16/03/2026
So wichtig !!!!!
Die Weidezeit beginnt bald und es wird viel über das korrekte Anweiden geschrieben um diese Zeit möglichst gut zu überstehen.
Das ist sehr wichtig, denn jede Futterumstellung ist für das komplexe spezialisierte Verdauungssystem des Pferdes eine große Herausforderung.
Darüber dass man den Pferden dabei gut helfen kann, indem man sich rechtzeitig vorher um die Darmgesundheit und die Entgiftungsorgane kümmert hatte ich ja auch schon geschrieben.
Aber was mir aktuell aufgefallen ist, dass zwar gerade viel auf die Bedeutung von Insulin auf die Entstehung von Hufrehe eingegangen wird, aber das meiner Meinung nach wichtigste dabei gänzlich ausgeklammert wird:
Der Einfluss synthetischer antioxidativer Vitamine auf die Insulinantwort und den Energiestoffwechsel der Zellen.
Oder anders ausgedrückt:
Der einfachste und effektivst Schutz vor Hufrehe, den ich meiner jetzt dann 20 jährigen Erfahrung in diesem Bereich immer und immer wieder erleben durfte wird dabei vergessen:
Auf Futtermittel verzichten, die diese Vitamine als Zusatzstoffe enthalten und dafür auf eine jeweils der Rasse und individuellen Bedürfnissen angepasste natürliche Fütterung anstreben.
Denn neben Selen, dessen Wirkung im der Entwicklung von Insulindysregulation und in Folge derer auch Insulinresistenz, im Pferdebereich ja mittlerweile bekannter ist, gibt es auch über die Wirkung isolierter antioxidative Vitamine Erkenntnisse aus der Humanmedizin, die aufzeigen dass die Einnahme entsprechender Präparate (konkret waren es Vitamin C und Vitamin E) dazu führt, dass die Zellen nicht mehr adäquat auf Insulin reagieren und in Folge z.B. bei Sportlern der positive Effekt von Bewegung auf den Insulinspiegel nicht stattfindet.
Es also während diese Substitution betrieben wird, eine nach dem Absetzen reversible Insulinresistenz stattfindet.
Da dies schon auf Zellebene geschieht ust dieser Effekt Spezies unabhängig und damit auch beim Pferd gegeben.
Dies erklärt auch sehr schön warum beim metabolischen Syndrom des Pferdes (EMS) mittlerweile von Insulindysregulation anstatt Insulinresistenz gesprochen wird, obwohl die betroffenen Pferde das Bild der Insulinresistenz zeigen:
Während der Testung werden alle Zusatzfutter abgesetzt bzw. sogar die Pferde nüchtern gestellt.
Dadurch wird die Insulinantwort in der Testphase nicht mehr durch die normalerweise in der täglichen Fütterung in den meisten Mineral- und Zusatzfuttern enthaltenen antioxidativen Vitamine gehemmt.
Die Insulinantwort ist also, obwohl das Pferd deutliche Symptome einer Insulinresistenz zeigt, bei der Testung nicht unbedingt gestört.
Denn die Zusatzstoffe, die für diese verantwortlich sind werden dabei nicht gefüttert.
Da Pferde ja bekanntermaßen mit Hufrehe auf dauerhaft erhöhtes Insulin reagieren, halten sie nicht so lange hohe Werte aus wie der Mensch und kommen dadurch nicht bis zur einer so starken Schädigung der Inselzellen der Bauchspeicheldrüse, dass diese kein Insulin mehr produzieren können.
Daher kommt so etwas wie ein insulinpflichtiger Diabetes Typ 2 bei ihnen nicht vor und auch eine nicht durch das Absetzen der diese auslösenden Faktoren reversible Insulinresistenz ist bei Pferden selten.
Das ist für die Pferde, bei denen dauerhaft konsequent auf Futtermittel die diese enthalten verzichtet wird, eine sehr gute Nachricht.
Denn ohne den Zusatz dieser antioxidativen Vitamine, Selen etc. und dafür mit Unterstützung von Darm, Entgiftungsorganen und Zellstoffwechsel sowie einer passenden Hufbearbeitung können, meiner Erfahrung nach, auch die allermeisten ehemaligen Rehepferde wieder ein ganz normales glückliches Pferdeleben mit Weidegang und allem was dazu gehört führen ohne dass es zu erneuten Regeschüben kommt
Nicht unbedingt von jetzt auf gleich und man muss auch immer die individuellen Gegebenheiten und Bedürfnisse beachten, aber nach 20 Jahren kann ich sagen, dass die Rate derer wo dies meiner Erfahrung nach möglich ist liegt bei 90% oder mehr.
Und für alle Pferde die davon bisher verschont geblieben sind, kann ich sagen, dass das Beste was man tun kann, damit sie dieses Schicksal nicht ereilt, ist der Verzicht auf alle Futtermittel bei denen diese Zusatzstoffe verwendet werden.
Leider finden sich darunter auch viele die extra für Pferde sein sollen , die bereits unter den Folgen der durch diese ausgelösten gestörten Insulinantwort leiden.
Oft werden gerade diesen Produkten besonders viel dieser antioxidativen Vitamine zugesetzt, da man sich durch ihre entzündungshemmende Wirkung Besserung erhofft.
Die Ironie dabei ist, dass gerade das Abfangen der Sauerstoffradikale, die diese Wirkung ermöglicht, den Zellstoffwechsel so beeinträchtigt, dass die ausbleibende Insulinantwort überhaupt erst zu den Schädigungen führt, die dadurch verhindert werden sollen.
Im Gegensatz dazu kann der in diesem Zusammenhang oft verteufelte Hafer, sogar dabei helfen, dass die Insulinantwort wieder verbessert wird.
Insbesondere wenn dabei dann auf synthetischen Vitamine, die diese auslösen verzichtet wird.
Dies zeigt warum die klassische Pferdefütterung von früher eigentlich schon sehr viel richtig gemacht hat.
Wenn man bedenkt wie abhängig der Mensch in so vielen Bereichen vom Pferd abhängig war (und das lange bevor an Futtermittel mit zugesetzten Vitaminen und Co. zu denken war) und welche Leistungen Pferde daher erbringen mussten, finde ich es nur logisch, dass wir, für wieder mehr Pferdegesundheit, uns an einiges aus dieser Zeit erinnern sollten.
Auch weil neuere Erkenntnisse, dir Effektivität althergebrachter Traditionen erklären.
Wie eben warum Hafer das Getreide ist was Pferde am besten vertragen, da es die für Pferde potentiell gefährliche Insulinantwort auf seine Stärke durch die ebenfalls enthaltenen Betaglucane schnell wieder ausgleichen kann.
Zusammen mit der sehr hohen Dünndarmverdaulichkeit, die das Dickdarm- Mikrobiom schont , erklärt dies die gute Verträglichkeit der früher üblichen hohen Hafermengen nicht nur bei schwer arbeitenden Pferden.
Probleme gab es damit dann nur wenn die Pferde dann ohne größere Bewegungsmöglichkeiten standen, da ja die gute Insulinantwort der Zellen dazu geführt hat, dass große Mengen Glykogen in die Muskulatur eingelagert wurden.
Die dann auch wieder abgebaut werden müssen durch Muskelarbeit .
Dazu aber demnächst mehr...
Ich verlinke in den Kommentaren noch einmal die von mir entwickelten Vetline Produkte vom Tierheilkundezentrum Nehls, die ich gerne für die optimale Vorbereitung auf die Weidesaison empfehle.
Aber wie gesagt, das einfachste und wichtigste ist hier nicht was gefüttert wird, sondern eben was nicht gefüttert wird. 😉
Besteht schon eine Stoffwechselempfindlichkeit oder erste Anzeichen die auf eine verschlechterte Insulinantwort hindeuten ist eine entsprechende Vorbereitung aber dringend angeraten.
Da ich nach Studien gefragt wurde und es über die gängigen Suchmaschinen interessanterweise teilweise gar nicht (mehr) so einfach ist diese zu finden hier einmal die ursprüngliche Studie
https://www.aerzteblatt.de/news/diabetes-warum-sport-nur-ohne-vitamine-die-gesundheit-foerdert-e7ab17bc-bf32-41e9-9344-6978772d71fd
https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC5023714/?fbclid=IwT01FWAQbsa5leHRuA2FlbQIxMABzcnRjBmFwcF9pZAwzNTA2ODU1MzE3MjgAAR4O7xGa0XhqXrcRLZfWNhGYDFh4xZLHgll7SewOprJwI7x2mxkw-8WXMYI7wQ_aem_nfTnBWS-ZJaYb23eU8CboA
Eine spätere die sehr interessante Auswirkungen auf den Muskelstoffwechsel zeigt
https://www.aerzteblatt.de/news/warum-antioxidative-vitamine-eher-schlapp-machen-d0937b52-ee92-4381-8537-a9503cf2e0f1
https://physoc.onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1113/jphysiol.2014.279950