24/10/2025
Neue Behandlungsstrategie beim equinen Sarkoid – ein Fallbericht
Wissenswertes kurz zusammengefasst:
Das equine Sarkoid gilt als der häufigste Hauttumor des Pferdes. Er besitzt einen semimalignen Charakter, d.h. er breitet sich an Ort und Stelle aus, bildet aber selten Metastasen in anderes Gewebe oder Organe. Es gibt fünf verschiedene Arten bzw. Typen, die sich unterscheiden hinsichtlich Wuchsform, Lokalisation, Aussehen, Malignität etc.
Die Entstehung eines Sarkoids hat meist vielfältige Ursachen. Als gesichert gilt die Beteiligung eines Papillomavirus, welches überwiegend bei Rindern vorkommt. Weiterhin spielen eine genetische Prädisposition, der Eintrittsort und der Überträger des Virus eine Rolle. Fliegen sind an der Virusübertragung beteiligt, aber auch dort benötigt es noch weitere Forschung, um das abschließend zu erklären.
Die Diagnose erfolgt in der Regel als Verdachtsdiagnose und benötigt ein geübtes Auge; sie erfolgt entweder aufgrund der Lokalisation oder/und Aussehen. Eine Biopsie führt in sehr vielen Fällen zu einem massiven Tumorwachstum und zur Versprengung einzelner Tumorzellen, was den Therapieplan, -verlauf und die Prognose stark beeinflusst und daher nicht empfehlenswert ist.
Behandlungsmethoden gibt es viele, die meisten besitzen ein hohes Rezidivrisiko. So kann eine chirurgische Intervention den Tumor entfernen, muss aber unbedingt mit einem großen Sicherheitsabstand erfolgen, sodass diese Möglichkeit auf wenige Lokalisationen beschränkt ist – und das Rezidivrisiko bleibt trotzdem bestehen. Eine weitere Möglichkeit ist das Auftragen von Salben mit Blutwurzextrakt, was eine lokale Entzündungsreaktion hervorruft und bewirkt, dass das Gewebe vom Körper abgestoßen wird. Laser- und Strahlentherapie ist ebenfalls beschrieben.
Eine neuere Therapiemöglichkeit ist die lokale, intratumorale (=in den Tumor) Injektion eines Chemotherapeutikums. Eigentlich zur Behandlung von Mastzelltumoren beim Hund entwickelt wurde es beim equinen Sarkoid getestet und erzielte sehr gute Resultate. Das Medikament Stelfonta® (Wirkstoff: Tigilanoltiglat 1mg) induziert im Tumor eine Entzündungsreaktion sowie den Zelltod der Tumorzellen und sorgt für eine Störung der Blutgefäßversorgung. Infolgedessen wird die Tumormasse zersetzt und stirbt ab (Tumornekrose).
Stelfonta ® kann bei Tumoren bis max. 8 cm³ eingesetzt werden und eignet sich nur bei solchen, die gut zugänglich sind und eine gewisse Masse zur Injektion besitzen. Für flächige Sarkoide (sog. okkulte Sarkoide) eignet sich diese Behandlung nicht.
Unser Patient:
Anfang August dieses Jahres wurde uns ein 3-jähriger Islandwallach mit einer rundlichen Umfangsvermehrung am rechten Auge vorgestellt. Diese stellte sich als gut abgegrenzt und erhaben mit einer Größe von ca. 1x1 cm dar und befand sich wenige Millimeter vor dem Augenwinkel. Die Oberfläche der Veränderung war bereits eröffnet und Wundsekret trat aus.
Bei der Erstuntersuchung wurde auf eine Manipulation und auch nur leichte Berührung verzichtet (um das Wachstum nicht weiter anzuregen), da schon aufgrund der Lokalisation und Aussehen der Verdacht auf ein noduläres equines Sarkoid bestand. Die Allgemeine Untersuchung war ohne besonderen Befund und die Umfangsvermehrung schien das Pony nicht zu stören.
Durch die sensible Lage direkt am Auge und die beachtliche Größe entschieden wir uns direkt für eine Behandlung mit Stelfonta. Andere Behandlungsmethoden, z.B. chirurgische Entfernung oder lokal mit einer Salbe aus Blutwurzextrakt kamen für uns in diesem Fall nicht in Frage.
Um eine präzise Injektion und eine ruhige Arbeitsatmosphäre zu gewährleisten, war eine Vollnarkose unabdingbar.
Die Injektion erfolgte aus zwei Richtungen fächerförmig intratumoral, um das Medikament möglichst gut im Tumor zu verteilen. Die Behandlung verlief ohne Komplikationen und nach ca. 30min stand unser Patient wieder eigenständig und sicher.
Bereits fünf Tage nach der Behandlung löste sich das Tumorgewebe, fiel an Tag sieben als ein zusammenhängendes Gewebestück ab und hinterließ eine sehr schön abgegrenzte, runde Wundhöhle. Der Heilungsverlauf verlief komplikationslos und schnell (siehe Bilder).
Während der Operation und wenige Tage danach wurde der Patient mit einem Entzündungshemmer und Schmerzmittel unterstützt. Außerdem trug das Pferd bis zur Abheilung eine Fliegenmaske.
Wir sind mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Die Rezidivrate ist bei dieser Art der Behandlung sehr gering und lässt hoffen, dass der Patient ohne Rezidiv bleibt.
Wir danken den Besitzern für das Vertrauen und die Erlaubnis, die Bilder zu verwenden.