20/08/2026
🐈⬛ Kapitel 4 – Die Mafia-Anwärterin
Teil 5 – Die Friedensverhandlung
Nach ganz vielen Enttäuschungen hatten wir irgendwann einfach keine Lust mehr auf diesen Krieg.
Wir waren noch im selben Verein. Wir wussten, dass wir uns immer wieder begegnen würden. Und genau deshalb wollten wir irgendwann einfach nur Frieden.
Aber wir hatten eine Forderung:
Der aus unserer Verbindung entstandene Kater sollte aus dem Internet genommen werden. Er sollte nicht mehr als Deckkater angeboten werden.
Und dann wäre für uns die Sache erledigt gewesen.
Kein Krieg.
Keine große Versöhnung.
Keine Freundschaft.
Einfach:
„Wenn man sich sieht, Hallo und weiter.“
Sie sagte zu, den Kater aus dem Internet zu nehmen.
Damit war die Sache für uns erledigt.
Und wir dachten tatsächlich:
Gut.
Dann können wir vielleicht jetzt wieder normal miteinander umgehen.
Das war tatsächlich unser vorletzter Kontakt.
Denn ganz ehrlich:
Ich konnte es natürlich nicht ganz auf sich beruhen lassen.
Irgendwo zwischen Vernunft und meinem persönlichen Bedürfnis nach ein bisschen Chaos musste ich offenbar noch einmal nachtreten.
Ich stichelte.
Und damit war der nächste Kontakt eigentlich schon vorprogrammiert.
Denn ich wusste zu diesem Zeitpunkt ziemlich genau, welchen Knopf ich drücken musste.
Und natürlich konnte ich es nicht lassen.
Aber was dann passierte, gehört in eine eigene Geschichte.
Manchmal ist man eben nicht das Opfer.
Manchmal sitzt man selbst da und denkt:
Komm. Einmal noch. 😂
Teil 5.1 – Ich hatte Bock auf Beef
Bevor wir allerdings zum eigentlichen Beef kommen, muss ich vielleicht einmal etwas klarstellen:
Ich war Teil dieses Kindergartens.
Denn die Zuchtwelt ist manchmal wirklich ein riesiger Kindergarten.
Nur eben mit erwachsenen Menschen.
Mit Handys.
Mit WhatsApp.
Mit Facebook.
Und mit einem erstaunlich gut funktionierenden Informationsnetzwerk.
Da wird geflüstert.
Da werden Sprachnachrichten weitergeleitet.
Screenshots machen die Runde.
Und natürlich gibt es immer diese eine Nachricht:
„Du, ich hab da was gehört …“
Gefolgt von:
„Aber das darfst du eigentlich gar nicht wissen.“
Natürlich darfst du es nicht wissen.
Und natürlich willst du es jetzt erst recht wissen.
„Ich kann dir aber nicht sagen, von wem ich das habe.“
Natürlich nicht.
Und plötzlich sitzen irgendwo drei erwachsene Menschen zusammen und analysieren einen Satz, den irgendjemand vor vier Tagen in irgendeiner WhatsApp-Gruppe geschrieben hat, als ginge es um die Aufklärung eines internationalen Verbrechens.
Und ja.
Ich war mittendrin.
Ich habe gelästert.
Ich habe mich aufgeregt.
Ich habe meine Meinung gesagt und über meine eigenen Erfahrungen gesprochen.
Aber ich habe keine heimlichen Informationen weitergetragen und keine Dinge ausgeplaudert, von denen ich wusste, dass sie vertraulich waren.
Ich war Teil des Kindergartens – aber ich war keine Geheimnisverteilerin.
Ich könnte jetzt natürlich behaupten, ich sei irgendwann ausschließlich das Opfer dieser ganzen Dynamik gewesen.
Aber das wäre gelogen.
Ich war mittendrin.
Und manchmal hatte ich daran verdammt viel Spaß.
Wenn mich jemand fragte:
„Kennst du die?“
Dann war meine Antwort meistens:
„Ja. Mach dir dein eigenes Urteil.“
Ich wollte niemandem meine Meinung aufzwingen.
Ich habe meinen Menschenverstand behalten wollen.
Und meinen Anstand.
Zumindest meistens.
Ob mein Selbstbild davon jetzt hundertprozentig stimmt?
Tja.
Das müssen andere beurteilen.
Ich mache viele Fehler.
Sehr viele.
Aber ich würde von mir behaupten, dass ich ehrlich bin.
Und fair.
Zumindest meistens.
Und genau deshalb habe ich irgendwann auch versucht, mich aus den großen Züchterkriegen herauszuhalten.
Bis auf vielleicht zwei Situationen, in denen ich bewusst jemanden unterstützt habe, weil ich wusste, dass bestimmte Behauptungen einfach nicht stimmten.
Ansonsten war ich eher Zuschauerin.
Und was für eine.
Denn Facebook war mein persönliches Popcorn-Kino.
Solange es nicht um Tierquälerei ging, fand ich diese ganzen öffentlichen Züchterkriege teilweise wirklich ausgesprochen amüsant.
Da wurde diskutiert.
Seitenhiebe wurden verteilt.
Gegendarstellungen geschrieben.
Dann kam die Gegendarstellung zur Gegendarstellung.
Und irgendwann musste jeder erklären, wer wann was gesagt hatte, wer mit wem telefoniert hatte und wer angeblich wem welchen Screenshot geschickt hatte.
Popcorn raus.
Zurücklehnen.
Und gucken.
Das war teilweise besser als Fernsehen.
Und ich habe daraus tatsächlich etwas gelernt:
Misch dich nicht ein.
Denn sobald du dich in so einen Züchterkrieg einmischst, bist du schneller Teil der Geschichte, als dir lieb ist.
Und am Ende bist du womöglich noch diejenige, die plötzlich schuld ist.
Also hielt ich mich raus.
Ich hatte meine Friedensverhandlungen.
Ich wollte mich benehmen.
Ich wollte vernünftig sein.
Ich wollte dieses ganze Kapitel abschließen.
Die Waffen niederlegen.
Die Friedenspfeife rauchen.
Und einfach weitermachen.
Ich war bereit, erwachsen zu sein.
Diplomatisch.
Vernünftig.
Geläutert.
Zumindest theoretisch.
Denn leider hatte ich nicht mit dem Katzenkartell gerechnet.
Obwohl ich mich zurückhielt, kamen die Informationen weiterhin bei mir an.
Aus allen möglichen Ecken.
Hier eine Nachricht.
Dort ein Screenshot.
Da eine Geschichte.
„Du, hast du eigentlich schon gehört …?“
Nein.
Hatte ich nicht.
Aber jetzt wusste ich es.
Und irgendwann musste ich feststellen:
Diese Person hatte offenbar nicht aufgehört.
Nur war ich diesmal nicht mehr diejenige, die darunter litt.
Andere machten ihre Erfahrungen.
Andere hatten ihre Geschichten.
Andere kamen irgendwann ebenfalls an den Punkt, an dem sie sich fragten:
„Wie kann ein Mensch eigentlich so ticken?“
Und ich saß daneben und dachte:
Das kann doch jetzt nicht wirklich dein Ernst sein.
Dazu kamen diese Momente, bei denen ich irgendwann dachte:
„Moment mal … das kommt mir aber verdammt bekannt vor.“
Ideen, die plötzlich als eigene Ideen präsentiert wurden.
Geschichten, die sich irgendwie immer wiederholten.
Verhaltensweisen, bei denen ich mich irgendwann fragte, wie viel davon eigentlich noch Zufall sein konnte.
Und da dachte ich zwischendurch tatsächlich:
Ist das schon Größenwahn?
Der Titel „Mafia-Anwärterin“ passte jedenfalls immer besser.
Und trotzdem wollte ich mich weiter benehmen.
Denn ich hatte mir nach den Friedensverhandlungen wirklich vorgenommen, mich nicht mehr einzumischen.
Ich wollte nicht wieder in irgendwelche Geschichten hineingezogen werden.
Ich wollte nicht wieder diejenige sein, die sich aufregt.
Ich wollte einfach mein Züchterleben weiterleben.
Aber scheinbar bin ich doch ein bisschen nachtragend.
Denn irgendwann war ich zwar nicht mehr direkt betroffen – aber immer noch genervt.
Und zwar so richtig.
Mit jeder neuen Information wurde die Friedenspfeife ein bisschen kleiner.
Die Diplomatie wurde ein bisschen schwieriger.
Und meine Geduld ein bisschen dünner.
Bis ich irgendwann an dem Punkt angekommen war, an dem ich mir dachte:
Ach, komm.
Ich wollte mich nicht mehr zurückhalten.
Nicht, weil ich musste.
Nicht, weil ich mich verteidigen musste.
Nicht, weil ich keine andere Wahl gehabt hätte.
Sondern einfach, weil ich mir Luft machen wollte.
Und diesmal ganz bewusst.
Denn dann kam dieser eine Moment.
Ich wusste genau, was ich tat.
Ich wusste genau, welche Frage ich stellen musste.
Und ich wusste ganz genau, welchen Knopf ich damit drücken würde.
Ich wusste sogar ziemlich genau, was danach wahrscheinlich passieren würde.
Und trotzdem habe ich gefragt.
Nicht aus Naivität.
Nicht, weil ich überrascht werden wollte.
Sondern weil ich wissen wollte, ob meine Vermutung stimmte.
Und ja.
Sie hat es geschafft.
Sie hat mich wieder empört.
Nicht überrascht.
Dafür kannte ich die Nummer inzwischen zu gut.
Aber empört?
Oh ja.
Und gleichzeitig dieses fassungslose Unverständnis:
Wie kann ein Mensch eigentlich so ticken?
Ich saß da und dachte:
„Das kann doch jetzt nicht wirklich dein Ernst sein.“
Doch.
War es offenbar.
Und da kam dann eine Seite von mir zum Vorschein, die ich bis dahin eigentlich gar nicht kannte.
Nicht meine schlechteste Seite.
Ich wurde weder respektlos noch beleidigend.
Im Gegenteil.
Ich blieb freundlich.
Ich blieb höflich.
Ich blieb respektvoll.
Denn nur weil ich plötzlich Lust auf Beef hatte, musste ich ja nicht meine gute Kinderstube an der Garderobe abgeben.
Aber seien wir ehrlich:
Kindisch war es trotzdem.
Denn jemanden bewusst anzuschreiben, obwohl man genau weiß, welchen Knopf man damit drückt und dass die Situation wahrscheinlich wieder eskalieren wird?
Ja.
Das ist kindisch.
Das wusste ich sogar in dem Moment.
Aber es tat gut.
Ich wollte diesen einen Knopf drücken.
Ich wollte sehen, was passiert.
Und ich hatte verdammt nochmal Spaß daran.
Die Friedensverhandlungen?
Über Bord.
Die Diplomatie?
Kurz beurlaubt.
Der Anstand?
Noch vorhanden.
Die Geduld?
Aufgebraucht.
Und irgendwo zwischen Empörung und Kopfschütteln dachte ich:
Ach komm.
Wenn ich schon genau weiß, welchen Knopf ich drücken muss …
dann drücke ich ihn jetzt auch.
Und deshalb muss ich an dieser Stelle einfach ehrlich sein:
Ich hatte einfach Bock auf Beef.🤜🤜🤜