Mit Hunden sein - Eva Windisch - Freundschaft statt Erziehung

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Freundschaft statt Erziehung

24/08/2026

Das Wort zum Sonntag -
Hört auf, an euren Hunden herumzuarbeiten!

Hunde brauchen kein Training. Ihre Menschen brauchen jemanden, der ihnen hilft, ihren Hund wieder zu sehen.
Denn wir leben in einer Zeit, in der nahezu jedes Verhalten bewertet, analysiert, optimiert und korrigiert wird.

Der Hund zieht an der Leine – Trainingsproblem.
Er bellt – Trainingsproblem.
Er möchte nicht jeden Hund kennenlernen – Trainingsproblem.
Er bleibt nicht entspannt im Café liegen – Trainingsproblem.
Er jagt, bewacht, fürchtet sich, braucht Abstand, wird ungeduldig oder möchte irgendwo nicht sein – Trainingsproblem.

Und irgendwann steht da ein Mensch, der seinen eigenen Hund kaum noch anschauen kann, ohne innerlich eine Checkliste abzuarbeiten:
Was macht er gerade? Warum macht er das? Was muss ich jetzt tun? Muss ich belohnen? Umlenken? Begrenzen? Ignorieren? Trainieren? Wie?

Nicht nur die Hunde werden verunsichert. Auch ihre Menschen.
Seit Jahren wird ihnen erzählt, dass jede falsche Reaktion Folgen haben könne. Dass das Timing stimmen müsse. Dass man bloß nichts „versehentlich verstärken“ dürfe. Dass Grenzen gesetzt, Impulse kontrolliert, Frustration ausgehalten, Ruhe gelernt und Orientierung trainiert werden müsse.
Für nahezu alles gibt es inzwischen eine Methode, einen Trainingsplan, einen Onlinekurs und jemanden, der erklärt, wie es „richtig“ geht.

Und irgendwann lebt der Mensch nicht mehr mit seinem Hund. - Er managt ihn.
Er beobachtet nicht mehr, um zu verstehen, sondern um möglichst früh eingreifen zu können.
Er fragt nicht mehr:
Was braucht mein Hund gerade?
Sondern:
Was muss ich tun, damit dieses Verhalten aufhört?

Selbstverständlich mit dem Hund zu leben wird unmöglich, weil zwischen beiden ständig eine Methode steht.

Total absurd -
Ständig wird davon geredet, dass Hunde Orientierung brauchen – und ihren Menschen wird gleichzeitig jede Orientierung genommen.
Es werden hundert Methoden, tausend Regeln und zehntausend mögliche Fehler erklärt. Kein Wunder, dass sie bei jeder Bewegung ihres Hundes überlegen, was sie jetzt „machen“ müssen.

Ein Hund braucht aber keinen Menschen, der in jeder Sekunde weiß, welche Trainingstechnik anzuwenden ist.
Er braucht einen Menschen, den er einschätzen kann.
Einen Menschen, der wahrnimmt.
Der Entscheidungen treffen kann.
Der schützt, wenn Schutz nötig ist.
Der Grenzen setzt, wenn Grenzen nötig sind.
Der Freiheit zulässt, wenn Freiheit möglich ist.
Der Sicherheit gibt, ohne zu kontrollieren.
Der nicht bei jedem "unerwünschten Verhalten" sofort glaubt, etwas ändern oder reparieren zu müssen.

Der Hund braucht einen Menschen, der ihm zutraut, selbst ein kompetentes soziales Wesen zu sein.

Nicht alles lässt sich wegtrainieren, und nicht alles muss wegtrainiert werden.
Nicht alles, was uns stört, ist beim Hund gestört.
Ein Hund darf Angst haben.
Er darf Abstand wollen.
Er darf etwas nicht können.
Er darf etwas nicht mögen.
Er darf Bedürfnisse haben, die gerade nicht in unseren Tagesablauf passen.
Er darf Eigenschaften besitzen, die seiner Art und seiner Biografie entsprechen und nicht unseren Vorstellungen vom perfekten Begleithund.

Natürlich gibt es Verhalten, bei dem Hilfe (!) notwendig ist.
Schmerzen, Erkrankungen, Angst, Entwicklungsbedingungen, chronischer Stress, Lernerfahrungen, Genetik oder traumatische Erfahrungen spielen eine wesentliche Rolle.

Deshalb reicht es nicht, oben am sichtbaren Verhalten herumzuschrauben.
Und schon gar nicht braucht jedes Problem ein Trainingsprogramm.

Manchmal braucht der Hund zunächst Entlastung.
Manchmal braucht er Schutz.
Manchmal braucht er medizinische Hilfe.
Manchmal braucht er andere Lebensbedingungen.

Und meistens braucht sein Mensch vor allem eines:
wieder Vertrauen in die eigene Wahrnehmung.

Deshalb sollten wir nicht darüber reden, wie Menschen ihre Hunde besser kontrollieren können, sondern darüber, wie sie wieder lernen können, ihren Hunden zuzuhören, sie zu beobachten, Entscheidungen zu treffen und Verantwortung zu übernehmen – ohne aus dem gemeinsamen Leben eine permanente Trainingseinheit zu machen.

Nicht der Hund ist das Problem.
Unser ständiges Bedürfnis, etwas mit ihm machen zu müssen, ist ein Großteil des Problems.
Gute Hilfe besteht nicht darin, einem Menschen Techniken und Methoden beizubringen.
Sondern darin, ihm all das aus dem Kopf zu nehmen, was ihn daran hindert, seinen Hund wirklich zu sehen.





Brustgeschirr vs. HalsbandEine Leine ist eine Sicherung.Eine Sicherung dafür, dass der Hund nicht auf die Straße läuft, ...
23/08/2026

Brustgeschirr vs. Halsband

Eine Leine ist eine Sicherung.
Eine Sicherung dafür, dass der Hund nicht auf die Straße läuft, nicht zu andern Menschen oder Hunden hinläuft, nicht jagen geht, sich und andere nicht in Gefahr bringt.

Auch wir sichern uns. Beim Autofahren legen wir den Sicherheitsgurt um Brustbein und Rippen, beim Bergsteigen, Fallschirmspringen und Drachenfliegen sichern wir uns am Becken, beim Kettenkarussell am Becken, beim Achterbahnfahren über den Überrollbügel an Rippen und Becken, beim Motorradfahren mit dem Helm am Schädel. Aber niemals sichern wir uns am Hals. Niemals würden wir uns an der Luftröhre sichern.

Warum sichern wir dann eigentlich den besten Freund des Menschen an der Luftröhre?
Am empfindlichsten Körperteil eines Tieres?
Weil man es schon immer so gemacht hat?
Ist das ein Argument?

HALLO!!!???? Die Luftröhre!!!???

Geben Sie sich doch bitte mal einen ganz kleinen, ganz feinen Handkantenschlag gegen die Luftröhre.
Merken Sie, wie unangenehm das ist?
Merken Sie, wie lange dieses unangenehme Gefühl noch nachhallt?
Ganz schön lang.
Ich habe im Selbstversuch eine halbe Stunde gezählt.

Ach so, Ihr Hund zieht nicht? Warum hat er dann eine Leine?

Es gibt keinen einzigen Hund, der nie zieht, aber noch viel weniger gibt es einen Menschen, der nie zieht. Sie ziehen -zig mal pro Spaziergang, mutmaßlich ohne es zu merken. Achten Sie es doch beim nächsten Spaziergang mal ganz bewußt darauf.

Wenn weder Hund noch Mensch nie ziehen würde, dann wäre die Erfindung der Leine unnötig. Es wäre unfassbar anstrengend für beide Parteien, so aufeinander zu achten, dass die Leine niemals straff ist, so dass beide nach wenigen Minuten schon total erschöpft wären. Der Spaziergang hätte für beide keinen Wert, denn sie könnten überhaupt nicht mehr auf ihre Umwelt achten, nur auf denjenigen, der am anderen Ende der Leine hängt.

Sorry, liebe Leser, das kann niemand über einen längeren Zeitraum durchhalten. Weder ein Mensch noch ein Hund. Und das hat nichts mit der Erziehung zu tun.

Daher meine große Bitte an Sie:
Bitte verwenden Sie ein gutsitzendes, locker verschnalltes Y-Brustgeschirr mit einem großen Halsausschnitt.
Auch wenn es nur für ein paar Meter um den Block sind.
Sie würden sich auch für die Autofahrt zum Bäcker den Sicherheitsgurt nicht um den Hals legen.
Sie würden sich auch für den kurzen Aufstieg auf den Berg die Sicherung nicht um den Hals legen.
Sie würden sich auch nicht für den kurzen Drachenflug oder den Fallschirmsprung die Sicherung um den Hals legen.

Und ein Hundetrainer, der behauptet, Leinenführigkeit nur über ein Halsband erreichen zu können, outet sich mit so einer Aussage selber: „Ich kann es leider nur über Sauerstoffentzug und Schmerzreize, ich weiß es nicht besser, ich kann es nicht besser, ich habe es nie besser/anders gelernt.“
Ein Hundetrainer, der ein Halsband benutzt, kann nur über Schmerzreize arbeiten.
Ist das für Sie jemand, der seinen Beruf beherrscht?

Bitte liebe Hundehalter, sichern Sie Ihren Hund so wie Sie sich sichern würden.

Es gibt zig Gründe für ein Y-Brustgeschirr, aber keinen Einzigen für ein Halsband.
Und ja, ich glaube Ihnen, dass das Anziehen etwas umständlich und langwieriger ist als das Überstreifen eines Halsbandes, aber dann ist es halt so. Manche Hunde mögen es halt nicht. Manche Kinder mögen auch das An- und Ausziehen eines T-Shirts nicht. Ich trage beim Mopedfahren auch nicht gerne einen Helm, der die Haare anklatscht, aber ich möchte gerne unversehrt weiterhin Vespa fahren.
Ich gehe davon aus, dass Ihr Hund auch nicht gerne zum Tierarzt geht, und dennoch machen Sie es. Weil es für die Gesundheit ist.

In diesem Sinne: Eine Leine ist eine Sicherung und nicht dazu da, dem besten Freund des Menschen weh zu tun.

Eva Windisch
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Stellen Sie sich bitte einmal vor, Sie wären richtig gestresst.Sicherlich hatten Sie so eine Situation schon erlebt.Sie ...
16/08/2026

Stellen Sie sich bitte einmal vor, Sie wären richtig gestresst.
Sicherlich hatten Sie so eine Situation schon erlebt.

Sie sind in Eile, haben verschlafen, keine Zeit fürs Frühstück gehabt, den Bus verpasst, also zurück zum Haus. Sie müssen das Auto nehmen. Ständig klingelt Ihr Handy, und dann springt auch noch das Auto nicht an. Sie wissen, dass Sie zu spät zur Arbeit kommen, und was für unangenehme Konsequenzen das für Sie hat.
Sie sind kurz davor, richtig hysterisch zu werden.

Was würden Sie in so einem Fall von Ihrem Partner, den Sie so abgöttisch lieben, erwarten?

Was wäre, wenn er Sie anschreien würde, dass Sie sich nicht so anstellen sollen? Was wäre, wenn er gar handgreiflich werden würde?

Würden Sie sich dann besinnen und sich denken: „Recht hat er, ich sollte bei Stress einfach ruhiger werden, ich dummes Ding. Auf keinen Fall werde ich meine Gefühle zukünftig nach außen tragen und meinem Partner nicht mehr mitteilen, wenn alles über mich zusammenbricht. Diese Ohrfeige gerade hat richtig gutgetan. Ab sofort werde ich bei Stress einen kühlen Kopf bewahren. Das war mir eine Lehre.“

Oder wäre es Ihnen lieber, wenn Ihr Schatz Sie beruhigen würde, Ihnen seine Hilfe anbieten würde, Sie vielleicht mit seinem Auto zur Arbeit fahren würde und alles tun würde, damit Sie sich entspannen können und weniger gestresst sind?

Mit Sicherheit ginge es Ihnen bei Version Zwei besser. Sie würden über Ihren Partner denken: „Was für ein wunderbarer Mensch. Er ist immer für mich da, er nimmt mich ernst, er unterstützt mich, er tut mir gut.“

Und wie reagieren Sie, wenn Ihr Hund gestresst ist?

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Die Unsitte Tiere zu strafen – allen voran Hunde und Pferde – ist nicht auszurotten.Wie kommt man darauf Tiere zu strafe...
09/08/2026

Die Unsitte Tiere zu strafen – allen voran Hunde und Pferde – ist nicht auszurotten.

Wie kommt man darauf Tiere zu strafen, streng zu ihnen zu sein? Dafür dass sie uns – der selbsternannten Krone der Schöpfung - nicht gehorchen, uns auf Lebenszeit nicht rund um die Uhr devot untertan sind? Unseren Befehlen nicht Folge leisten? Wieso sollten Tiere uns gehorchen? Weil wir etwas Besseres sind?
Warum erhebt man sich so gerne über andere Lebewesen? Und warum gerade über die, die uns am zugewandtesten sind?

Wir sind nichts anderes als Säugetiere mit den gleichen Körperteilen, einem ZNS, den gleichen Emotionen, Gefühlen und Bedürfnissen.
Wir essen Tiere oder wir lieben sie.
Warum strafen wir dann aber so gerne die, die wir lieben?

Was ist in uns, dass wir genau diese, die wir lieben, beherrschen wollen, anstatt einfach ihre Nähe zu genießen, uns daran zu erfreuen, dass sie uns augenscheinlich auch mögen, ja dass es sogar möglich ist, sie durch unsere erwiderte Liebe noch enger an uns zu binden, sie genau durch unsere Liebe dazu zu bringen, uns noch besser zuzuhören.
Nicht anders als wir es bei zweibeinigen Freunden bzw. bei unserem Partner handhaben.

Woher rührt die unglaublich hohe Erwartungshaltung an Hunde? Diese Tiere lieben uns automatisch. Sind wir nicht anwesend, dann sind sie traurig, erscheinen wir wieder auf der Bildfläche, dann freuen sie sich als wären wir jahrelang verschollen gewesen.
Sie genießen unsere Anwesenheit rund um die Uhr, wir werden ihnen durch unsere Anwesenheit nicht lästig. Sie schließen sich uns freiwillig an, verbringen gerne den Alltag mit uns, und wollen uns gefallen.

Aber das scheint uns nicht genug zu sein:
Liebe hin - Liebe her… sie sollten zu 100 Prozent folgsam sein, unauffällig sein, gehorsam sein, keinerlei Eigeninitiative entwickeln, funktionieren, perfekt sein, wie ein Roboter fehlerfrei sein.

Und klappt das nicht, dann wird gestraft, geschimpft, gemaßregelt, die Stimme erhoben. Mit dem Anliegen, dass der Hund doch wissen muss, war für eine hohe Erwartungshaltung er in unserem Leben, in unserer Gesellschaft zu erfüllen hat. Auch wenn er eine völlig andere Spezies ist. Er hat ein besserer Mensch zu sein, ja wie ein perfekter Mensch zu sein.
Perfekter als wir es je sein können.

Begeben Sie sich doch bitte einmal auf Augenhöhe Ihres Hundes und versuchen Sie ein wenig, die Welt aus seinen Augen zu sehen, sein Handeln und Verhalten nachzuvollziehen. Er ist und bleibt eine andere Spezies als Sie. Er hat die gleichen Emotionen wie Sie, aber dennoch nicht die Ratio und den Verstand wie Sie. Er sieht seine und unsere Welt anders, nimmt sie anders wahr als wir.

Die Erwartungen, die wir Menschen in einen Hund haben, wird er nie erfüllen können und vor allem nie nachvollziehen können.

Daher zeigen Sie ihm bitte immer wieder was Sie gerne von ihm möchten, bestätigen Sie ihn immer in dem was er tut, was Sie erfreut. Helfen und unterstützen Sie ihn, wenn er unsicher ist, wenn er Angst hat, wenn es ihm nicht gut geht und stehen Sie ihm bei. Sichern Sie ihn, wenn Sie glauben, dass er in bestimmten Situationen undurchschaubar oder unberechenbar reagiert, aber nehmen Sie auch hin, dass nicht alle Hunde gleich sind und in jeder Situation gleich reagieren.

Unsere Hunde sind alles Individuen – genau wie wir.

Seien Sie ihm das, was er immer für Sie ist und immer für Sie bleiben wird: Ihr bester Freund. Das Leben zusammen in Freundschaft ist so einfach.
Bei Menschen wie bei Tieren.

Eva Windisch
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08/08/2026

Manchmal ist Schweigen keine Option.Heute ist so ein Tag.

Mich macht es fassungslos, wie leicht sich Mythen über Hundetraining verbreiten und wie schnell sie geglaubt werden, wenn sie von Menschen mit einem medizinischen Hintergrund kommen.

Da wird behauptet, Belohnung sei Bestechung. Hunde würden nur noch verhandeln. Leckerchen würden Respekt zerstören. Eine Mutterhündin brauche schließlich auch keine Kekse.

Was mich dabei besonders ärgert: Es wird so getan, als wäre positive Verstärkung eine Modeerscheinung oder eine Meinung von "zu netten" Hundetrainern.

Ist sie nicht.

Verstärkung ist kein Trend. Sie ist kein Marketing. Sie ist auch keine Glaubensfrage. Verstärkung ist ein grundlegendes, wissenschaftlich gut belegtes Prinzip des Lernens.

Darüber muss man nicht glauben oder diskutieren. Verhalten, das sich für einen Hund lohnt, wird mit höherer Wahrscheinlichkeit wieder gezeigt. Verhalten das unangenehme Konsequenzen hat, wird seltener. So lernen Hunde. So lernen Menschen. So funktioniert halt einfach simples Lernen. 🙄

Wer Verhalten verändern möchte, hat grundsätzlich diese zwei Möglichkeiten. Das heißt aber nicht, dass wir jede Möglichkeit nutzen sollten.

Dazwischen, zwischen Verstärkung und Strafe, gibt es keine magische dritte Methode namens "Respekt", "klare Führung" oder "ein deutliches Nein". Das sind Begriffe, die vielleicht beschreiben, wie Menschen Training empfinden oder gestalten möchten. Sie erklären aber nicht, wie Lernen funktioniert.

Genau deshalb ärgert es mich, wenn behauptet wird, Belohnungen würden Hunde dazu bringen zu verhandeln oder Respekt zu verlieren. Damit wird ein wissenschaftlich gut belegtes Lernprinzip auf Schlagworte reduziert, die sich zwar gut anhören, aber keine Erklärung dafür liefern, warum Verhalten häufiger oder seltener wird.

Was mich außerdem jedes Mal fassungslos macht: Belohnung wird fast immer auf Leckerchen reduziert. Auf Menschen, die angeblich mit einem riesigen Futtersack hinter ihrem Hund herlaufen und jeden Blickkontakt "bezahlen".

Das ist kein Hundetraining über positive Verstärkung.

Das ist eine Karikatur davon.

Belohnung ist so viel mehr als Futter. Sie kann ein gemeinsames Spiel sein, wieder Schnüffeln können, Abstand zu einem Auslöser, Sozialkontakt, Freilauf, eine kleine Nasenaufgabe, etwas hetzen, packen, zerlegen oder jedes andere Verhalten, das für den Hund einen Wert hat. Gute Trainer arbeiten nicht nur mit Leckerchen – sie arbeiten mit Verstärkern. ⚠️

Wer Verstärkung auf Leckerchen reduziert, wird im Training natürlich irgendwann an Grenzen stoßen. Das Problem ist dann aber nicht die positive Verstärkung. Das Problem ist, dass man sie nie verstanden hat. 🤷‍♀️

Das ist es, was mich so wütend macht: Mit großer Reichweite werden Hundehalter verunsichert. Menschen bekommen ein schlechtes Gewissen, wenn sie ihren Hund belohnen. Dabei ist Belohnung keine Bestechung. Sie ist Kommunikation. Sie hilft dem Hund zu verstehen, welches Verhalten sich lohnt.

Ich wünsche mir, dass wir endlich aufhören, wissenschaftlich gut belegte Erkenntnisse über Lernen als bloße Meinung abzutun.

Denn am Ende geht es nicht um Leckerchen.
Es geht darum, wie wir Verhalten verändern. Ob wir dabei auf vorhandenes Wissen vertrauen oder auf irgendwelche Mythen.

Wünsche Euch ein schönes Wochenende!

Packt doch einfach mal ein paar Leckerchen mehr ein. 🍪

Ihr wisst ja, für's lieb Gucken und so. 😁🤸✨ 😜

04/08/2026

Es gibt einen entscheidenden Unterschied zwischen einem Hund, der funktioniert, und einem Hund, der versteht.
Das moderne Hundetraining, einschließlich Erziehung, verwechselt beides seit vielen Jahren.

Die meisten Hundehalter glauben, sie müssten ihrem Hund etwas beibringen. Dabei müsste er in erster Linie in Ruhe gelassen werden. Und Hundemenschen sollten Vorbild sein.
Jedes Training, das Verhalten über Belohnung steuert, verschiebt die Orientierung des Hundes Stück für Stück nach außen. Er beginnt, den Menschen nicht mehr als sozialen Partner wahrzunehmen, sondern als Verwalter seiner Bedürfnisse. Aus einem Miteinander wird ein ständiges Fragen: Was bekomme ich jetzt? Was soll ich jetzt tun? Wo ist die nächste Belohnung?
So entsteht eine Welt, in der der Hund nicht mehr aus eigenem Verständnis handelt, sondern auf die nächste Information wartet.

Je mehr äußere Steuerung notwendig wird, desto weniger kann sich eine innere Orientierung entwickeln. Und je weniger innere Orientierung vorhanden ist, desto mehr Steuerung von außen wird wiederum nötig - Es entsteht eine Erregungsspirale.
Der Hund verliert immer mehr die Fähigkeit, aus sich selbst heraus in die Ruhe zurückzufinden. Er wirkt aufgedreht, reizoffen und ständig erwartungsvoll. Genau das könnte man als einen selbst initiierten Kontrollverlust des Hundes bezeichnen – ein modernes Fehlverhalten, das wir häufig dem Hund zuschreiben, obwohl wir es selbst mit hervorgebracht haben.

Anstatt den Hund immer weiter zu steuern, versucht man nun, genau diese Unruhe wieder mit noch mehr Training zu kontrollieren - und übersieht dabei, dass man den Kreislauf selbst aufrechterhält.

Ein Hund kommt nicht mit dem Bedürfnis zur Welt, Tricks zu lernen. Er wacht morgens nicht auf und möchte möglichst schnell einen Slalom laufen oder auf Kommando eine Pfote heben.
Dieses Bedürfnis entsteht erst durch das Training selbst.

Training verändert nicht nur Verhalten. Es beeinflusst auch die Erwartungshaltung des Hundes. Wiederkehrende Belohnungen und die damit verbundenen hormonellen Prozesse können dazu führen, dass der Hund immer häufiger in Erwartung der nächsten Bestätigung lebt. Was wir dann als Motivation bezeichnen, ist kein Spaß für den Hund. Es ist vielmehr eine erlernte Suche nach dem nächsten Reiz.

Aus Ruhe wird Erwartung.
Aus Erwartung wird Anspannung.
Und aus Anspannung entsteht schließlich das Bedürfnis nach immer neuer Beschäftigung.

Wir erzeugen eine Erwartungshaltung und nennen sie Motivation.
Dabei besitzt der Hund längst eine Motivation, die viel älter ist als jede Hundeschule. Er möchte in einem sozialen Gefüge leben, Sicherheit erleben, Konflikte vermeiden und zur Ruhe kommen.

Das ist keine spektakuläre Motivation. Aber sie ist die Grundlage für alles andere.

Ein Hund kann auch ohne Kommando lernen, vor einer Straße anzuhalten.
Nicht, weil er dafür ein Leckerli bekommt, sondern weil er beobachtet, versteht und Zusammenhänge erkennt. Weil es sinnhaftig ist.
So, wie soziale Lebewesen seit Jahrtausenden voneinander lernen.

Natürlich kann man einen Hund zu höchster Präzision trainieren.
Man kann jede Bewegung kontrollieren, jedes Verhalten konditionieren und jede Entscheidung durch ein Signal ersetzen. Manche Menschen brauchen das...

Ich stelle diesen Umgang infrage.
Präzision ist nicht dasselbe wie Bewusstsein.
Geschwindigkeit ist nicht dasselbe wie Verständnis.
Gehorsam ist nicht dasselbe wie soziale Kompetenz.

In den vergangenen Jahrzehnten wurde vor allem gelernt, Verhalten zu erzeugen.
Aber darüber vergessen, Persönlichkeit entstehen zu lassen. Ich glaube, das ist der Hauptgrund, warum heute so viele Hunde nicht mehr zur Ruhe finden.

Kein Hund bräuchte Training, Beschäftigung und Auslastung, wenn man ihm nicht beibringen würde, ständig Belohnungen zu erwarten und zu suchen.
Wir sollten vielmehr dem Urbedürfnis des Hundes nachkommen, den Zustand der inneren Ruhe zu erhalten bzw. wiederherzustellen und für Ausgeglichenheit zu sorgen.





Wir gehen an einem sonnigen Tag auf einem unserer Panoramawege spazieren, und ein Hundehalter mit einem großen Hund komm...
02/08/2026

Wir gehen an einem sonnigen Tag auf einem unserer Panoramawege spazieren, und ein Hundehalter mit einem großen Hund kommt uns entgegen. Der Hundehalter hält die Leine sehr kurz, direkt am Halsband und herrscht seinen Hund während er an uns vorbeigeht die ganze Zeit an: „NEIN! NEIN! NEIN!“

Was lernt der Hund, der wirklich gar nichts Auffälliges gemacht hat, daraus?

Richtig – gelassen anderen Hunden vorbeigehen ist unerwünscht. An anderen Hunden vorbeigehen ist für meinen Menschen sehr stressig.

Es ist völlig absurd den Hund vorsorglich mit NEIN! zu maßregeln, nur weil er ein angebliches Fehlverhalten machen könnte.

Ein Hund lebt im Hier und Jetzt, und prophylaktische Maßregelungen mögen uns Menschen noch einleuchten, weil wir diese mit Erklärungen gespickt in unserer Sprache erläutern und somit verstehen und nachvollziehen können. Aber bitte erwarten Sie dies doch nicht von einem Tier!

Und selbst wenn der Hund dann ein von uns bezeichnetes Fehlverhalten in einer Situation an den Tag legt (bedenken Sie bitte, dass dieses Verhalten in seiner Hundewelt ein korrektes und für ihn notwendiges Verhalten ist), dann schimpfen und strafen Sie ihn nicht dafür, sondern zeigen Sie ihm stattdessen, was er denn alternativ dazu machen könnte.

Das schönste NEIN!AUS!PFUI!, die kräftigsten Leinenrucks, die Tritte, das Anzischen, das Hinterherwerfen von Gegenständen oder wie Menschen noch so kreativ ihre Hunde strafen, kommen für den Hund nur als unberechenbarer Stress- bzw. Schmerzreiz seitens seines Menschen an, aber ein ethisches Verständnis von richtig und falsch, Moral, Anstand und Sittsamkeit wird ein Hund damit nicht entwickeln.

Er wird nur erkennen, dass man sich vor seinem geliebten Menschen oft in Acht nehmen muss und dieser unberechenbar ist.

Im Prinzip das Gegenteil von einem verlässlichen Sozialpartner, dem nach vertrauen kann, dem man sich hingeben möchte, mit dem man durch Dick und Dünn gehen möchte.

Liebe Hundehalter, werden Sie kreativ im Umgang mit Ihrem Hund. Bitte zeigen Sie ihm nicht ständig auf, was er alles falsch macht, sondern zeigen Sie ihm eine Fülle von Möglichkeiten, was er statt dessen Tolles machen kann, und freuen Sie sich darüber.

Das Leben mit einem Hund kann so einfach sein.

Eva Windisch
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Was Ihr Hund beim Leinenruck lernt:RUCK!AUA! Streß!RUCK!AUA! Streß!RUCK!AUA! Streß!RUCK!AUA! Streß!RUCK!AUA! Streß!RUCK!...
26/07/2026

Was Ihr Hund beim Leinenruck lernt:

RUCK!
AUA! Streß!
RUCK!
AUA! Streß!
RUCK!
AUA! Streß!
RUCK!
AUA! Streß!
RUCK!
AUA! Streß!
RUCK!
AUA! Streß!
RUCK!
AUA! Streß!

NICHTS lernt er, außer dass Spazierengehen schmerzhaft und stressig ist.

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Haben Sie Angst vor Spinnen?Oder ist es gar Panik, die Sie befällt, wenn Sie das achtbeinige Krabbeltier an einer Wand i...
19/07/2026

Haben Sie Angst vor Spinnen?

Oder ist es gar Panik, die Sie befällt, wenn Sie das achtbeinige Krabbeltier an einer Wand in Ihrem Haus/in Ihrer Wohnung sehen? Kreischen oder schreien Sie, wenn dies der Fall ist?

Zurecht. Denn es ist auch für die meisten von uns gruselig. Es ist eine Urangst, denn eine Spinne könnte ja tödlich sein. Kinder schauen unsere Reaktion auf eine Spinne häufig ab und entwickeln nach und nach die gleiche Emotion, das gleiche Verhalten auf diesen Reiz. Lernen durch Nachahmen. Übrigens die leichteste Art des Lernens.

Würde es Ihnen helfen, wenn der Mensch, den Sie am meisten lieben Sie anschreien würde. „Stell Dich nicht so an! Halt die Klappe!“
Oder wenn er Ihnen eine Ohrfeige geben würde, denn das hat man doch früher bei hysterischen Frauen gemacht, und dann waren sie ruhig?

Wäre damit Ihre Spinnenangst kuriert?

Mit Sicherheit nicht. Ihre Panik beim Anblick einer Spinne wäre gleich, aber das Vertrauen in den Menschen, den Sie doch so sehr lieben wäre deutlich gemindert. Im schlimmsten Fall hätten Sie sogar noch zusätzlich Angst vor ihm, wenn Sie das nächste Mal eine Spinne huschen sehen.

Was täte Ihnen in so einem Moment wirklich gut?
Natürlich: Wenn Ihr Partner aufgrund Ihres spitzen Schreies herbeieilen würde, die Spinne in ein Glas setzten würde und hochkant hinausbefördern würde. „Mein Held!“, würden Sie denken. Ihre Angst vor Spinnen wäre zwar weiterhin beim Anblick einer Spinne vorhanden, denn in Ihrer Welt ist Ihre Spinnenphobie begründet, aber der Mensch, den Sie lieben, nimmt Sie immer ernst und beschützt Sie dann, wenn Sie ihn am dringensten brauchen. "Call me and I'll be there!" Was für ein wunderbarer Mensch!

Verstehen Sie worauf ich hinaus will?

Die Emotionen, die viele Hunde beim Anblick eines anderen Hundes haben und das daraus resultierende Verhalten (Laien nennen es oft „Fehlverhalten“) ist in ihrer Welt absolut begründet. Wenn Sie Ihren Hund in so einer Situation schimpfen oder gar strafen, hilft das dem Hund in keinster Weise. Sicher, Sie könnten ihn so hart strafen, dass er vor der Strafe die Sie ihm zufügen in Zukunft mehr Angst haben wird als vor dem entgegenkommenden Kollegen.
Aber wollen Sie das wirklich? Einen Hund brechen, der unsicher ist, der Angst hat? Aggression ist das Resultat von Unsicherheit und Angst. Die Spinne würden Sie mit der Fliegenklatsche töten oder mit dem Staubsauger einsaugen.

Bitte liebe Hundehalter, nehmen Sie Ihren Hund ernst. Wenn er Probleme beim Anblick eines Hundes hat, bitte vergrößern Sie den Abstand soweit es die Lokalität erlaubt, nehmen Sie ihn auf die reizarme Seite, reden Sie freundlich-beruhigend auf ihn ein, und sorgen Sie dafür, dass der Moment des Schreckens schnell vorbei ist. Alles andere ist kontraproduktiv.

Und bedenken Sie immer, wovor Sie Angst, Panik oder welche Phobie Sie auch immer haben. Spinnen, Schlangen, Höhe, Zukunft, Kriege, Schmerzen, Krankheiten, Fahrstühle, Arbeitslosigkeit, Obdachlosigkeit und und und….
Ihre Sozialpartner sollten Sie doch ernst nehmen und für Sie da sein und Sie nicht für Ihre Ängste verachten.

So wie Sie den besten Freund des Menschen immer ernst nehmen sollten.
Seine Ängste, seine Sorgen, seine Streßauslöser.
Bedenken Sie immer: Es sind nur wenige gemeinsame Jahre, die Sie zwei miteinander haben.

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