30/05/2026
Die Tage hat mich ein Beitrag über die Aufgabe einer renommierten Reitschule und die Diskussion bei wirklich sehr nachdenklich gestimmt.
Denn viele Kommentare waren geprägt von Negativität
- gegenüber der heutigen Jugend, die sich nicht mehr nachhaltig interessiert
- gegenüber der Eltern, die entweder nach günstiger Freizeitbespaßung suchen oder zu leistungsambitioniert sind
- gegenüber der gesamtgesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklung
🛑 Es tut mir leid, wenn ich widersprechen muss 🛑
Meine These mag vielleicht etwas gewagt sein, aber ich behaupte, dass ein sowieso schon überholtes System sich gerade selbst abschafft.
Vielleicht ist nicht die junge Generation das Problem.
Vielleicht brauchen wir eine neue Pferdekultur.
Vielleicht wollen Kinder Pferde gar nicht weniger.
Vielleicht wollen sie Pferde einfach anders erleben.
Vielleicht passt einfach ein System nicht mehr zu dem, was Kinder und Pferde heute brauchen.
Viele klassische Reitbetriebe funktionieren noch immer nach einem Modell, das stark auf Leistung, Funktionieren und schnellen Fortschritt ausgelegt ist:
früh angalloppieren, Abläufe lernen, Erwartungen erfüllen, „richtig“ reiten.
Doch Kinder wachsen heute ohnehin schon in einer Welt voller Reize, Druck und Bewertung auf.
Viele sehnen sich nicht nach noch mehr Leistung — sondern nach echter Verbindung.
Und genau das können Pferde ermöglichen.
Nicht als Freizeitgerät, sondern als Beziehungspartner.
Als Gegenpol.
Als Lebewesen, das uns entschleunigt, spiegelt und Nähe ohne Worte ermöglicht.
In meiner Arbeit erlebe ich deshalb nicht, dass Kinder kein Interesse mehr an Pferden haben.
Ich erlebe Kinder,
die freiwillig misten,
die Ponys trösten,
die Körpersprache lesen lernen,
die Verantwortung übernehmen möchten,
wenn man sie beteiligt statt nur bespaßt.
Vielleicht müssen wir also weniger die Kinder hinterfragen —
und mehr unsere Vorstellung davon, wie Pferdebildung aussehen darf.
Vielleicht liegt die Zukunft nicht im „höher, schneller, weiter“.
Sondern in einer Pferdewelt, die gleichzeitig kindgerecht und pferdegerecht sein darf.
Pro Kind.
Pro Pferd.