung ist ein ebenfalls losgelassener Reiter, der psychisch und körperlich losgelassen ist und auch (mit der Hand und mental) loslassen kann. Dabei hängt er nicht wie ein Schluck Wasser in der Kurve auf dem Pferd oder wie ein Mehlsack, sondern in einer positiven Körpergrundspannung, in der er/sie sich auf dem Pferd gut ausbalancieren und verständliche Hilfen geben kann.
Die Reitlehre gibt dem Reiter noch eine Vielzahl von Übungen, Lektionen und Möglichkeiten an die Hand, ein Pferd zur Losgelassenheit zu führen. Das sind einzelne, einfache Übungen, die das Aufwärmen und Lockern des Pferdes fördern. Das kann ein lockerer Freilauf sein, gern auch über kleine Sprünge, oder ein kleiner Bummelausritt, es kann ein fachlich korrektes Longieren sein und das Reiten einfacher, nicht zu komplexer Dinge wie zum Beispiel Trab/Schrittübergänge und das Reiten auf großen gebogenen Linien wie zum Beispiel Schlangenlinien in allen möglichen Variationen und die Arbeit auf dem Zirkel. Je nach Ausbildungsstand gehören hierzu auch Galopp/Trabübergänge, auch das Schenkelweichen lassen und die Vorhandwendung. Vor allem die letzten Beiden Übungen fördern das Loslassen im Lendenwirbelsäulenbereich. Es sind alle Übungen und Lektionen geeignet, die das Pferd kennt und kann und die es mit Leichtigkeit ausführen kann. Immer wieder überprüft man den Stand der Losgelassenheit durch ein Zügel aus der Hand kauen lassen. Denn DIESE Übung, reell ausgeführt, ist der Gradmesser der Losgelassenheit. Das Pferd hält dabei von sich aus Takt und Tempo, dehnt sich nach vorwärtsabwärts und schwingt mit aktiver Hinterhand und tätig losgelassenem Rücken.
So ist das Ganze dann
Im Sinne der Pferde
Eure Dagmar Ciolek