14/07/2026
Welpen brauchen viel weniger "Zirkus" als man oft glaubt.
Wenn Erziehung funktionieren soll, ist eine stabile Beziehung unerlässlich❤️
👉 Welpen und Kleinkinder – Co-Regulation statt Überforderung
Oder: «Weshalb haben so viele Welpen einen Dauerturbo eingeschaltet?»
🔸Frühe Trennung und ihre Folgen für die Entwicklung
Kürzlich habe ich einen Podcast zum Thema Trauma, Traumaentstehung, Traumaverarbeitung und Regulationsmechanismen gehört. Der Beitrag bezog sich auf Menschenkinder, insbesondere Babys und Kleinkinder. Dennoch erkannte ich viele
🔸Parallelen zur Welpenerziehung.
Früher wurden Neugeborene direkt nach der Geburt in ein separates Zimmer gebracht, wo sie allein in einem Bettchen lagen. Oft waren sie zusätzlich in Strampelanzügen fixiert, wodurch sie sich kaum bewegen konnten. Der Kontakt zur Mutter war auf die Stillzeiten beschränkt. Schreien und Weinen wurden ignoriert, um das Baby nicht zu «verwöhnen» oder mit der damals verbreiteten Begründung, dies würde die Lungen stärken. Die enorme Bedeutung von Körperkontakt und Co-Regulation für die körperliche und psychische Entwicklung war damals noch weitgehend unbekannt. Heute wissen wir, dass frühe Trennungserfahrungen und fehlende Co-Regulation die Bindungsentwicklung und die Regulation des Nervensystems nachhaltig beeinflussen können.
🔸Doch zurück zu den Welpen: Die frühe Trennung von der Mutter und ihre Folgen
Heutige Welpen werden oft viel zu früh von ihrer Mutter getrennt. Bereits nach acht Wochen verlassen sie ihr Rudel. Ein massiver Einschnitt in ihr junges Leben. In der Natur würde ein Welpe in diesem Alter ohne seine Familie nicht überleben. Zwar stirbt er in unserer menschlichen Welt nicht, doch sein Nervensystem erlebt eine enorme Belastung.
Wie gut ein Welpe mit dieser Trennung umgehen kann, hängt von seiner genetischen Resilienz ab und von der Fähigkeit der neuen Hundeeltern, seine Bedürfnisse zu erkennen und zu erfüllen. Doch weshalb wurde dieses Modell der frühen Abgabe überhaupt etabliert? Keine Mutterhündin würde ihre Welpen freiwillig so früh verlassen. In einem natürlichen Rudel würden zudem auch Vater, Tanten, ältere Geschwister oder andere erwachsene Hunde bei der Aufzucht helfen.
Ein häufiges Argument für die frühe Abgabe lautet, die Mutterhündin sei erschöpft und brauche ihre Ruhe. Das ist kaum erstaunlich, wenn sie die Welpen während der ersten Wochen nahezu ohne Unterstützung aufziehen musste.
🔸Wie Welpen in ihrem neuen Zuhause ankommen
Die ersten Tage und Nächte sind entscheidend. Trotzdem wird der Welpe in vielen Familien bereits in der ersten Nacht in eine Hundebox gesetzt, in der er allein schlafen soll. Ohne Körperkontakt, ohne die Wärme seiner Mutter oder seiner Geschwister. Die Menschen strecken vielleicht hin und wieder eine Hand hinein, um ihn zu beruhigen. Doch wie paradox ist das? Zuerst sperren wir ihn ein, danach versuchen wir ihn zu trösten. Kann mir das jemand erklären?
🔸Die Regulationsmechanismen funktionieren bei einem Welpen noch nicht
Ein Welpe verfügt noch nicht über die Fähigkeit, sein Nervensystem selbst zu regulieren. Bis zur Trennung übernahm diese Aufgabe seine Mutter durch Säugen, Lecken und Körperkontakt. Auch das gemeinsame Liegen und der enge Kontakt zu den Geschwistern waren zentrale Bestandteile seines Alltags. Als Ersatz bekommt der Welpe vielleicht ein Tuch mit, das nach seinem früheren Zuhause riecht. Doch dieses kann die nährende Präsenz seiner Hundefamilie nicht ersetzen.
Im besten Fall lebt bereits ein souveräner, welpenaffiner Hund im neuen Zuhause, der dem Neuling durch soziale Interaktion und Körperkontakt Sicherheit vermittelt. In unserer Familie schlafen Welpen in der ersten Zeit gemeinsam mit uns auf einer Matratze. Die erwachsenen Hunde dürfen sich dazu legen, können aber jederzeit auch Abstand nehmen.
🔸Der Hormoncocktail unterstützt die Entwicklung
Durch diese natürliche Nähe werden Oxytocin, Serotonin und Dopamin ausgeschüttet. Nicht nur beim Welpen, sondern auch beim Menschen. Oxytocin, oft als Bindungshormon bezeichnet, fördert Vertrauen und Entspannung. Serotonin und Dopamin tragen zu Wohlbefinden und emotionaler Stabilität bei. Diese Prozesse unterstützen die Entwicklung eines widerstandsfähigen Nervensystems und schaffen die Grundlage dafür, dass der Hund später besser mit Belastungen umgehen kann.
🔸Die Welpenrealität ist leider oft eine andere
Welpen, die bereits in den ersten Wochen ihres Lebens viele belastende Erfahrungen machen, reagieren als Junghunde und später auch als erwachsene Hunde häufig empfindlicher auf Stress.
Ein Welpe muss in seiner neuen Familie zunächst ankommen. Doch stattdessen wird er oft sofort mit Reizen überflutet. Er verliert die Fürsorge und den Schutz seines Rudels und gleichzeitig fehlt ihm die Möglichkeit, in Ruhe eine sichere Bindung zu seinen neuen Bezugspersonen aufzubauen.
Viele neue Hundehalter besuchen bereits nach wenigen Tagen eine Welpengruppe und folgen der Empfehlung, den Welpen bis zur 16. Lebenswoche an möglichst alles zu gewöhnen. Doch statt Selbstvertrauen entwickelt der junge Hund unter dauerhaftem Stress nicht selten Unsicherheit.
🔸Viele kleine Belastungen können ebenso prägend sein
Ein Trauma muss nicht immer aus einem einzigen dramatischen Ereignis entstehen. Auch viele kleine, sich wiederholende Belastungen können das sich entwickelnde Nervensystem nachhaltig beeinflussen. Ein Welpe, der nicht zur Ruhe kommt, verbleibt häufig in einem dauerhaft erhöhten Erregungszustand. Sein sympathisches Nervensystem bleibt aktiviert und Stresshormone prägen zunehmend seinen Alltag.
🔸Überforderung verhindert eine sichere Bindung
Ein junger Hund braucht keine Reizüberflutung. Er braucht einen sicheren Rahmen, Schutz, Körperkontakt und Bezugspersonen, die ihm helfen, sein Nervensystem zu regulieren. Statt ihn möglichst schnell mit unzähligen neuen Eindrücken zu konfrontieren, sollte er zuerst die Möglichkeit erhalten, sich sicher und geborgen zu fühlen. Bindung entsteht durch soziale Nähe und gemeinsame Regulation, nicht durch möglichst viele Erlebnisse in kurzer Zeit.
Wenn wir unseren Welpen mehr Zeit, Sicherheit und Co-Regulation schenken, schaffen wir die Grundlage dafür, dass sie zu entspannten und resilienten Hunden heranwachsen können.
👉In diesem Sinne
"Die wichtigste Lektion lautet: Co-Regulation statt Überforderung."