
13/08/2025
Alles Beschriebene trifft tatsächlich auch auf die Arbeit des Hundefriseurs zu.
In der Regel arbeiten die meisten Hundefriseure ja auch alleine und haben kein weiteres Fachpersonal an der Seite, um unterstützend zu helfen (zb das Tier zu halten). Daher müssen wir noch etwas mehr auf unsere Absicherung achten…
Und ein gut sitzender, passender Maulkorb verschafft allen Beteiligten (Hund und Friseur) etwas mehr Sicherheit und trägt damit zu mehr Ruhe bei der Arbeit bei.
Und ja, auch ich habe überall an den Armen kleine „Erinnerungen“ - aber zum Glück ist ansonsten noch alles dran und man lernt aus jeder dieser Situationen
Throwback Mittwoch:
Ein 13 Jahre alter und aktualisierter Artikel:
Haben Tierärzte und ihre Teams Angst vor Tieren oder was?
Von Ralph Rückert, Tierarzt
Manche von Ihnen werden sowohl bei uns als auch in anderen Praxen eventuell schon mal erlebt haben, dass wir sehr schnell sind, wenn es darum geht, unsere Gliedmaßen vor einem Biss oder Krallenschlag in Sicherheit zu bringen. Manchmal zucken wir sogar zurück, obwohl sich Sekundenbruchteile später herausstellt, dass das Tier gar keine bösen Absichten verfolgt hat. Man könnte meinen, wir wären ein wenig ängstlich. Stimmt das?
Ängstlich ist eigentlich nicht der richtige Ausdruck. Eher vorsichtig nach dem Motto „Gebranntes Kind scheut das Feuer“. Jeder, der ein paar Jahre in der Tiermedizin gearbeitet hat, kann mit Sicherheit ein paar mehr oder weniger deutliche Narben vorweisen. Kratzer und kleinere Bisswunden sind Alltag, zwar manchmal recht schmerzhaft, aber bei aller Vorsicht unvermeidbar.
Es kann aber auch schlimmer kommen. Nicht umsonst wird tiermedizinisches Personal von der Berufsgenossenschaft in die gleiche Risikoklasse eingestuft wie Berufsfeuerwehrleute. Bissverletzungen durch Hunde und Katzen haben durchaus das Potenzial, die Betroffenen dauerhaft zu schädigen, bis hin zur Entstellung oder Berufsunfähigkeit. Viele von Ihnen werden wissen, dass meiner Frau die Hälfte des linken Zeigefingers fehlt, weil er 2004 in Folge einer infizierten Katzenbissverletzung nach sechs Wochen Leidenszeit amputiert werden musste. Und ich selbst trage Narben im Gesicht, die von einem Hundeangriff stammen, der mich bei etwas langsamerer Reaktion gut und gern die Nase hätte kosten können.
Katzen sind (in der Tierarztpraxis) rein statistisch gefährlicher als Hunde. Ihre Bisse gehen häufig in die Finger und dringen aufgrund der spitzen Eckzähne sehr tief ins Gewebe ein. Die dabei eingebrachten Bakterien sind ganz besonders gefährlich, wenn sie in schlecht durchblutetes (bradytrophes) Gewebe wie Sehnen, Sehnenscheiden, Knorpel und Knochen gelangen. Genau solche Strukturen sind natürlich in den Fingern gleich unter der Haut anzutreffen. Hundebisse verursachen im Gegensatz dazu eher großflächige Gewebequetschungen und -zerreißungen. Aber auch sie können langfristige oder dauerhafte Einschränkungen nach sich ziehen. Vor vielen Jahren wurde eine Hundebesitzerin am Eingang unserer Praxis von einem anderen Hund in den Oberschenkel, knapp über dem Knie gebissen. Bei der Erstversorgung waren nur ein relativ kleiner Hautdefekt, darum herum aber schon eine großflächige Schwellung zu sehen. Die Behandlung dieser Verletzung zog sich dann über mehrere Monate, zurück blieb leider eine dauerhafte Einschränkung der Streckfunktion des Kniegelenks.
Schnelle Reflexe sind für uns also sehr wichtig. Ebenso wichtig ist Unfallverhütung, und dazu gehört auch, dass ein Hund, der nicht sicher zu untersuchen und zu behandeln ist, einen Maulkorb aufgesetzt bekommt, oder dass eine Katze eher früher als später sediert oder in Narkose gelegt wird, um bestimmte Manipulationen ohne Gefährdung des Personals durchführen zu können. Wir bitten Sie dafür um Verständnis. Vielleicht sollte ich sogar besser schreiben: Wir fordern Ihr Verständnis, denn wir sind für unseren und den Unfallschutz unserer Angestellten verantwortlich. Die Berufsgenossenschaft will nach einer oft enorme Kosten und lange Arbeitsunfähigkeit verursachenden Bissverletzung ganz genau wissen, wie und warum es zu diesem Unfall gekommen ist und ob dieser nicht hätte verhindert werden können.
Bei Diskussionen im öffentlichen Raum, speziell in den sozialen Medien, kann man oft den Eindruck gewinnen, dass viele Tierbesitzer:innen es als integralen Bestandteil unseres Berufes sehen, maximale persönliche Risiken einzugehen, damit ihren Tieren nur ja nichts zugemutet wird. Die stärksten Sprüche kommen dabei nach meiner Erfahrung gern von Leuten, die sich nicht mal trauen, ihrem eigenen Hund einen Maulkorb anzulegen. Ganz besondere Schätzchen sind die, die einem – NACHDEM jemand geschnappt, gekratzt oder gebissen worden ist – fröhlich grinsend mitteilen: „Ach ja, genau, das kann sie/er gar nicht leiden, wenn man…“.
Tierbisse können buchstäblich lebensverändernde Folgen nach sich ziehen. Der Eigenschutz des tiermedizinischen Personals steht deshalb grundsätzlich über den Interessen und Wünschen der Tierbesitzer:innen. Wie auch immer geartete Kritik an getroffenen Selbstschutzmaßnahmen ist unangemessen und inakzeptabel. Es ist auch als Tatsache hinzunehmen, dass unterschiedliche Personen diesbezüglich unterschiedliche Maßstäbe haben können. Jede und jeder ist die Summe ihrer bzw. seiner Erfahrungen! Der oft gehörte Spruch „Mein Haustierarzt macht das aber immer ohne Maulkorb / ohne Schutzhandschuhe / ohne Einwickeln / ohne Sedierung!“ ist nicht angemessen, wenn jemand beschließt, dass sie/er sich nicht wohl fühlt und eben lieber Schutzmaßnahmen ergreifen möchte.
Bleiben Sie mir gewogen, bis bald, Ihr
Ralph Rückert
© Ralph Rückert
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