10/03/2026
Der neue Newsletter von Martin Plewa:
"Aktuelles
Zwei großartige Veranstaltungen liegen hinter mir: die Burgtagung Altleiningen und das schon im letzten Newsletter angekündigte Seminar mit Uta Gräf und ihrem Mann Stefan Schneider in Marbach zum Anlass des 20-jährigen Jubiläums des Vereins Xenophon.
Die Burgtagung ist die meines Wissens größte und informativste Ausbildertagung in unserem Lande. Veranstaltet wird sie im zweijährigen Turnus vom Regionalverband Pfalz mit der „Macherin” Brigitte Seidler, die mit großem Engagement diese Fachtagung organisiert. Viele kompetente Referenten wurden eingeladen, um in Vorträgen und Workshops ihr Wissen an die anwesenden Ausbilder/innen weiter zu geben.
Ich hatte die Ehre, den Eröffnungsvortrag zu halten zu dem wichtigen Thema „Zufriedenheit des Pferdes”. Meine weiteren Themen drehten sich um die Berücksichtigung der Ausbildungsskala in allen pferdesportlichen Disziplinen und um die Zusammenhänge von Anlehnung und der Wirkung von Gebissen im Pferdemaul. Am Samstag Abend gab es eine Podiumsdiskussion, auf der Uta Gräf, Anja Beran und ich unsere Gedanken zur Entwicklung des Pferdesports vorgetragen haben. Ein wichtiger Tenor war, dass alle „Pferdeleute” mit dazu beitragen müssen, dass die Werte des Umgangs mit dem Pferd vermehrt berücksichtigt und multipliziert werden müssen. Ein Verlust des Pferdesports hätte zwangsläufig auch einen Rückgang des Pferdebestandes zur Folge. Um das Ansehen des Pferdesports zu wahren und zu stärken, ist aber immer eine selbstkritische Betrachtung aller Aktivitäten mit dem Pferd, im Heimatstall wie auf den Turnieren notwendig mit entsprechenden Ansätzen und Vorgaben zum Abstellen von Fehlentwicklungen, die das Image des Pferdesports belasten und beschädigen.
Eine Woche nach der Burgtagung stand ein weiteres Highlight an: das Seminar mit Uta Gräf und ihrem Mann Stefan Schneider mit der Überschrift: „In Leichtigkeit Pferde ausbilden, gymnastizieren und Lektionen erarbeiten”.
Ich hatte die Freude, die praktischen Demonstrationen zu kommentieren und fachlich zu erläutern. Mehr als 350 Gäste haben den Nachmittag in der großen Halle des Haupt- und Landgestütes Marbach genießen können. Frau Gräf und Herr Schneider waren bewusst vom Verein Xenophon zu dieser Jubiläumsveranstaltung eingeladen worden, stehen sie doch in dem Ruf, die Klassische Reitlehre in ihrer Ausbildungspraxis konsequent und damit zum Wohl ihrer Pferde umzusetzen. Damit verfolgen sie genau die Werte, die zu erhalten sich Xenophon satzungsgemäß verpflichtet fühlt. Alle Gäste haben die mehr als dreistündige Präsentation mit anschließender Fragerunde von der ersten bis zur letzten Minute interessiert und mit großer Begeisterung verfolgt. Meine Mitstreiter/innen im Verein Xenophon hat diese großartige Demonstration pferdegerechter Ausbildung, in geradezu spielerischer Leichtigkeit vorgeführt, dazu motiviert, weitere Veranstaltungen mit dieser Message zu organisieren. Denn die Ziele des Vereins Xenophon sollen nicht mit ständiger Kritik oder „Schlechtmacherei” verfolgt werden, sondern mit der Vermittlung pferdefreundlicher Ausbildung, mit Hilfe zum besseren Reiten und der Blickschulung für richtiges Gehen des zufriedenen Pferdes. Damit wollen wir auch versuchen, den Forderungen der „Ethischen Grundsätze des Pferdefreundes” gerecht zu werden: Verantwortung für das Pferd, Förderung der Ausbildung für jeden, der mit Pferden umgeht und Erhalt der Grundsätze der Klassischen Reitlehre, die ja auch als immaterielles Kulturgut anerkannt ist.
Gastgeberin in Marbach war die Gestütsleiterin, Landoberstallmeisterin Dr. Astrid von Velsen-Zerweck. Sie war übrigens 2006 Mitbegründerin von Xenophon e.V. mit dem ersten Vorsitzenden Klaus Balkenhol. Dass sie auch in ihrer jetzigen Verantwortung die Xenophon-Ziele beherzigt, konnte man am Vorabend bei der Hengstschau des Gestüts Marbach erfreut zur Kenntnis nehmen: es gab keine künstlich produzierten gespannten „Schautritte”, die oft als „spektakulär” bezeichnet werden, sondern zufrieden und gelassen gehende Hengste, die altersgemäß in feiner Anlehnung präsentiert wurden. Mitverantwortlich für diese Ausbildungsqualität ist der ehemalige Oberbereiter der Wiener Hofreitschule, Herr Artur Kottas-Heldenberg, der regelmäßig die Marbacher Gestütsreiter unterrichtet und an dem Schauabend die Präsentationen der Dressurhengste kommentiert hat. Aber nicht nur die Dressurhengste wurden beispielgebend vorgestellt, sondern auch die beeindruckenden Springhengste, die sehr gefühlvoll, dabei stilistisch und reiterlich exzellent, von jungen Damen über beachtliche Abmessungen in ganz selbstverständlicher Art gezeigt wurden.
Neben diesen sehr erfreulichen Erlebnissen in Altleiningen und in Marbach muss ich aber leider auch von für mich enttäuschenden Entwicklungen berichten. Zum 1. Januar 2026 sind im deutschen Turniersport neue LPO - Ausrüstungsbestimmungen in Kraft getreten, die aus meiner Sicht mit einigen Ausbildungsgrundsätzen nicht vereinbar sind. So sind jetzt zum Beispiel sog. Magnetsteigbügel zugelassen, die über eine (Magnet-)Verbindung zur Stiefelsohle dafür sorgen sollen, dass der Bügel immer am Fuß bleibt. Dies ist mit bisherigen Grundsätzen der reiterlichen Ausbildung nicht vereinbar. Im Dressursitz soll ein konstanter Bügelkontakt mit federnden Fußgelenken dem Reiter ermöglichen, über ein bewegliches, nicht klemmendes Knie in den Hüftgelenken zum geschmeidigen Mitgehen der Mittelpositur mit den Bewegungen des Pferderücken zu gelangen. Ein unruhiger Schenkel, ein festes Fußgelenk mit einem evtl. hochgezogenen Absatz blockiert aber das Hüftgelenk und verhindert damit das „Eingehen” in die Bewegungen des Pferdes. Noch dramatischer sind die Überlegungen hierzu für den Leichten Sitz (Spring- und Geländesitz). Hier balanciert der Reiter sein ganzes Körpergewicht in den Bügeln aus. Daher wird der sichere Bügeltritt gefordert und entsprechend gelehrt, auch aus Sicherheitsgründen: der Druck in die Bügel verhindert ein Herunterfallen, wenn ein Pferd mal vor einem Sprung plötzlich stoppt oder in der Landung stolpert. Die Zulassung der Magnetsteigbügel führt daher zu weniger Sicherheit und zu mehr Unfallhäufigkeit beim Springen und im Gelände. Unverständlich ist für mich auch die Zulassung der großen Fliegenmasken auf dem Turnier-Vorbereitungsplatz. Gemäß dem für Richter verpflichtenden „Kriterienkatalog”, den der auf dem Vorbereitungsplatz Aufsicht führende Richter zu berücksichtigen hat, muss er das Ausdrucksverhalten und die Mimik des Pferdes beurteilen können. Das ist mit der Maske aber nicht mehr möglich. Unlogisch ist auch die wahlweise Verwendung einer Kinnkette beim Pelham. Die Wirkungen des Pelhams auf das Pferdemaul und die Zunge sind dann nicht mehr nachvollziehbar. Auch andere Neuregelungen finden nicht meine Zustimmung und ich finde sie nicht „zu Ende” gedacht, aber sie sind nun Bestandteil der LPO.
Ich habe mich bisher, aber erfolglos, immer für etwas „strengere” Ausrüstungsbestimmungen stark gemacht. So finde ich es völlig unverständlich, dass in Springen und Geländeprüfungen der unteren Klassen Pelhams und Drei-Ringe-Gebisse überhaupt zugelassen sind, sogar in den Aufbauprüfungen für junge Pferde. Die Richtlinien für Reiten und Fahren beschreiben im Band 1 die Grundausbildung bis etwa zur Klasse L. In diesem Buch, das auch Bestandteil der LPO ist, sind solche Gebisse aber nicht aufgeführt. In der Ausbildung und im Turniersport müssten schärfere Gebisse völlig unnötig sein. Ich habe sie in meiner reiterlichen Tätigkeit nie benutzt und auch meine zahlreichen Schüler in den letzten Jahrzehnten durften zu den Trainingsstunden mit ihren Pferden nur auf Trense gezäumt erscheinen; und es hat funktioniert. Die Verwendung von schärferen Gebissen (und auch von manchen sog. Hilfszügeln, wie z.B. den Schlaufzügeln) halte ich für ein reiterliches Armutszeugnis, weil damit in der Regel nur Ausbildungsdefizite kaschiert oder Ausbildungswege abgekürzt werden sollen, zu Lasten der Pferde.
Überhaupt bleibe ich bei meiner, auch bei der FN vorgetragenen, Meinung, dass zur Wahrung des Ansehens des Pferdesports die Ausrüstungsbestimmungen eher restriktiver gehalten werden müssen und nicht noch großzügiger formuliert werden dürfen.
Mit den besten Wünschen für ganz viel Freude im Umgang und beim Sport mit Ihren Pferden und herzlichen Grüßen,
Ihr Martin Plewa"
Ausbildungsphilosophie „Wenn Menschen denken, dass Pferde nicht fühlen, müssen Pferde fühlen, dass Menschen nicht denken.“ (unbekannt) Dieses Leitprinzip erfordert von jedem Reiter Kenntnis und Verständnis zu den natürlichen Veranlagungen, Verhaltensweisen, zur Anatomie und Physiologie sowi...