04/08/2026
DER HUND ALS REICHWEITENLIEFERANT
Ein Gastbeitrag von Jörg Sommer
Seit Jahren lebe ich mit Rhodesian Ridgebacks. Dies sind keine Kulissenhunde und keine Lieferanten für Content. Es sind Familienmitglieder. Sie vertrauen uns, genau dieses Vertrauen verpflichtet.
Wütend werde ich, wenn ich Videos sehe, in denen Hunde absichtlich erschreckt, angepustet, bedrängt oder so lange provoziert werden, bis sie endlich die gewünschte Reaktion für Reichweite zeigen. Man nennt das heute „Ragebaiting“. Ich nenne es Missbrauch am Hund.
Dein Hund sagt dir nicht: „Hör auf, mir wird das zu viel.“ Er dreht den Kopf weg, leckt sich über die Lefzen, legt die Ohren an, erstarrt oder versucht, aus der Situation herauszukommen.
Wer diese Signale ignoriert und weiterfilmt, hat nicht versehentlich etwas gemacht. Es ist Vorsatz. Er nimmt den Stress des Hundes bewusst in Kauf. Provoziert, dass der Hund knurrt, schnappt oder ausrastet, denn genau das bringt schließlich die gewünschte Reichweite. Wenn ich so etwas im Alltag sehe, klatsch es keinen Applaus.
Für mich gehört dieses Verhalten ausdrücklich ins Tierschutzgesetz. Das gezielte Provozieren, Verängstigen oder Bedrängen eines Tieres, um daraus Content, Reichweite oder Einnahmen zu erzeugen, muss als eigener Tatbestand erfasst und bestraft werden. Wo sind die Tierschützer zu diesem Thema? Wo sind die namhaften Fernsehe-Hunde-Trainer? VDH und Hunde-Vereine?
Influencer müssen dabei besonders hart zur Verantwortung gezogen werden. Wer eine große Reichweite besitzt, erreicht nicht nur ein paar Freunde. Er zeigt Tausenden Menschen, darunter auch Kindern und Jugendlichen, dass man einen Hund für Unterhaltung benutzen darf. Dieses Verhalten wird kopiert, verharmlost und weiterverbreitet.
Wer seine Reichweite bewusst nutzt, um Tierleid zu inszenieren und damit Geld zu verdienen, darf nicht mit einem kleinen Bußgeld davonkommen. Die Einnahmen gehören eingezogen, die Accounts gesperrt und bei schweren oder wiederholten Fällen muss auch ein Tierhaltungsverbot möglich sein. Je größer die Reichweite und je höher der Verdienst, desto härter muss die Strafe ausfallen.
Tierleid beginnt nicht erst, wenn Blut fließt. Auch Angst, Stress und das bewusste Übergehen der Körpersprache eines Hundes sind Leiden.
Auch wir als Zuschauer tragen Verantwortung. Solche Videos nicht liken, nicht kommentieren und auch nicht aus Empörung weiterverbreiten. Melden und damit verhindern, dass Tierleid durch noch mehr Reichweite belohnt wird.
Meine Ridgebacks schenken mir jeden Tag ihr Vertrauen. Meine Aufgabe als Hundehalter ist es auch, dieses Vertrauen zu schützen und nicht, es für ein paar Klicks zu verkaufen.
Senad Alic SencoDogs - Gruppe Ana Isabel Calvo Verband für das Deutsche Hundewesen - VDH e.V.
Foto: KI-Symbolbild