17/10/2025
Die Sättigung von Pferden hängt von verschiedenen Faktoren ab, die sehr viel mit dem Körperbau und der Herkunft zu tun haben.
Pferde aus Regionen mit sehr karger Nahrung, haben Verdauung quasi perfektioniert. Sie mussten (insbesondere im Vergleich zu sehr hochgezüchteten Pferden) viel mehr, dafür deutlich energieärmeres und schwerer verdauliches, Futter aufnehmen, um ihren Bedarf zu decken.
Die Folge: Breitere und kräftigere Kiefer, ein breiterer Rumpf, viel größeres Darmvolumen und damit auch ein größerer, runderer Bauch.
Und das führt dazu, dass Sättigung viel später einsetzt.
Denn: Die Sättigung beim Pferd hängt nicht von der Magenfüllung, sonderen u. A. von einer gleichmäßigen Füllung verschiedener Darmabschnitte mit Rohfaser und auch ein wenig (!) von der Ermüdung der Kaumuskulatur 😊 Kauschläge) ab.
Ein kräftigerer Kiefer ermüdet später, ein Darm mit mehr Volumen ist später voll.
Einen schmalen Rumpf, einen zarten Kopf und einen schlanken Bauch mit stark hochgezogener Bauchlinie kann sich hingegen nur ein Pferd leisten, dass das ganze Jahr über einem gleichförmigen und energiereichen Futterangebot ausgesetzt ist.
Ein Shetlandpony, ein Konik oder ein Norweger ist also immer viel später satt als ein rein ägyptisch gezogener Araber oder ein Holsteiner Springpferd mit viel Blut.
Ganz einfach, weil diese robusten sogenannten „Nordpferdetypen“ schlicht und ergreifend verhungert wären, wenn sie so schnell satt geworden wären, wie ein modernes schmales Sportpferd.
Ein Voll- oder auch normal gebauter Warmblüter kann mit einer Futtermenge von ca. 2 kg Heu/100 kg voll zufrieden und satt sein. Daher ist diese Regel auf diese Pferde auch tatsächlich halbwegs anwendbar.
Die Herkunft alleine ist aber nicht entscheidend, daher finde ich den Begriff „Nordpferdetyp“ auch unpassend.
Auch aus Südeuropa oder anderen heißen und in der Vegetation eher kargen Regionen (wie z. B. Teilen der USA) kennt man Pferde, die sehr leichtfuttrig sind.
Dazu gehören z. B. iberische Pferderassen, aber auch viele Quarter Horses sind sehr rundrumpfig (übrigens auch sehr anfällig für EMS und Hufrehe, da kenne ich leider einige).
Die Appetitsgrenze dieser Pferdetypen (also die Menge die sie bei freiem Futterangebot fressen möchten) liegt sehr häufig bei ~ 3 kg Heu / 100 kg Körpergewicht. Teilweise sogar mehr.
Eine Menge, die aufgrund des Energiegehaltes des Wiesenheus unseres Breitengrades für die allerwenigsten dieser Pferde geeignet ist, ohne massives Übergewicht mit entsprechenden Folgeschäden zu verursachen.
Das Problem ist also nicht das Pferd, sondern die fehlende Anpassung an unser Mitteleuropäisches Futterangebot.
Oder: Wir haben das falsche Futter, für diese Pferde.
Allerdings ist nicht das Futtermittel an sich relevant, sondern dessen Rohfasergehalt. Wir können also die an Heu gemessene Appetitsgrenze auch auf andere, energieärmere und rohfaserreichere Futtermittel übertragen und so die gleiche Sättigung bei weniger Energie herstellen.