08/12/2025
Liebe und Konflikte
Eigentlich wollte ich diesen Artikel erst zur Jahreswende schreiben. Doch in den letzten Tagen bin ich auf ein Hund-Mensch Team getroffen, was mich in Nachgang so sehr beschäftigt hat, dass ich jetzt schon meine Gedanken dazu loswerden möchte.
Wir Hundehalter lieben unsere Hunde sehr. Es gibt Ausnahmen, aber die möchte ich mit diesem Beitrag nicht ansprechen.
Hunde sind für uns Vieles.
Partnerersatz, Therapiehund Machtobjekt, Statussymbol, Beschützer, bester Freund und, und und.
In den seltesten Fällen ist der Hund ein Hund.
Ich nehme mich da nicht aus. Mein 12 Jahre alter Hund, Dickie, begleitet mich schon ewig und ich sag immer, dass wir seelenverwandt sind.
WAS für eine Bürde für den Hund, der nur Hund sein möchte und nicht die emotionale Schublade für unsere Sorgen.
Wenn man keine gesunde Sicht auf seine eigene Hund-Mensch-Beziehungen hat, können daraus Probleme entstehen. Achtung! Können - nicht müssen.
In diesem besagtem Fall, hat der Hund gelernt selber zu entscheiden. Auf freundliche Art, mit der Tendenz bei den vier F's ins Flirt zu gehen. Was noch so der beste Outcome ist. Der Halter hat den Hund grenzenlos erzogen, weil er ja seinen Hund so liebt. Ein Klassiker beim Hundetraining.
Leider resultiert das auch in eine semigute Leinenführung, da der Hund entgegenkommende Hunde selber regeln muss, da der Halter gar nicht mitbekommt, dass sein grenzenloses Zusammenleben dazu führt, dass der Hund gezwungernermaßen entscheiden muss.
Leinenführung - das steckt das Wort Führung drin. (Ein Euro für das Phrasenschwein).
Und dieses Führen startet Zuhause. Wenn mein Hund meinen Raum begrenzt, Aufmerksamkeit aufdringlich einfordert, nur die Erfahrung macht, dasss er nur seine innere Pippi Langstrumpf ausleben darf, dann kann (nicht muss) es dazu führen, dass der Hund lernt, dass er sich an seinen Halter gar nicht wenden kann, da aus Hundesicht dieser Halter ja eh noch nie in den Augen des Hundes eine gute Entscheidung für Beide fallen konnte, bzw. einen Konflikt für sich entscheiden konnte.
Für unsichere Hunde ist das mit am Schlimmsten. Dinge wie Schadensvermeidung und Distanzvergrößerung in Konfliksituationen selber herstellen zu müssen, wenn der Hundehalter daneben steht und keine eigene Initiative zeigt für seinen Hund, den er ja soooooo liebt.
Verkehrte Aufgabenverteilung.
Aber dann erwarten, dass der eigene Hund super an der Leine läuft in reizvollen Umgebungen, auf den Rückruf hört - egal wann - denn schließlich soll der Hund ja verstehen, dass all die Liebe die vom Halter kommt, auch den Anspruch mit sich bringt, auf den Halter zu hören. Schließlich geht es ja dem Hund soo gut. Warum macht er denn Probleme, wenn er doch so geliebt wird.
Ganz einfach - weil viele Hundehalter erstens die Situationen nicht richtig lesen können und zweitens konfliktscheu sind.
Wir Menschen - wir Primaten schicken in der Regel die Bauern vor, wenn es Probleme gibt, damit man selber sich nicht um das Problem kümmern muss. Primaten nehmen gerne auf den Thron Platz. Die haben ja schließlich Ihr Fußvolk.
Hunde (Caniden) wollen idR. diesen Thron nicht. (und ja - es mag den ein oder anderen Vierbeiner mit herrschsüchtigen und diktatorischen Tendenzen geben). Wenn Hunde diesen Thron besetzen müssen, der mit der Aufgabe daher kommt wichtige Entscheidungen treffen zu müssen, dann würden die Meisten dankend ablehnen. Ein Hund in dieser Position ist vielen Konflikten ausgesetzt und kann dadurch Schaden erleiden. So stark dass er sich nicht mehr fortpflanzen kann und damit seine Art erhalten kann.
Das ist festgelegt. Verhalten kommt nicht irgendwo her. Es ist ganz klar definiert.
Und wenn man dann ein Training mit solch einer Konstellation macht und anfängt z.B. ein Deckentraining zu etablieren ( das der Hund zumindet EIN Signal umsetzen kann und danach abschalten darf oder das der Hund nur dann auf die Couch darf, wenn der Halter es sagt) - dann kommen sie. Die Ja abers, aber eigentlich, nee so schlimm ist es ja nicht, macht er nur manchmal, der andere Hund hat angefangen. Auch hier wieder fällt es dem Halter schwer, zu aktzeptieren, dass ER sich ändern muss. Ein Hund verhält sich immer wie ein Hund.
Als Trainer passt man das Training an, macht es so klein, dass es für den Halter passt usw.
Aber manchmal gibt es sie. Die Halter die für alles einen Ausrede haben. Die schon 4 Trainer da hatten und man weiß auch, dass man selber nicht der letzte Trainer sein wird.
Im Endeffekt tun mir die Hunde leid. Überschüttet mit falsch verstandener Liebe, 40 Spielzeugen verstreut in den Räumen, Futter und Wasser in jedem Zimmer und immer Ansprache....immer....der Hund kommt nicht zum Abschalten. Sein Gehirn darf nicht ruhen. Schließlich liebt man Ihn ja soooo sehr.
Bitte - führt Euren Hund durchs Leben. Mit Regeln, die gechillt und mit Freude umgesetzt werden können, für beide Seiten. Übernehmt Verantwortung.
Und wenn der Halter es dann noch schafft, seinen Hund adäquat auszulasten - Bingo -
Ihr könntet so unsere ganze Berufsgruppe ausrotten. Das wär doch was.
Und wer jetzt noch Fragen hat, gerne PN oder einfach anrufen.
Kommentare wie...das machen wir schon 20 Jahre so, aber unsere Luna darf machen was sie möchte und ist trotzdem immer lieb, der Ajax weiß schon was er tut, Hundetrainer sind der letzt Mist oder es fallen Wörter wie Dominanz und Alpharolle...der scrollt und trollt sich bitte weiter. Ihr seid nicht gemeint.
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