17/05/2026
Glen’s Tagebuch
Zurzeit klingelt bei uns ständig das Telefon. Menschen suchen verzweifelt eine Hundepension für die Sommerferien.
Ich sage euch: Es ist jedes Jahr das Gleiche.
Das ganze Jahr über dreht sich alles um „Schatzi“, „Mausi“ oder „Hasi“. Ob gut geschlafen wurde, ob noch ein Leckerchen gewünscht ist und ob der Hund auch wirklich glücklich ist. Petra guckt mich dann manchmal an und nennt mich provokativ auch „Schatzi-Mausi-Hasi-Pups“. Ich finde das eher mäßig würdevoll.
Und dann kommt plötzlich der Urlaub
und Schatzi muss irgendwo untergebracht werden.
Was viele Menschen dabei unterschätzen: Für uns Hunde bricht in so einem Moment oft der komplette Alltag weg. Die gewohnten Menschen verschwinden, die gewohnten Abläufe gibt es plötzlich nicht mehr und auf einmal lebt man mit fremden Hunden in einer Umgebung, die man sich nicht ausgesucht hätte.
Da riecht es nach Stress, nach Unsicherheit und oft auch einfach nach viel zu vielen Hunden auf engem Raum. Es ist laut, weil irgendwo immer ein Hund bellt oder jammert. Und dieser Stress steckt an. Ein Hund, der ständig kläfft, fühlt sich nicht wohl. Ein entspannter Hund ist ruhig, entspannt  und trotzdem sichtbar da.
Viele Hunde jammern, bellen, schlafen kaum oder versuchen einfach möglichst unsichtbar zu werden. Manche liegen nur irgendwo herum und hoffen, nicht aufzufallen. Andere rennen rum und kommen nicht zur Ruhe. 
Das Problem ist nicht unbedingt, dass sich niemand kümmern würde. Das Problem ist eher, dass vieles gar nicht mehr so laufen kann, wie die Hunde es gewohnt sind.
Zu Hause weiß ein Hund genau, wann er raus kann, wo sein Platz ist und wie sein Alltag funktioniert. In einer Pension fällt das oft komplett weg.
Manche Hunde halten Urin und Kot viel zu lange ein, weil sie sich in der fremden Umgebung nicht sicher genug fühlen. Andere schaffen es irgendwann nicht mehr und lösen sich plötzlich im Raum, obwohl sie das ihr ganzes Leben lang nicht getan haben, einfach weil ihre gewohnten Abläufe nicht mehr funktionieren.
Manche Machos müssen erst einmal überall ihre Anwesenheit über eine Markierung mitteilen und alles markieren was sie finden können. Für die anderen Hunde macht das die Situation nicht entspannter. Im Gegenteil. Der Druck im Raum wird dadurch oft noch größer.
Dann sollen Hunde plötzlich mit fremden Hunden klarkommen, die sie sich niemals ausgesucht hätten. Teilweise nur durch Zäune getrennt, ständig in Sichtweite, ständig unter Beobachtung. Oder ein zweiter Hund zieht einfach mit ins Zimmer ein, ohne dass ein Mensch ständig ein Auge drauf hat und es reguliert. Der aufdringliche Rüde belästigt den ganzen Tag die Hündin.
Und wenn dann noch ein Gewitter kommt und ein Hund davor panische Angst hat, ist er in vielen Pensionen mit dieser Angst ziemlich alleine.
Viele Hunde funktionieren dann einfach irgendwie. Das heißt aber noch lange nicht, dass es ihnen gut geht.
Selbst hier auf dem Creahof in unserem Internat, wo Hunde mit uns zusammen im Haus leben und möglichst normal am Alltag teilnehmen, fällt das manchen Hunden schwer. Obwohl wir normalerweise nicht mehr als zwei Gasthunde gleichzeitig aufnehmen und sehr genau schauen, wer überhaupt zusammenpasst.
Nicht jeder Hund darf einfach bei mir wohnen. Und ja, ich habe dabei durchaus ein Mitspracherecht, denn mein Leben soll sich dadurch schließlich nicht plötzlich schlecht anfühlen.
Hier geht es nicht darum, möglichst viele Hunde unterzubringen. Die Hunde leben mit uns zusammen. Manche dürfen sogar bei Petra und mir im Schlafzimmer schlafen.
Und wenn ein Hund Angst hat, kümmern wir uns auch darum. Wenn Gewitter angekündigt sind, achten Petra und Norbert darauf, dass jemand bei den Hunden ist. Hier soll niemand mit Panik alleine sein. Und ja, manchmal sitzt Petra dann nachts mit einem Hund im Arm irgendwo im Schlafzimmer, bis er wieder schlafen kann.
Und trotzdem gibt es Hunde, die anfangs jammern, nachts schlecht schlafen oder große Probleme damit haben, ihre Menschen nicht kontrollieren zu können.
Deshalb kommen viele Hunde vorher erstmal stundenweise, um hier die Abläufe kennenzulernen und die Erfahrung zu machen, dass ihr Mensch immer wiederkommt. Gleichzeitig können wir feststellen, ob ihnen das Zusammenleben mit uns wirklich guttut.
Für mich wäre eine klassische Hundepension übrigens nichts. Wenn Petra mal ohne mich weg muss, bleibt mein Zuhause gleich und ein sehr guter Freund, den ich sehr gut kenne, zieht hier ein. Außer dass Petra nicht da ist, ändert sich für mich nicht viel. Ich schlafe weiter in meinem Korb, bekomme jeden Tag meine Jagd und mache tolle Ausflüge.
Das macht für uns Hunde einen riesigen Unterschied.
Vielleicht sollte man sich vor dem Urlaub nicht nur fragen, ob irgendwo noch ein Platz frei ist.
Sondern ob der eigene Hund sich dort wirklich wohlfühlen kann. Und nicht aus Menschensicht, sondern aus Hundesicht.
Die beste Lösung ist, wenn der Hund einfach mit darf. Ich habe Glück, ich darf Petra begleiten! In ein paar Tagen geht es für uns schon wieder los. Wir fahren mit anderen Menschen-Hund- Teams in den Hundeurlaub.
Unser Mitbewohnerkalender ist übrigens bis Ende Oktober voll. Sich gerade für ein Casting bei mir zu bewerben, macht also eher wenig Sinn.
Ich wünsche euch einen entspannten Sonntag.
Euer Glen