06/08/2023
Was haben die Wachstumsfugen am Schädel mit Brachycephalie zu tun?
Durch die Selektion auf bestimmte Merkmale arbeiten die Züchter mit den Vorgaben der Natur. Aufgrund der Fehlbildungen des Schädels der peke-face Perserkatze ging unsere Arbeitsgruppe jedoch davon aus, dass die morphologischen Eigenschaften des peke-face Schädels nicht von der Natur eingeräumt wird. Bei der Recherche wurden wir auf das humane Crouzon-Syndrom aufmerksam. Betroffene Kinder zeigen die gleichen morphologischen Abweichungen, die auf einer Wachstumsstörung des Schädels beruht. Die obere Wachstumsfuge der Schädelkapsel (Sutura coronalis), die über Jahre das Längenwachstum der dorsalen Schädelkapsel ermöglicht, schließt sich bereits mit wenigen Monaten. Der Hydrozephalus internus ist eine Folge der reduzierten Schädelkapazität.
In Micro-CT Aufnahmen von peke-Persern konnten wir zeigen, dass die coronale Wachstumsfuge auf dem Oberschädel der peke-face Perserkatzen teilweise im Alter von wenigen Wochen nicht mehr zu sehen ist (roter Pfeil), während bei den gleichalten Katzen der doll-face und EKH Gruppe diese Fugen ein Leben lang sichtbar bleiben (gelber Pfeil). Auch die sagittale Wachstumsfuge verschließt sich bei den peke-face Persern im Laufe der ersten Lebensmonate (roter Pfeil peke-face 3 Monate). Aufgrund dieser Befunde ergeht der Verdacht einer coronalen Craniosynostose (verfrühter Schluss in der Wachstumsfuge des Gehirnschädels) als Ursache bei extrem brachycephalen Typen der Perserkatze.
Näheres unter: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/35022503/ #:~:text=Age%20was%20a%20perfect%20predictor,a%20few%20very%20old%20cats.
Der peke-face Typus der Perserkatze ist also durch einen Krankheitsprozess bedingt und nicht durch eine züchterische Selektion. Jede dieser Katzen ist je nach Ausprägung krank. In jedem Fall ist nach den Maßgaben des Tierschutzgesetzes eine solche Zucht nicht erlaubt. Wir hatten das Glück bereits mit vielen Amtstierärzten zusammenarbeiten zu können, die die Zucht von peke-face Perserkatzen aufgrund unserer Einschätzungen der Sachlage verboten haben und wir hoffen, dass noch weitere folgen.