08/10/2022
Samstags mit Julie von Bismarck: Schmerzhafte Ausrüstung
Ich bin ja zum einen sehr froh, dass das am Donnerstag von mir in die öffentliche Wahrnehmung gerückte Thema der Wahlfreiheit zwischen Kandare und Trense, Sporen/keine Sporen von so Vielen aufgegriffen wurde, denn mein Ziel war es, die FEI dazu zu bewegen, nicht doch wieder einen Rückzieher zu machen. Ich bin auf der anderen Seite allerdings ernsthaft erstaunt darüber, was für Kommentare zu diesem Thema abgegeben werden. Die Anzahl derjenigen, die behaupten, Pferde würden "Kandaren bevorzugen" ist schockierend.
Und daher gibt es jetzt eine Klarstellung:
Die Tatsache, dass ein Pferd auf einer schon bei wenig Zug am Zügel schmerzhaften Zäumung wie der Kandare oder mit in die Seite stechenden Sporen "leichter zu reiten" ist, ist genau dem geschuldet, was es ist: Die Anwendung von Schmerz. Naturgemäß führt dies zu einer schnelleren Reaktion, was Mängel in der Ausbildung bei Reiter und Pferd kaschiert, und dem Reiter das Gefühl gibt, das Pferd sei "feiner". Daraus zu machen, das Pferd würde sich „auf Kandare viel wohler fühlen“ ist schlicht grotesk. Um es ganz klar zu sagen: Nein, tut es nicht!
Es zeigt nur nicht mehr so klar, dass es nicht okay ist mit dem, was der Reiter tut. Das Zufügen von Schmerz führt nun einmal bei den weitaus meisten Pferden sehr schnell zu Unterwerfung und Aufgabe. Das ist zumindest meine Erfahrung aus 45 Jahren aktivem Reiten und 25 Jahren Behandeln von Pferden aller Art auf der ganzen Welt. Nein, nicht alle mit Kandare und Sporen gerittenen Pferde haben automatisch mehr gesundheitliche Probleme und nein, nicht alle mit Halsring gerittenen Pferde sind automatisch gesund. Denn am Ende liegt es daran, wie gut der Reiter reitet und das gilt für Reiter JEDER Klasse. Reiterliches Können ist durch nichts zu ersetzen. Aber ich verbitte mir in aller Deutlichkeit, dass scharfe Ausrüstung als „pferdefreundlicher“ dargestellt wird. Denn das ist sie schlicht nicht. ©Julie von Bismarck
Das Bild ist von istock, aber jeden Tag überall so oder so ähnlich zu sehen.