Hundeschule Kleiner Wolfsblick

Hundeschule Kleiner Wolfsblick Zertifizierte Hundeschule nach Paragraph 11, Abs.1 Nr.8f

Natürliche Kommunikation zwischen Mensch und Hund! www.kleiner-wolfsblick.de

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12/02/2022

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Unsere Lieblingszitate zum Teilen, Verschicken und Pinnen. 📸 Anna Auerbach/Kosmos

20/01/2022

Reizangel - ja oder nein?

Gerade geistert wieder ein Verkaufsbeitrag vom Herrn Rütter durch die Facebookwelt, in der der Comedian etwas verkaufen möchte. Reizangeltraining sei toll und jeder Hund habe ja Spaß an der Action. Man möge bitte im Shop 22€ dafür da lassen.

Und jeder gute Hundetrainer verdreht die Augen und seufzt. Aber eigentlich sollten wir uns freuen, beschert es uns doch langfristig mehr verzweifelte Kunden mit überdrehten Hunden, die trotz der tollen Auslastung nicht zur Ruhe kommen, alles Jagen, die Kinder zwicken (ach nein, hüten), Fahrradfahrer und Jogger belästigen und das das alles, obwohl sie doch so sehr ausgelastet werden. Vielleicht könnte man mal mit Wasserpistole und Klapperdose das abstellen bitte?

Nein sagen wir dann. Machen wir nicht. Statt dessen steht ein langwieriges Training auf dem Programm: Grundgehorsam festigen, evtl. Suchtverhalten unterbinden (Kalter Entzug macht keinen Spaß!) und dann kann man in ein paar Wochen evtl. an ein gut auftrainiertes Abbruchverhalten denken. Vorausgesetzt, der Mensch hat gut mitgearbeitet und an seinem Timing gefeilt. Hört sich nicht so lustig an oder? Besser wäre es, es gar nicht erst so weit kommen zu lassen.

Was passiert denn so schlimmes beim Reizangeltraining, fragen Sie sich jetzt vielleicht. Der Hund hat doch so viel Spaß.

Reizangeltraining kann man so oder so machen. So wie im Video von Herrn Rütter gezeigt, flitzt der Hund einfach einem schnellen Objekt hinterher und wird ihm entweder auf Befehl oder auch mit (sanfter) Gewalt wieder abgenommen, dann geht der Spaß weiter.

Was passiert da jetzt im Hund? Er lernt als erstes: Jagen macht Spaß. Dabei spielt sich im Körper das ganze dazugehörige hormonelle Geschehen ab. Endorphine usw. werden ausgeschüttet. Langfristig erzeugt das ein quasi suchtähnliches Verhalten: Bewegung - Spaß - Mehr davon! Wie Hunde nun mal sind, generalisieren sie sehr schnell: Fliegendes/Bewegendes Objekt - Spaß - Hinterher! In schlimmen Fällen lesen wir dann in der Zeitung davon, wenn der Hund "aus heiterem Himmel" auf den Spielplatz gerannt ist und ein Kind gebissen hat, das mit einem Ball gespielt hat. Wenn Sie das nicht glauben (wollen): In fast allen Fällen tödlicher Aggression gegenüber Kindern war der Hund vorher mit häufigen Beutefangspielen (z.B. Bällchenwerfen) bespaßt worden. In den allermeisten Fällen fixiert sich der Hund immer mehr auf Bewegungsreize. Das gleiche gilt übrigens, wenn man Bällchen wirft, der Hund Blätter oder Schmetterlinge jagen darf etc.

Man kann die Reizangel aber auch sehr sinnvoll einsetzen: Selbstbeherrschung, Start-Stopp-Kommandos, Rückruf/Platz aus der Bewegung und bei Hunden, die die Veranlagung zeigen, das Vorstehen einüben und festigen. Hierbei geht es darum, dass der Hund angesichts von Bewegung lernt, sich zu beherrschen, Kommandos noch auszuführen und dann mit der "Beute" maßvoll und kurz belohnt wird. Außerdem wird darauf geachtet, dass er die Jagd jederzeit auf Kommando abbricht und auch die Beute zurückbringt und auslässt. Das ist also schon eher fortgeschrittenes Training und dann sehr sinnvoll und gut. Wie immer hat also alles zwei Seiten.

27/07/2021
22/06/2021

Distanzlose Hunde sind soziale Krüppel die keiner wirklich schätzt, höfliche Hunde kommen besser mit ihrer Umwelt zurecht.

09/05/2021

Nach wie vor viel zu häufig: Die Xylit-Vergiftung beim Hund

Von Ralph Rückert, Tierarzt, und Johanne Bernick, Tierärztin

Ein ebenfalls sehr social-media-aktiver Kollege hat vor vier Jahren einen kurzen Artikel über die Gefahren des Zuckeraustauschstoffes Xylit (Xylitol, Birkenzucker) für Hunde veröffentlicht, der gut gemacht war und sich in der Hundewelt weit verbreitet hat. Deshalb und weil man als Blogger allzeit originell sein und auf keinen Fall „abschreiben“ will, haben wir uns über dieses Thema längere Zeit keine Gedanken mehr gemacht, so nach dem Motto „Weiß doch wohl inzwischen jede(r)!“.

Um so schockierter waren wir, als neulich in einer sehr großen Facebook-Hundegruppe von einer Xylitvergiftung berichtet wurde und sehr bzw. zu viele Kommentare von Leuten kamen, die bekannten, keinen blassen Schimmer von dieser Gefahr gehabt zu haben. Es gilt für solche Themen wohl das selbe wie für Werbung: Die Botschaft muss offenbar ständig wiederholt werden, um am Ende möglichst viele Mitglieder der Zielgruppe zu erreichen. Also sind wir halt mal unoriginell und weisen erneut auf die Gefahren dieser nach wie vor zu häufig vorkommenden Alltags-Vergiftung hin. Steter Tropfen höhlt bekanntlich den Stein, und wenn dieser Artikel auch nur zehn Hunden den Kragen rettet, soll es uns das wert sein.

Die Verwendung von Xylit (Zusatzstoff E 967) ist nach wie vor auf dem Vormarsch. Es hat die annähernd gleiche Süßkraft wie Haushaltszucker und kann problemlos beim Kochen und Backen (allerdings nicht für Hefeteige) verwendet werden. Xylit wird vom Menschen meist gut vertragen, wirkt in Kaugummis nachweisbar antikariogen und ist nicht zuletzt wegen der Volksseuchen Übergewicht und Diabetes weit verbreitet, gern im Rahmen der „Low-Carb-Philosophie“. Besonders problematisch in Hinblick auf Vergiftungen bei Hunden sind Kaugummis, Bonbons, Schokoladeprodukte und nach unserer Erfahrung vor allem Kuchen, die große Mengen Xylit enthalten.

Für Hunde ist Xylit leider sehr giftig! Es braucht wirklich nicht viel, um einen Hund in ernsthafte Schwierigkeiten zu bringen. Ab 0,3 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht kommt es bereits so gut wie sicher zu beunruhigenden und behandlungspflichtigen Symptomen, ab 3 Gramm pro kg muss fest mit einem tödlichen Verlauf gerechnet werden. Bleiben wir als Beispiel bei einem Kuchen: Ein schnell recherchiertes Rezept für eine sicher sehr wohlschmeckende Karottentorte mit Zitronenglasur enthält 280 Gramm Xylit. Das reicht locker, um selbst einen Mastiff (schwerste Hunderasse der Welt) mit über 90 kg umzubringen. Erwischt ein kleiner Hund mit 10 kg Körpergewicht eine 30g-Packung Xylit-Bonbons, geht das ebenfalls fast sicher tödlich aus. Die 300g-Gelierhilfe-Packung auf dem Foto besteht fast ausschließlich (zu 97 Prozent) aus Xylit. Ein 200g-Glas einer damit hergestellten Konfitüre reicht wieder locker, um einen 30kg-Hund in Lebensgefahr zu bringen.

Nimmt ein Hund in irgendeiner Form Schokolade auf, macht es meist Sinn, erst mal in Ruhe und unter Zuhilfenahme eines sogenannten Theobromin-Rechners herauszufinden, ob überhaupt Handlungsbedarf besteht. Hat Ihr Hund dagegen ein xylithaltiges Nahrungsmittel gemopst, haben Sie dafür keine Zeit! Sie haben auch keine Zeit, um noch schnell im Internet nach guten Ratschlägen zu fragen! Ebenfalls keine Zeit haben Sie für die Verabreichung von bei Vergiftungen oft empfohlener Aktivkohle, die im Falle von Xylit so gut wie gar nichts bringt! Ihr Hund muss SOFORT, UNVERZÜGLICH, AUF DER STELLE in tierärztliche Behandlung! Xylit wird vom Körper rasant schnell aufgenommen. Das Zeitfenster, in dem man durch medikamentös ausgelöstes Erbrechen noch einen Blumentopf gewinnen kann, ist extrem eng. Es zählt also wirklich jede Minute!

Ist das Xylit erst mal vom Körper aufgenommen, bewirkt es sehr schnell (innerhalb einer halben Stunde) eine heftige Insulinausschüttung, die siebenmal höher ist als bei Zucker. Dadurch kommt es zu einer spontanen und lebensbedrohlichen Hypoglykämie (zu niedriger Blutzuckerspiegel). Bei den oben beispielhaft erwähnten Xylit-Mengen folgt im weiteren Verlauf meist auch noch ein schwerer Leberschaden. Nur eine intensivmedizinische Betreuung, die sich anfangs vor allem auf eine Stabilisierung des Blutzuckerspiegels konzentriert und sich in der Regel über mehrere Tage erstreckt, kann den Hund noch retten. Die Prognose ist in solchen Fällen aber immer reichlich wacklig.

Prophylaxe muss also die oberste Devise sein! Schärfen Sie Ihre Aufmerksamkeit! Xylit ist heutzutage in sehr vielen Produkten enthalten. Ihr Hund darf da einfach nicht rankommen! Schokolade als Vergiftungsquelle für den Hund kennt irgendwie jeder und wird auch in der Regel in ihrer Gefährlichkeit weit überschätzt. Das um Welten gefährlichere Xylit (vor allem unter der so schön grün-natürlich klingenden Tarnbezeichnung „Birkenzucker“) haben sehr viele Hundebesitzer:innen nach wie vor gar nicht auf dem Schirm. Wie oben schon erwähnt: Das Standardszenario für uns Tiermediziner:innen ist eher nicht die Packung Kaugummis oder Bonbons, sondern der leckere, selbst gebackene und für die meisten Hunde sehr verlockende Low-Carb-Kuchen, der im offenstehenden Backofen oder auf der Küchenarbeitsplatte abkühlt. Dann klingelt das Telefon oder ein Kind schreit, der Hund hat freie Bahn, und schon geht es so richtig um Leben und Tod!

Passen Sie auf und verbreiten Sie diesen Text bzw. seine Botschaft!

Bleiben Sie uns gewogen, bis bald,

Ihr Ralph Rückert, Ihre Johanne Bernick

© Kleintierpraxis Ralph Rückert, Römerstraße 71, 89077 Ulm

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