03/07/2023
Was ist Vermenschlichen?
Die Fähigkeit zur Empathie? Die Fähigkeit ein Tier zu lieben? Die Fähigkeit, ein Tier zu verstehen, es so anzunehmen, wie es ist? Mit seinen Ecken und Kanten? Die Fähigkeit, Individualität zu erkennen? Die Fähigkeit, sich mit diesem Tier zu arrangieren? Die Fähigkeit zu erkennen, dass es sich um ein Tier handelt, welches die gleichen Empfindungen und Gefühle wie ein Mensch hat? Es zu streicheln, zu herzen, zu liebkosen, hochzunehmen, zu loben, zu trösten, zu bedauern, sich bei ihm zu bedanken?
Warum ist Vermenschlichen heutzutage ein Schimpfwort wie bizarrerweise "Gutmensch"? Warum ist Härte ein scheinbar erstrebenswerter Charakterzug?
Wir Menschen sind auch nur Tiere. Die Bibel hat uns vorgegeben, uns über Tiere zu erheben, sie uns untertan zu machen. Und bekämpfen wir deshalb unsere Hunde wie wenn sie unsere Feinde wären?
Uns Menschen unterscheidet von Tieren, dass wir in der Zukunft und in der Vergangenheit leben können. Dass wir um -zig Ecken denken und interpretieren können. Dass wir in einem System leben und uns diesem System beugen müssen, um zu überleben. Dass uns gelehrt wird, dass dieses System uns in Hierarchien unterteilt. Dass wir mit Ellenbogenmentalität dauerhaft gegeneinander kämpfen müssen. Dass wir in eine Konkurrenzgesellschaft reingeboren wurden. Dass wir "gutes Benehmen" haben.
Dass wir den Knigge kennen. Dies alles ist Hunden fremd.
Unsere Hunde sind anders. 15.000 Jahre Domestizierung haben es möglich gemacht, dass Hunde uns dringender brauchen als einen Artgenossen. Dass sie uns mehr lieben als es je ein Mensch in unserem Leben tun wird. Dass sie immer an unserer Seite sein wollen. Dass sie alles gut finden, was wir machen, unter der Voraussetzung, dass wir es für sie nachvollziehbar rüberbringen.
Eine wirkliche Interpretation vom "Vermenschlichen" wäre, dem Hund all dies zu unterstellen, was uns Menschen vom Hund unterscheidet: Das Streben nach Macht, Schuldbewußtsein, gutes Benehmen, Berechnung, Hinterhalt, Sturheit, Zickigkeit, Ellenbogenmentalität, das Unterscheiden von Gut und Böse, Manieren.
Bis vor einigen Jahrzehnten sprach man Tieren die Fähigkeit ab, Schmerzen zu empfinden.
Heute weiß man es besser. Seit einiger Zeit weiß man, dass Hühner Empathie empfinden.
Kommen wir ins Sein, nehmen wir ein Tier einfach als Solches an, tauchen wir in seine Tierwelt ein, lernen wir, es zu verstehen in seiner Tierwelt, dann haben wir eine Chance, ihm auf Augenhöhe zu begegnen, mit ihm zu kommunizieren - als Freund und nicht als Feind.
Eva Windisch
Hundetrainerin, Hundeverhaltensberaterin, Hundepsychologin, Hund-Mensch-Coach
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