11/03/2026
Mehr aus dem Leben einer Hundetrainerin. Oder die Entstehung des berühmt berüchtigten "Angsthundes"....
Retten um jeden Preis?
Wir haben lange überlegt, ob wir das schreiben sollen.
Ob es nötig ist. Ob es provoziert. Ob es wieder Öl ins Feuer gießt.
Ja, gießen wir Öl ins Feuer!
Wir bekommen immer wieder diese einen Hunde ins Training.
ja, zum Glück für diesen Einen – dank Menschen, die hinsehen und uns kontaktieren.
Und gleichzeitig ist er nur einer von unzähligen anderen.
Einer von denen, die vorher kaum mehr Menschenkontakt hatten, als die Futterschüssel, die in die Shelterzwinger gestellt wurde.
Die keine Wohnung kannten, keinen Alltag, kein Körbchen, kein Auto.
Einer von denen, die von heute auf morgen in einen Transporter gepackt werden. Ausgesucht im Internetkatalog.
Die niemand gefragt hat, ob sie zwei Tage lang in einer dunklen Box verbringen wollen, übereinandergestapelt, eingesperrt, orientierungslos, ausgeliefert, ohne Pausen.
Da ist jeder Schlachttiertransport tierschutzgerechter unterwegs.
Danach: Ankommen.
Oder eher: Abgeladen werden.
Willkommen in Deutschland.
Neue Umgebung. Neue Menschen. Neue Erwartungen.
Reizüberflutung statt Sicherheit. Da wird erstmal auf Teufel komm raus getestet. Kann Hund mit Katzen? Kann Hund mit Kindern? Kann Hund mit draußen? Kann Hund mit drinnen? Jeden Tag Interessenten, mögliche Adoptanten, nach kurzer Zeit ab weiter zur nächsten Station, zum hoffentlich für-immer-Zuhause.
Vielleicht mit etwas Glück.
Denn Glück bedeutet in diesem System: an Menschen zu geraten, die bereit sind, aufzufangen, was vorher kaputtgemacht wurde.
Und hier beginnt der Widerspruch, der uns wütend macht.
Genau der Tierschutz, der laut predigt, man müsse freundlich, bedürfnisorientiert, ohne Druck, ohne Härte, ohne Strafe mit Hunden umgehen – genau der startet das Leben dieser Hunde mit maximalem Zwang!
Einfangen.
Box.
Transporter.
Weiterreichen.
Funktionieren oder scheitern.
Retten um jeden Preis.
Die Rechnung zahlen nicht die Organisationen.
Die Rechnung zahlen die Hunde – mit Angst, Unsicherheit, Überforderung.
Und die Menschen, die sie auffangen – mit Zeit, Geld, Nerven und oft Schuldgefühlen, wenn es nicht „gut läuft“, was macht man nur falsch?
Trauma-Hunde. Made by Tierschutz.
Das hier ist kein Aufruf zum Wegsehen.
Aber es ist ein Aufruf zum Hinsehen.
Und zur ehrlichen Frage, ob dieses System wirklich „rettet“ – oder ob es vor allem unser Bedürfnis bedient, etwas Gutes zu tun, egal, wer den Preis zahlt.
Vielleicht sollten wir weniger darüber sprechen, wie viele Hunde wir retten.
Und mehr darüber, WIE WIR ES TUN!
In diesem Sinne. Einen verregneten Start in den Mimmimmimittwoch.
🐾🐺