14/05/2016
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Die SCHUR von Langhaarhunden... eine unerschöpfliche Diskussion
Die Frage "Welches Tier versteckt sich unter all dem Fell?" passt hier wie die Faust aufs Auge. Anlass zu diesem Artikel ist ein unfreiwilliger Beitrag zur beliebten Kategorie 'Ein bisschen sehr viel zu spät!'.
Es geistern viele pauschale Behauptungen zur Schur von Hunden im Netz umher.
Manche warnen rigoros davor weil es schädlich sein soll und die Natur sich schon was bei der Fellgestaltung gedacht habe.
Bei Wölfen und Dingos stimme ich dem 'Naturgedanken' voll und ganz zu - bei den nach dem menschlichen Geschmack bzw. Zuchtziel produzierten Rassehunden, die sich heutzutage auf Sofas vergnügen und sich kaum noch an klimatische Bedingungen anpassen müssen, passt es hingegen kein Stück.
Egal ob Shi-Tzu, Malteser, Yorkshire Terrier, Papillon, Chihuahua und wie sie nicht alle heißen - sie benötigen regelmäßige und umfassende Fellpflege.
Wer dies nicht gewillt ist zu leisten sollte sein Heim besser mit einem Kurzhaarhund teilen.
All die beeindruckenden Bilder, die man von diesen Rassen im Internet oder in Hochglanz-Magazinen findet setzen eine extrem aufwändige und zeitintensive Pflege des Fells sowie der Haut voraus.
Es werden bei diesem Thema immer ruckzuck diverse Links gepostet... Aber die dem Artikel beigefügten Fotos zeigen die Realität (ohne Hochglanz oder Skizze).
Ich habe noch keinen einzigen Hund gesehen, der nach Schur kahle Stellen zeigte.
Dadurch dass sich Menschen jedoch von polarisierenden Schwarz-Weiß-Artikeln zur Schur beeinflussen lassen häufen sich leider die Extremfälle an vollkommen überwucherten Hunden, bei denen einem schon mal die Worte fehlen können.
Im abgebildeten Fall konnte der Hund sich kaum noch bewegen da die Verfilzungen bis auf die Haut reichten. Unter diesen Filzplatten waren großflächig eitrige Hautentzündungen zu finden. Die wuchernden Haare im Gesicht hatten die Augen durch Manipulation derart tränen lassen, dass sich richtige Tränen-Klumpen an den Augenwinkeln gebildet hatten (nur noch mit Klinge und Schere direkt auf der Haut zu entfernen). Die Ohren glichen eher großen Fellbeulen mit kleinem 'Gehörloch'.
Das Fell konnte hier nur noch auf 3-5mm (ein Minimum um Sonnenbrand zu vermeiden) eingekürzt werden weil oberhalb dieses Maßes alles verfilzt war.
Auch wenn man bei dem kleinen Racker keine tolle Frisur mehr rausholen konnte (dafür musste einfach zu viel Wolle runter) kann er doch jetzt wieder uneingeschränkt spazieren gehen und sich seines Lebens freuen.
Solche Rassen benötigen professionelle Pflege - andernfalls kann man derartige Vernachlässigungen durchaus als Verstoß gegen das Tierschutzgesetz auslegen...
Ich denke dieses ständige Pauschalisieren sollten sich Viele auch beim Thema 'Schur von Langhaarhunden' verkneifen - dann klappt's auch mit der sachlichen Diskussion ;)
Tierarzt Sebastian Goßmann-Jonigkeit (aus Engelskirchen nahe Köln)