20/10/2025
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„Zu nett für den Hund? Warum positive Trainer so oft kritisiert werden“
Kaum lobt ein Trainer den Hund, trainiert mit Spiel, Futter oder ruhiger Stimme, kommen schon die Kommentare: „Der ist zu weich!“, „So hört der Hund doch nie!“, oder der Klassiker: „Ja, aber das sind doch Arbeitshunde – die müssen funktionieren!“
Solche Sprüche hört man ständig, wenn jemand positiv trainiert. Aber das hat selten etwas mit den Hunden zu tun – meistens geht’s um die Menschen dahinter.
Viele sind mit dem Gedanken groß geworden, dass man „durchgreifen“ muss, um Respekt zu bekommen. Früher hieß es: „Der Hund muss wissen, wer der Chef ist.“ Wenn dann jemand zeigt, dass Hunde mit Vertrauen, Motivation und Sicherheit viel besser lernen, bringt das alte Überzeugungen ins Wanken. Dieses unangenehme Gefühl nennt man in der Psychologie kognitive Dissonanz. Und statt die eigene Haltung zu überdenken, sucht man lieber Gründe, warum positives Training „nicht geht“.
Dann heißt es: „Ja, das klappt vielleicht bei Familienhunden, aber bei Diensthunden? Niemals!“ oder „Diese Balljunkies, die beißen doch sowieso alle!“ – und schon ist das alte Weltbild wieder bestätigt. Dabei zeigen selbst Studien aus Polizei- und Rettungshundearbeit: Hunde, die über Motivation, klare Kommunikation und positive Verstärkung ausgebildet werden, arbeiten zuverlässiger und stressresistenter als jene, die unter Druck stehen. Stress, Schmerz oder Angst führen bei Hunden – genau wie bei Menschen – zu Denkblockaden, Frust und im schlimmsten Fall zu Aggression.
Viele dieser Ausreden entstehen aus Unsicherheit und Angst vor Kontrollverlust. Es fällt leichter zu sagen, „Der muss halt gehorchen“, als sich selbst zu fragen: Habe ich ihm überhaupt richtig gezeigt, was ich will?
Positives Training verlangt, Verantwortung für die eigene Körpersprache, Stimmung und Fairness zu übernehmen – und das ist gar nicht so leicht.
Ein Beispiel:
Ein Hund springt Menschen an. Der alte Ansatz: „Runter! Nein! Weg!“ – laut, hektisch, genervt. Der positive Trainer schaut genauer hin: Warum springt er? Aufregung, Freude, Unsicherheit? Dann wird geübt, Alternativen zu zeigen – Sitz, Blickkontakt, Belohnung. Der Hund lernt, was funktioniert – ohne Angst, ohne Stress. Und das Beste: Er versteht’s wirklich.
Positives Training heißt also nicht, alles durchgehen zu lassen. Es heißt, Grenzen fair und verständlich zu setzen. Nicht mit Druck, sondern mit Klarheit.
Und ja – gerade die Trainer, die freundlich, ruhig und konsequent sind, werden oft belächelt. Aber das liegt weniger daran, dass ihre Methoden falsch sind, sondern daran, dass sie etwas verändern. Veränderung macht vielen Angst.
Darum: Wenn wieder jemand sagt, „Bei Arbeitshunden funktioniert das nicht“ oder „Das ist ja alles nur Bestechung“, dann darf man ruhig lächeln. Denn die Hunde selbst zeigen am besten, was stimmt: Ein Hund, der gerne arbeitet, der vertraut und versteht, arbeitet besser – nicht trotz, sondern wegen positiver Führung.