22/12/2023
Türchen Nr 22
Mighty,
mein 24-jähriger Appaloosa Wallach, Blind (PA) seit über 10 Jahren. Als Mighty kurz nach seiner Erblindung, durch meine Mutter und den Verein , in mein Leben getreten ist, hätte ich niemals erahnen können, welche Auswirkungen er auf mich und mein Leben haben würde. Als Mighty und ich zueinander gefunden hatten, war ich gerade in einer Phase meines Lebens gewesen, in der ich noch nicht den blassesten Schimmer hatte, was mit mir anzufangen. So war es vollkommen normal für mich gewesen, morgens aufzuwachen mit einer Idee in meinem Kopf, die meine Mutter lediglich mit einem Kopfschütteln abgetan hatte. Schlittenfahren? Für Mighty kein Problem. Kompliment, Steigen, Freiarbeit? Auch hier schien ihn nichts zu hemmen. Mit einem blinden Pferd auf Turnieren starten, auf Messen gehen? Und wie sieht es mit Springen oder schwimmen aus? Mighty sagte: “Dafür braucht man keine Augen!“ Aber ich will nicht sagen, dass wir es immer einfach gehabt haben. Mighty ist nie ein einfaches Pferd gewesen, besonders nicht in den ersten Jahren seiner Erblindung. Er hatte schon immer einen starken Charakter und einen furchtbaren Dickkopf, aber je mehr Zeit wir miteinander verbrachten, desto zugänglicher wurde er und desto besser habe ich verstanden, welche Knöpfe ich bei ihm, wann zu drücken hatte. Ich habe verstanden, wie sensibel und unruhig Mighty auf Druck reagiert und das Ruhe und Vertrauen in ihn, die Schlüssel waren. Und als ich das verstanden hatte, blieb uns keine Tür mehr verschlossen. Mighty machte jede einzelne meiner verrückten Ideen mit und wurde meiner dabei nie überdrüssig, ganz im Gegenteil. Er hatte riesigen Spaß am Erlernen neuer Dinge und schien die Herausforderung dahinter zu lieben. Wäre Mighty damals zum Schlachter, anstatt zu mir gekommen, wäre ich nicht zu dem Menschen geworden, der ich heute bin und viele hunderte Menschen hätten nie die Chance bekommen, sich von ihm und unsere Arbeit über inspirieren zu lassen.