04/06/2026
Der Weimaraner – Der Schönling unter den Jägern
Das grau-silberne Fell, der aufrechte Gang und der friedliche, aber selbstbewusste Blick: Der Weimaraner ist äußerlich ein schöner Jagdhund. Und weil er so schön ist, gibt es immer wieder Menschen, die ihn mit einem Mannequin verwechseln und dann erstaunt feststellen: Er ist ein Jäger. Ein tendenziell selbstständiger Jäger, der sich keinen Deut darum schert, im nächsten Hundekatalog auf Seite 1 abgebildet zu werden.
Der Weimaraner war ursprünglich ein vielseitiger Jagdhund. Anders als kleine Terrier, die sich vor allem um Ratten und Mäuse kümmern sollten, ging es hier um die Arbeit an Hochwild wie Hirsch und Wildschwein. Erst später verlagerte sich die Nutzung stärker auf die klassische Vorsteh- und Nachsuchenarbeit.
Der Weimaraner ist daher häufig kein Familienhund mit Jagdtrieb, sondern ein Jagdhund, der auch gut in einer Familie leben kann. Denn sozial hat er einen eher unkomplizierten Charakter. Seinen Menschen gegenüber kann der Weimaraner sehr anhänglich sein, seiner Umwelt gegenüber zeigt er sich im Erwachsenenalter dagegen häufig eher reserviert. Nicht feindlich, sondern eher desinteressiert.
Der Weimaraner gehört oft nicht zu den Hunden, die jeden Menschen sofort großartig finden. Er entwickelt Bindungen häufig selektiver als viele moderne Familienhunde. Während ein Labrador gelegentlich den Eindruck vermittelt, dass jeder Besucher nach fünf Minuten zur Familie gehört, prüft der Weimaraner die Lage oft deutlich gründlicher.
Nicht weil er unfreundlich wäre.
Sondern weil Misstrauen in seinem ursprünglichen Einsatzgebiet durchaus sinnvoll war. Förster und Jäger hatten wenig Bedarf an einem Hund, der jeden Fremden begeistert begrüßt.
Der Weimaraner ist heute häufig zu sehen, gleichzeitig wissen erstaunlich wenige Menschen etwas über ihn. Vielleicht auch deshalb, weil er selten sozial auffällt. Im Vergleich zu vielen anderen Gebrauchshunderassen zeigt der Weimaraner häufig weniger territoriales Verhalten. Er hat in der Regel wenig Interesse an Konkurrenz und im Erwachsenalter häufig auch deutlich weniger Interesse an fremden Hunden als viele moderne Familienhunde.
"Hey du, mega, dich kennenzulernen!", sagt der Havaneser. "Ich wollte ja diese Hundebar eröffnen ..."
"Und ich bin auch dabei!", hechelt der Labrador voller Begeisterung darüber, dass sie alle beste Freunde werden.
"Ja, also ...", sagt der Havaneser und möchte seinen Plan erklären, stellt dann aber fest, dass der Weimaraner bereits weitergegangen ist.
So ist er.
Wenn ihn etwas nicht interessiert, geht er. Auch wenn es sich eigentlich nicht gehört.
Er streift lieber über die Felder und schnüffelt.
"Moin, gute Pipistelle?", sagt er beim Vorbeigehen zum Beagle. "Moin, ja", antwortet der Beagle, ohne den Weimaraner eines Blickes zu würdigen. Die beiden verstehen sich.
Im Freilauf, solange er nicht auf eine Fährte fixiert ist, ist der Weimaraner daher meist sehr unkompliziert. An der Leine wird es bei interessantem Duft in der Nase jedoch schnell wild. Er beugt sich hinein, entwickelt Zug und verfolgt sein Ziel.
Mit der Vorderführung umgeht man diesen entstehenden Gegendruck und führt den Hund zu sich zurück, sobald die Leine sich strafft. Und bringt ihm so bei, sich selbst zurückzunehmen.
Ist der Weimaraner ein guter Alltagshund?
In nahezu allen Belangen außer dem Jagdtrieb: Ja.
Wie stark dieser ausgeprägt ist, hängt nicht nur von der Rasse, sondern auch vom individuellen Hund ab. Wie bei anderen Jagdhunderassen kann man auch einmal ein Exemplar erwischen, das kaum Interesse an der Jagd zeigt.
Die Norm ist das jedoch nicht.
Der Weimaraner wurde über Generationen für die Jagd gezüchtet. Wer sich einen anschafft, sollte deshalb eher überrascht sein, wenn er nicht jagt, als wenn er es tut. Der Weimaraner ist nicht nur schön, sondern auch ein unkompliziertes Wesen, das häufig in zwei Kategorien denkt:
"Interessiert mich."
oder
"Interessiert mich nicht."
Kein Bestimmer.
Kein Partygänger.
Sondern eher jemand, der denkt:
Leben und leben lassen.
www.der-hundegefaehrte.de