01/06/2026
Corona war - in Bezug auf die Haustiere - das neue Weihnachten.
Der „Coronaeffekt“ wirkt bis heute deutlich nach, zum Leiden der unüberlegt angeschafften Haustiere. Die Zahl der Problem Hunde hat gefühlt zugenommen. Die Anzahl der Haustiere, die nicht mehr ins Leben passen, nicht nur gefühlt, sondern sicher. 
Corona, das neue Weihnachten?
Als Tierärzte haben die meisten von uns Haustiere. Nur zu gut wissen wir, welchen positiven Effekt diese auf unser Leben haben, neben der Verantwortung die man für sie übernimmt. Aber in den letzten Wochen haben wir eine fast besorgniserregende Entwicklung beobachtet.
Von lieben Menschen, die noch niemals zuvor Haustiere hatten, kommt plötzlich immer häufiger die Nachfrage, ob wir denn Empfehlungen aussprechen können, wo man einen „netten" Hund bekommen könnte. Anfangs dachte ich, dass ich mich wohl in meiner Einschätzung „das sind keine Hundemenschen" vertan hätte. Aber mittlerweile kristallisiert sich ganz klar ein Trend heraus, den Tierärzte in ganz Deutschland beobachten.
Corona und Homeoffice schaffen Zeit, die vorher für andere Dinge gebraucht wurden.
Sicher gibt es einige, bei denen sich durch Corona dauerhaft die Lebenssituation ändern wird, gerade in Bezug auf Homeoffice. Manche wollten vielleicht schon immer ein Haustier und bekommen jetzt tatsächlich dadurch die Möglichkeit. Aber bei vielen werden sich „nach Corona" Dinge und Gegebenheiten wieder ändern. Die Zeit zuhause wird sich möglicherweise wieder deutlich reduzieren. Man kann dann durch Umplanungen sicher Alternativen schaffen, aber man sollte das VOR der Anschaffung eines Hundes bedenken. Urlaubs- und Geschäftsreisen werden sich auch wieder weiter ins Ausland verlagern. Auch das sollte man VOR der Anschaffung miteinbeziehen.
Tierärzte und Tierheime kennen den „Sommerferieneffekt", wir kennen den „Weichnachtseffekt", den „Kanincheneffekt" nach Ostern...
Ich habe Sorge vor dem „Coronaeffekt" und im Moment spricht alles dafür, dass er kommen wird! Es besorgt uns Tierärzte nicht nur die Welle die kommen wird, wenn der Hund plötzlich nicht mehr so ins Leben passt. Nein, uns besorgt auch die Welle an unseriösen Bezugsquellen für Welpen. Die seriösen Welpen Anbieter in Deutschland haben eine Nachfrage wie nie zuvor. Viele dieser Nachfragen werden unbeantwortet bleiben, da Welpen seriös nicht wie am Fließband produziert werden können.
Die Fließbandproduktion von Welpen gibt es aber... der Wühltischwelpe.
Auch das beobachtet man zunehmend in der Praxis, auch hier in gesamt Deutschland. Es tauchen immer mehr „Ebaywelpen" auf. Immer mehr dubiose Herkünfte. Immer häufiger der Satz, „der hat mir dann so leidgetan"...
Ich als Tierärztin könnte mir kein Leben ohne Tiere vorstellen.
Ich würde niemals wollen, dass mein Kind ohne Haustiere aufwächst.
Aber ich weiß auch, welche Verantwortung Haustiere mit sich bringen. Einmal von der privaten Seite aus, aber natürlich auch von der finanziellen Seite aus, auch wenn das ein sehr „sh*t-storm"-trächtiger Satz aus dem Mund einer Tierärztin sein wird. Ja, Tiere kosten Geld.
Sich ein Haustier anzuschaffen, ist in meinen Augen eine positiv Sache, aber diese muss bitte durchdacht sein! Vielleicht sollte man einfach mal einen Monat lang mit einem imaginären Hund leben und schauen, ob man danach immer noch den inneren Schweinehund überwinden kann, ausreichend bei Wind und Wetter raus zu gehen oder immer noch für jeden Tag ausreichend Möglichkeiten hätte, den neuen Mitbewohner unterzubringen.
Wenn - nach guter Überlegung - ein Hund den Haushalt bereichern darf, dann aber bitte nicht auf Biegen und Brechen sofort!
Mit jedem verkauften Wühltischwelpen, werden diese illegalen Machenschaften unterstützt und weiter massive Verstöße gegen den Tierschutz begangen. Die Zustände unter denen diese Welpen „produziert“ werden, kann man nur mit Tierquälerei betiteln. Wenn man Zeit, Platz und Geld für einen Hund aufbringen kann und will, dann muss man auch die Geduld haben, ein paar Monate zu warten.
Meist freut sich die gesamte Tierarztpraxis über einen Welpen. Ich würde mich immer wieder für ein Leben mit Tieren entscheiden. Sie sind eine absolute Bereicherung und beeinflussen unser Leben in vielerlei Hinsicht nachweislich positiv. Aber bitte nicht leichtfertig, sondern wohl überlegt.
Corona wird gehen, in irgendeiner Art und Weise.
Der Hund wird bleiben.
Dr. Johanna Pföhler, Tierarztpraxis Neulußheim