28/10/2025
Er wurde an diesem Tag nicht adoptiert. Aber irgendwie war er derjenige, der mich getröstet hat.
Ich hätte nicht weinen sollen. Ich sagte mir, dass ich das schon hundertmal durchgemacht hatte. Hunde kommen, Hunde gehen, und manchmal werden sie einfach übersehen. Man lernt, sein Herz zu schützen – oder glaubt es zumindest.
Aber Milo war anders. Drei Jahre alt, kräftig gebaut, aber mit der Seele eines Poeten. Er hatte diesen Blick, als könnte er die Teile deines Lebens sehen, über die du nie sprichst. Die stillen Verluste. Die unausgesprochenen Hoffnungen.
An diesem Morgen hatte ich sein Fell gebürstet, bis es glänzte, und ihm gesagt, dass er großartig sein würde, dass diese Familie das sehen würde, was ich sah. Sie lächelten, sie streichelten ihn, sie machten sogar Fotos. Ich stand etwas abseits und sah zu, wie er mit dem Schwanz wedelte, als hätte er endlich irgendwo dazugehört. Dann sagte einer von ihnen diesen Satz: „Er ist süß, aber nicht der richtige Hund für uns.“
Diese sechs Worte fühlten sich schwerer an, als ich erwartet hatte.
Zurück im Auto setzte ich meine Sonnenbrille auf, um es zu verbergen. Milo kletterte neben mich, seufzte leise und legte seinen großen Kopf auf meine Schulter. Er wusste nicht, was „nicht der richtige Hund“ bedeutete, aber irgendwie verstand er alles.
Wir saßen eine Weile still da. Diese Art von Stille, die voller unausgesprochener Worte ist. Er roch leicht nach Shampoo und Hoffnung. Ich konnte seinen Herzschlag an meinem Arm spüren – ruhig und verzeihend.
Man würde denken, nach all den Jahren im Tierschutz wäre ich die Starke. Aber an diesem Tag war er es, der mich trug. Seine Ruhe sagte: „Es ist okay. Wir haben immer noch einander.“ Und in diesem Moment begriff ich etwas, das jeder Tierliebhaber irgendwann versteht: Die Grenze zwischen Retter und Gerettetem ist gar nicht so klar, wie wir glauben.
Milo fand an diesem Tag kein Zuhause. Aber er erinnerte mich daran, warum ich das alles trotzdem weitermache, selbst wenn es weh tut. Denn Liebe braucht nicht immer ein perfektes Ende. Manchmal braucht sie nur ein stilles Auto, eine geteilte Stille und einen Hund, der immer noch an Menschen glaubt.
Und seitdem frage ich mich: Wenn ein Hund wie Milo in deinen schlimmsten Momenten neben dir sitzt – wer rettet hier eigentlich wen?