23/02/2022
Das Märchen vom Welpenschutz
Immer noch kursiert die Floskel vom „Welpenschutz“. Gemeint ist damit ein automatischer Reflex, „nett“ zu Welpen zu sein, womöglich hervorgerufen durch das sogenannte „Kindchenschema“. Diese Annahme ist aber nicht korrekt und kann schnell böse enden.
In Wolfsrudeln haben nur die rudeleigenen Welpen Welpenschutz, die erwachsenen Verwandten lassen sich meist sehr viel von den Kleinen gefallen. Bei fremden Wölfen eines anderen Rudels sieht die Sache aber anders aus – da kann ein Aufeinandertreffen durchaus tödlich auch für Welpen enden.
Im Grunde ist es bei unseren Hunden nicht anders, auch wenn sie keine Wölfe mehr sind.
Gut sozialisierte Hunde werden zwar angemessen kommunizierenden Welpen nichts tun, höchstens eine Zurechtweisung für zu aufdringliches Verhalten kommt vor, was für die Welpen auch ein sinnvoller Lernprozess ist. Darauf verlassen sollte man sich aber nicht, denn es gibt es auch viele Hunde, die gar keine Welpen mögen. Und leider gibt es auch Hunde mit einem aus den Fugen geratenen Sozialverhalten oder fehlgeleiteten Beutefangverhalten, die einen Welpen auch massiv angehen oder sogar töten können.
Eine solche traumatisierende Erfahrung sollte man dem Welpen in seiner sensiblen Lernphase unbedingt ersparen, denn es kann sein Vertrauen in fremde Hunde zutiefst erschüttern und bleibende Ängste hervorrufen. Welpen mit derartigen Erfahrungen können unter Umständen später nie mehr einen normalen Kontakt zu Artgenossen aufnehmen.
Begegnet ihr mit eurem Welpen fremden Hunden und seid euch unsicher, ob diese freundlich sein werden, riskiert lieber einmal zu wenig als einmal zu viel und lasst euch nicht von angeblichen Hundefachleuten bequatschen, die euch klar machen möchten, dass „Hunde das unter sich ausmachen müssen“.
Wichtig aber auch: sucht mit eurem Welpen eine gut moderierte Spielgruppe auf, in der er sowohl Beißhemmung und Sozialverhalten mit Gleichaltrigen als auch höfliches Verhalten gegenüber erwachsenen, freundlichen oder neutralen Hunden erlernen darf.